Umstrittene Neonicotinoide EU stuft Pestizide als Gefahr für Bienen ein

Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis: Neonicotinoide Pestizide aus der Landwirtschaft sind gefährlich für Bienenvölker. Nun könnte die Bundesregierung bestehende Sondergenehmigungen abschaffen.

Mit Pollen beladene Biene
DPA

Mit Pollen beladene Biene


Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat die Gefahr von Neonicotinoiden für Honig- und Wildbienen in einer neuen Risikobewertung bestätigt. "Die meisten Anwendungen neonicotinoider Pestizide stellen ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar", erklärte die Efsa. Die Nutzung dieser Insektengifte in der Landwirtschaft unterliegt bereits strengen Auflagen und könnte nun noch weiter eingeschränkt werden.

Die Efsa mit Sitz im italienischen Parma bestätigte eine frühere Einschätzung: 2013 kam eine erste Studie zu dem Ergebnis, dass Neonicotinoide - namentlich die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, die etwa zur Behandlung von Saatgut verwendet werden - erhebliche Risiken für Honigbienenvölker darstellen. Aufgrund mangelnder Daten konnte die Risikobewertung insbesondere für Wildbienen damals jedoch nicht abgeschlossen werden.

Dennoch schränkte die EU-Kommission die Nutzung von Neonicotinoiden erheblich ein. Nur in Gewächshäusern und bei ausgewählten Nutzpflanzen wie Wintergetreide durften die Insektengifte weiterhin zum Einsatz kommen.

Die neuen Erkenntnisse würden nun der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten vorgelegt, "die über eventuelle Ergänzungen zu den gegenwärtigen Beschränkungen der Nutzung dieser Pestizide beraten werden", erklärte die Efsa.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, für eine Neubewertung von Neonicotinoiden die Ergebnisse der Efsa abzuwarten. "Sollte sich die Schädlichkeit dieser Stoffe bestätigen, müsse ihre Verwendung verboten werden", sagte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Anfang Dezember.

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die sich unter anderem in der "Save the Bee Coalition" zusammengeschlossen haben, fordern schon länger eine Einschränkung von Teilverboten und Sondergenehmigungen. Der Industrieverband Agrar behauptete dagegen, dass die Mittel von fachkundigen Landwirten verantwortungsvoll eingesetzt werden könnten.

Experten hatten davor gewarnt, dass schon sehr geringe Dosen einiger Wirkstoffe der Substanzen tödlich sein könnten - es reichen vier Milliardstel Gramm pro Biene. Schwächere Dosierungen beeinträchtigen die Tier in der Navigation und dem Lernen, reduzieren die Fortpflanzungsfähigkeit und unterdrücken das Immunsystem.

Im Video: Die Bienenzüchterin - Eine Frau in der algerischen Männerwelt

joe/AFP

insgesamt 73 Beiträge
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lieschen müller 28.02.2018
1. Lieber spät als nie! Aber bitte nicht zu spät!
Dass die Insektenvielfalt erschreckend in Gefahr ist und was viele nicht begreifen, damit auch unsere Lebensgrundlage, ist mittlerweile für jeden Laien ersichtlich. Dazu braucht es nun wirklich keine "Experten" mehr. Also Aufwachen bevor es zu spät ist!
j.oder 28.02.2018
2. "Quand"-Physikerin und die Toxikologie
"Nun könnte die Bundesregierung bestehende Sondergenehmigungen ab-schaffen." - Hier sollten doch besser wieder die Kommunen entscheiden, wer , was anwenden darf ? Bundesgesetze könnten der Wirtschaft doch eher wehtun. Oder Plan M, die "eindeutige" Entscheidung der Kanzlerin ignorieren und aus dem Bauch entscheiden, also für den Bauch. Ausserdem gibts billigen Honig aus China und für das künstliche Bestäuben der Pflanzen, haben wir jetzt genug man-power.
Wolfvon Drebnitz 28.02.2018
3. keine Angst - es wird nichts passieren
alle die jetzt Angst haben in Zukunft kein Gift mehr spritzen zu können, kann ich beruhigen. Da die CSU das Landwirtschaftsministerium wieder übernimmt, wird es auch in Zukunft keine Verbote von Giften geben. So wie in den USA die NRA die Politik beeinflusst, ist die CSU bei uns der Vertreter der Industrie. Die Dieselverbote sind ein direktes Ergebnis dieser CSU-Politik, weil sie jahrelang versagt und die Industrie in Watte gepackt hat. Gleiches gilt für die Chemische und auch die gesamte Ernährungsindustrie - da wird genauso beschissen wie bei den Autokonzernen und keiner tut was dagegen.
sonnemond 28.02.2018
4. Das Verbot umsetzen und zwar sofort
Keine Tricks von Bauernverband und Schmidt zulassen.
rudolfsikorsky 28.02.2018
5.
Man wird in letzter Zeit mit honigsüssen Neuigkeiten bedacht . Kostenloser Nahverkehr. Fahrverbot für Dieseldreckschleudern die uns und unsere Kinder vergiften und nun scheint es auch den Ackergiften an den Kragen zu gehen. Bitte weiter so und alles auch konsequent umsetzen
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