Satellitenbild der Woche Kreis der Finsternis

Die Menschen um den Vesuv leben gefährlich. Der Vulkan ist unruhig, wegziehen wollen sie trotzdem nicht. Ein Astronaut hat das Gefahrengebiet aus dem All fotografiert.

NASA


Tiefschwarz versinkt der Vesuv im Lichtermeer der Metropolregion um Neapel. Das Gebiet in Süditalien gehört zu den bei Nacht am stärksten beleuchteten des Landes. Ungefähr drei Millionen Menschen leben hier. Doch der düstere Kreis im unteren Teil des Bildes, um den sie ihre nun in der Dunkelheit leuchtenden Häuser errichtet haben, könnte zur ernsten Gefahr werden.

Der Vesuv gilt als besonders gefährlicher Vulkan. Bricht er aus, schießt kilometerhoch heiße Lava und Gestein in die Luft. Begleitet wurden die großen Ausbrüche des Vulkans zudem von sogenannten pyroklastischen Strömen. Dabei handelt es sich um mehrere hundert Grad heiße Lava-Gas-Gemische, die sich in hohem Tempo den Hang hinabbewegen. Beim letzten großen Ausbruch im Jahr 79 verschütteten die Lavamassen des Vulkans unter anderem die Stadt Pompeji.

Auf dem Gebiet der damals untergegangenen antiken Städte leben heute wieder Menschen, weshalb der Vesuv zu den am besten beobachteten Vulkanen der Erde gehört. Das Stadtzentrum von Neapel (links oben, oberhalb der herzförmig anmutenden Küstenlinie zu erkennen) liegt in etwa gleich weit vom Vesuv entfernt wie das einst verschüttete Stabiae. Die Menschen dort schirmt aber immerhin der Rest eines alten Kraterrandes vom Vulkan ab.

Fotostrecke

37  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Geldprämie für den Wegzug

Bewohnt sind allerdings auch die Hänge des gut 1280 Meter hohen Vulkanbergs, wie das Nachtbild zeigt, das ein Astronaut von der Internationalen Raumstation ISS aus aufgenommen hat. Zwar gibt es Evakuierungspläne, doch dafür müsste zwei Wochen vor dem Ausbruch bekannt sein, dass der Vulkan erneut aktiv wird.

Zuletzt ist der Vesuv 1944 ausgebrochen. Seither ist er ruhig, aber nicht erloschen. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Magma-Kammer allmählich wieder erwacht. Immer wieder bebt die Erde. Forscher warnen deshalb vor einem erneuten Ausbruch des Vulkans.

Die Regierung der Region Kampanien, in der der Vesuv liegt, versucht deshalb die Menschen zum Wegzug aus den besonders stark gefährdeten Regionen zu animieren. 600.000 Einwohner hat das Gebiet, in dem die höchste Gefahrenstufe gilt. 150.000 von ihnen sollen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren umziehen. Die Regionalregierung bietet teils Geldprämien in Höhe von mehreren Zehntausend Euro an. Bislang ohne großen Erfolg.

jme



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.