Negative Emotionen: Wenn Schimpansen ausflippen

Schimpanse (im Zoo von Krefeld, Dezember 2003): Schlagen, schreien, jammern, fiepen Zur Großansicht
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Schimpanse (im Zoo von Krefeld, Dezember 2003): Schlagen, schreien, jammern, fiepen

Entpuppt sich eine Entscheidung als Fehler, verhält sich jeder anders - doch meistens spielen Gefühle eine große Rolle. Und nicht nur beim Menschen. Verzocken sich Affen bei einem Glücksspiel, fangen sie an zu schreien, kratzen oder schlagen um sich.

Ramsch-Aktien gekauft? Beim Elfmeter nicht die richtige Ecke gewählt? Das Hotel an der Hauptverkehrsstraße gebucht? Wer eine falsche Entscheidung getroffen hat, kann schon mal wütend werden. Das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern zum Beispiel auch für Schimpansen. Denn die können nach riskanten Entscheidungen ähnlich emotional wie wir reagieren, zeigt eine Studie im Fachmagazin "PLoS One".

Alexandra Rosati von der Yale University in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) und Brian Hare von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) hatten mit Gemeinen Schimpansen und Bonobos aus afrikanischen Schutzeinrichtungen gearbeitet. Dabei konzentrierten sie sich auf negative Emotionen. Bonobos und Schimpansen äußern diese etwa, indem sie sich kratzen, um sich schlagen, schreien, jammern oder fiepen.

Im ersten Versuch mussten sich 38 Tiere zwischen einer großen und einer kleinen Futterportion entscheiden. Wählten die Affen den kleinen Snack, erhielten sie diesen sofort. Suchten sie sich jedoch die große Portion aus, bekamen sie diese erst nach einer oder zwei Minuten Wartezeit. Alle möglichen Optionen wurden vorher mit den Tieren trainiert.

Schimpansen waren risikofreudiger

In knapp zwei Dritteln der Fälle entschieden sich die Affen dafür, auf die große Portion zu warten, wenn die Wartezeit nur eine Minute betrug. Bei einer zweiminütigen Wartezeit war dies nur noch bei rund der Hälfte der Versuche der Fall. Insgesamt waren die Schimpansen im Vergleich zu den Bonobos geduldiger - sie warteten also häufiger. Allerdings schrien, jammerten und fiepten sie beim Warten auch mehr.

Mit dem zweiten Versuch wollten die Forscher testen, inwiefern Affen unterschiedliche Entscheidungsergebnisse akzeptieren. Dieses Mal wurden 37 Tiere vor die Wahl gestellt: Sie konnten sich für eine riskante oder eine sichere Option entscheiden. Bei der riskanten Option erhielten die Affen entweder ihren Lieblingssnack oder ein Essen, das sie nicht gerne mögen. Bei der sicheren Option bekamen die Tiere immer mittelmäßiges Futter.

Bei diesem Versuch zeigten sich die Schimpansen deutlich risikofreudiger, sie wählten in knapp zwei Dritteln der Fälle die Glücksspiel-Option. Die Bonobos entschieden sich nur in knapp 40 Prozent der Fälle für die Zockerei. Verloren die Affen bei dem Glücksspiel, so zeigten beide Arten stark negative Emotionen.

"Psychologen und Ökonomen haben herausgefunden, dass Gefühle beim Menschen eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen. Etwa, wenn es um die Frage geht, Geld zu investieren oder zu sparen", erklärt Studienautorin Rosati. Ihre Untersuchung zeige, dass Affen nach einer riskanten Wahl ähnlich emotional wie Menschen reagieren. Weitere Forschung sei jedoch notwendig, um herauszufinden, ob diese emotionalen Reaktionen dazu führen, dass die Tiere zukünftige Entscheidungen anders treffen.

chs/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Erinnerung
BettyB. 30.05.2013
Beim Lesen erinnerte Ich mich sofort an mehrere rumbrüllende Manager, denen man aber in keinem Falle sagen durfte, Sie benähmen sich wie Affen...
2. Ganz was neues....
gastro 30.05.2013
Zitat: "Psychologen und Ökonomen haben herausgefunden, dass Gefühle beim Menschen eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen." Die Wissenschaftsgläubigkeit führt mittlerweile zur Abschaffung des gesunden Menschenverstandes und der Erfahrung. Vielleicht möchte noch jemand nachweisen, dass atmen gesünder ist als nicht zu atmen und zudem ein längeres Leben verspricht. Wir gelangen langsam in den Bereich, in dem nichts gilt, was nciht als Studie belegt ist, egal wie sonnenklar das den meisten Mitmenschen erscheinen mag. Auch schön: eine Weihnachts-BMJ-Studie, die belegt, dass Fallschirmspringen mit Fallschirm zu weniger tödlichen Unfällen führt als ohne. Könnten wir langsam wieder etwas mehr selber denken ?
3.
schwerpunkt 30.05.2013
Zitat von BettyB.Beim Lesen erinnerte Ich mich sofort an mehrere rumbrüllende Manager, denen man aber in keinem Falle sagen durfte, Sie benähmen sich wie Affen...
Eventuell benehmen sich die Affen diesbezüglich ja auch wie Menschen!? Dann bekommt die Aussage des Artikels gleich ane ganz andere, bemerkenswerte Bedeutung als die Herabsetzung derjenigen unter uns, die ihre Emotionen auch nach Außen tragen. ;-)
4.
qvoice 30.05.2013
Zitat von gastroZitat: "Psychologen und Ökonomen haben herausgefunden, dass Gefühle beim Menschen eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen." Die Wissenschaftsgläubigkeit führt mittlerweile zur Abschaffung des gesunden Menschenverstandes und der Erfahrung. Vielleicht möchte noch jemand nachweisen, dass atmen gesünder ist als nicht zu atmen und zudem ein längeres Leben verspricht. Wir gelangen langsam in den Bereich, in dem nichts gilt, was nciht als Studie belegt ist, egal wie sonnenklar das den meisten Mitmenschen erscheinen mag. Auch schön: eine Weihnachts-BMJ-Studie, die belegt, dass Fallschirmspringen mit Fallschirm zu weniger tödlichen Unfällen führt als ohne. Könnten wir langsam wieder etwas mehr selber denken ?
Es gibt aber viele Beispiele, bei dem unser gesunder Alltagsverstand in die Irre geht. Deshalb ist es sinnvoll, auch scheinbar offensichtliche Dinge wissenschaftlich zu bestätigen. Schliesslich ist es doch offensichtlich, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Oder?
5. #2 @gastro
michaelkaloff 30.05.2013
Ich freue mich auf den Tag, an dem ein thread in der Wissenschaftsrubrik ohne bestenfalls halbqualifizierte Kommentare auskommt, aus denen höchstens hervorgeht, dass es am nötigen Leseverständnis und der Kenntnis der Zusammenhänge mangelt.
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