30 Jahr konserviert Neue Fledermausart in Museum entdeckt

Jahrzehnte hatte sie im Archiv gelagert: In einem Museum in London haben Forscher eine bisher unbekannte Fledermausart gefunden. Ursprünglich stammen die Tiere aus Südostasien, wo sie bis heute zu finden sind.

Rhinolophus francisi thailandicus: Die auffällige Schnauzenform gibt Hufeisennasen ihren Namen
DPA

Rhinolophus francisi thailandicus: Die auffällige Schnauzenform gibt Hufeisennasen ihren Namen


Etwas unheimlich sieht sie aus, die zähnefletschende Fledermaus im Glas. Forscher am Londoner Natural History Museum (NHM) haben festgestellt, dass sie über Jahrzehnte eine bisher nicht beschriebene Art im Archiv stehen hatten. Seit 30 Jahren lag die Fledermaus dort in Alkohol eingelegt.

"Neue Arten von Insekten und Fischen werden recht regelmäßig entdeckt, aber neue Säugetiere sind seltener", sagt der Zoologe Roberto Portela Miguez vom NHM. Die neue Fledermausart soll demnächst in der Fachzeitschrift "Acta Chiropterologica" beschrieben werden.

Die neue Art gehöre zur Familie der Hufeisennasen (Rhinolophus), teilte das NHM mit. Ihren Namen tragen die Hufeisennasen wegen ihrer eigentümlich geformten Schnauze. Experten gehen davon aus, dass die Tiere diese Nasenform nutzen, um die Schallwellen zu bündeln, mit denen sie navigieren. Hufeisennasen setzen eine besondere Schallfrequenz ein, um fliegende Insekten zu orten.

Ihre Neuentdeckung nannten die Forscher Rhinolophus francisi, zu Ehren von Charles Francis, der das Weibchen im Jahr 1983 in Malaysia gefunden hatte.

Rhinolophus francisi: 30 Jahre lagerte das Tier im Archiv des Museums
DPA

Rhinolophus francisi: 30 Jahre lagerte das Tier im Archiv des Museums

Im Computertomografen hatten die Experten das tote Tier mit seinen zerbrechlichen Knochen analysiert. Zusätzlich untersuchten die Forscher Fledermäuse in Südostasien und sammelten Genmaterial. So zeigte sich: Zwei weitere Exemplare, die 2004 in Indonesien gefunden wurden, zählen zur selben Art wie die eingelegte Fledermaus in London.

Ein viertes Tier aus dem Westen Thailands sah fast identisch aus, wies aber genetische Unterschiede zu den anderen auf. Die Forscher beschrieben es als Exemplar der Unterart Rhinolophus francisi thailandicus. Ob diese vielleicht doch eine eigene Art sei, müsse weitere Forschung in den Wäldern Thailands klären, hieß es in der Mitteilung des Museums.

Es kommt immer wieder vor, dass Biologen zuvor unbekannte Arten in den Sammlungen von Museen entdecken. So fand sich etwa eine neue Schlangenart im Kopenhagener Museum. Und 2014 berichtete ein Forscher erstmals von der Käferart Darwinilus sedarisi: Eingesammelt hatte den Käfer Naturforscher Charles Darwin im September 1832, doch es dauerte rund 180 Jahre, bis ein Biologe den winzigen Käfer sichtete und wissenschaftlich beschrieb.

jme/dpa



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