Tierschutz Wenn Mensch und Tiger aufeinandertreffen

Ein Tiger spaziert durch ein Dorf, und ein Leopard streift durch Kathmandu: Das kann tödliche Folgen haben, für Tier und Mensch. Die Universität Siegen versucht, beiden Seiten zu helfen.

Tiger in Indien
Vivek R. Sinha/ WWF

Tiger in Indien


Als sie den Tiger in ihrem Dorf sahen, griffen die Anwohner zu allem, was sie finden konnten. Mit Stöcken, Kricketschlägern und Steinen gingen sie auf die Raubkatze los. Die Situation eskalierte. Das wilde Tier verletzte fünf Anwohner und vier Polizisten, bis die Beamten das Tier schließlich erschossen.

Was an eine Szene aus einem Film erinnern mag, ist im südnepalesischen Distrikt Parsa tatsächlich passiert. Zuletzt häuften sich Zusammenstöße zwischen Menschen und wildlebenden Tieren - vor allem in Nepal, aber auch im Nachbarland Indien. Regierungen und Aktivisten wollen nun den Konflikt zwischen Tieren und Menschen entschärfen.

Handy warnt vor Löwen

Die Universität Siegen arbeitet gerade an einer neuen Technik, die Mensch und Tier voneinander fernhalten soll. Im afrikanischen Botswana sollen Löwen mithilfe von GPS-Sendern überwacht werden. Überschreiten sie eine bestimmte Grenze, sollen die Bewohner in der Umgebung direkt gewarnt werden, zum Beispiel per Nachricht auf ihre Handys. In den vergangenen Monaten haben Biologen bereits einige Löwenrudel mit GPS-Sendern ausgestattet. Ein ähnliches System wäre auch für Asien denkbar. Hier ist das Problem besonders groß.

Im vergangenen Jahr hatten sich mehrfach Leoparden in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu verirrt. Die Polizei jagte die Tiere, stoppte sie mithilfe von Betäubungspfeilen und brachte sie anschließend wieder in einen nahe gelegenen Nationalpark. Der WWF kennt das Problem: "Viele der gefährdeten Wildtiere leben in Südasien. Und dort gibt es auch ein großes Bevölkerungswachstum. Wenn man nicht aufpasst, entsteht daraus ein Kampf um Flächen."

Oft sind besonders arme Siedler betroffen, die in den Randgebieten von Naturparks und Reservaten leben. Ohne sich dessen bewusst zu sein, dringen die Menschen zum Beispiel auf der Suche nach Feuerholz in das Revier der Tiere ein. Genau hier wollen Behörden aus Nepal und Indien ansetzen. Auch das deutsche Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit unterstützt einige Maßnahmen. Biogasanlagen in Dörfern sollen beispielsweise dafür sorgen, dass die Menschen nicht mehr auf die Suche nach Feuerholz gehen müssen.

Doch trotz aller Bemühungen: Der Konflikt bleibt - auf beiden Seiten. Denn nicht nur den Menschen droht Gefahr durch die Tiere. Im Jahr 2016 wurden in Indien fünfzig Tiger von Wilderern getötet - fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

von Stefan Mauer/dpa/koe



insgesamt 10 Beiträge
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kalim.karemi 09.03.2017
1. Und Haie schwimmen im Wasser
Was für eine Erkenntnis, das Raubtiere durch die freie Natur ziehen. Dank Überbevölkerung werden die armen Kreaturen letztendlich den kürzeren ziehen. Ein Trauerspiel! Nicht weil ab ünd zu ein Mensch gefressen wird, davon gibt's leider mehr als genug.
frank_w._abagnale 09.03.2017
2. Trennung erforderlich.
Raubtiere gehören nicht in die Nähe von Menschen und deren Nutzvieh. Man muss die Raubtiere ja nicht gleich töten. Man könnte sie alternativ auch betäuben und in Tierparks geben oder so.
ex_Kamikaze 10.03.2017
3. Noch höchstens 20 Jahre,
dann sind in Indien, Indochina und China die Tiger ausgerottet. Es gibt schlicht nichts mehr abzutreten an Lebensräumen von Tier zu Mensch. Dann gibt es nur noch im Fernen Osten Russland (aber nur, wenn die Lage so bleibt wie sie jetzt ist) und vielleicht auf Sumatra ein paar. Der Kaspitiger und die kleinen Unterarten auf Java und auf Bali sind sie ja bereits ausgerottet. Leoparden haben vielleicht ein paar Jahre (50?) länger, die sind anpassungsfähiger, weiter verbreitet und brauchen etwas weniger Beute. Der Mensch hat schon jetzt das größte Artensterben der Erdgeschichte ausgelöst - in einer Zeitspanne von kaum 300 Jahren. Wie jeder Unsinn wird auch diese Mission vom Menschen bald abgeschlossen sein. Unsere eigenen Erfahrungen mit Luchsen und Wölfen zeigen ja schlimmste Seiten - kaum ist ein einziges Schaaf gerissen ruft die ganze Jägerschaft nach Komplettabschuß der mühsam wieder ausgewilderten Bestände. Oder sie werden hinterrücks abgearbeitet wie im bayrischen Wald wo immer wieder Luchspfoten gefunden werden...
kalim.karemi 10.03.2017
4. Alternativ
Zitat von frank_w._abagnaleRaubtiere gehören nicht in die Nähe von Menschen und deren Nutzvieh. Man muss die Raubtiere ja nicht gleich töten. Man könnte sie alternativ auch betäuben und in Tierparks geben oder so.
Reservate schaffen, in denen Menschen und deren Viehzeug nichts zu suchen haben, außer als Futter. Ansonsten finde ich ihre Logik als Fürsprache der Ausrottung. "Man muss ja nich gleich zum Äußersten greifen, betäuben und nach Madagaskar umziehen oder so wäre ja auch eine Alternative"
Alex2311 10.03.2017
5.
Zitat von ex_Kamikazedann sind in Indien, Indochina und China die Tiger ausgerottet. Es gibt schlicht nichts mehr abzutreten an Lebensräumen von Tier zu Mensch. Dann gibt es nur noch im Fernen Osten Russland (aber nur, wenn die Lage so bleibt wie sie jetzt ist) und vielleicht auf Sumatra ein paar. Der Kaspitiger und die kleinen Unterarten auf Java und auf Bali sind sie ja bereits ausgerottet. Leoparden haben vielleicht ein paar Jahre (50?) länger, die sind anpassungsfähiger, weiter verbreitet und brauchen etwas weniger Beute. Der Mensch hat schon jetzt das größte Artensterben der Erdgeschichte ausgelöst - in einer Zeitspanne von kaum 300 Jahren. Wie jeder Unsinn wird auch diese Mission vom Menschen bald abgeschlossen sein. Unsere eigenen Erfahrungen mit Luchsen und Wölfen zeigen ja schlimmste Seiten - kaum ist ein einziges Schaaf gerissen ruft die ganze Jägerschaft nach Komplettabschuß der mühsam wieder ausgewilderten Bestände. Oder sie werden hinterrücks abgearbeitet wie im bayrischen Wald wo immer wieder Luchspfoten gefunden werden...
Das passt natürlich in ein ideologisch geladene Weltbild, stimmt aber nicht. Es sind mehrere Perioden in der Erdgeschichte, wo bis 95% der Arten ausgestorben sind, und der Mensch hatte damit nichts zu tun. https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben
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