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Neue Prognose: Eisfreier Arktis-Sommer schon in 30 Jahren

Das Eis der Arktis schmilzt. Aber wie schnell? Forscher haben jetzt eine neue Prognose vorgelegt - und die klingt wenig beruhigend: Die weiße Pracht ist demnach bis 2037 so gut wie verschwunden. Manche Modelle sagen sogar einen deutlich früheren Totalverlust des arktischen Meereises voraus.

Washington - Am 28. Februar war Schluss. Das war der Tag, an dem das arktische Meereis in diesem Winter aufhörte, zu wachsen - jedenfalls wenn man den Statistiken der US-Wetterbehörde NOAA glauben mag. Ungefähr 15 Millionen Quadratkilometer groß war der weiße Panzer zu diesem Zeitpunkt. In den kommenden Monaten werden die Eisschollen nun unter der immer kräftiger werdenden Sonneneinstrahlung schmelzen. Polarforscher und Klimaexperten schauen dabei gespannt auf zwei Werte: die Eisausdehnung und die Eisdicke. Denn beide lagen in den vergangenen Sommern weit unter dem zu erwartenden Mittelwert.

Das liegt daran, dass sich die Arktis weit schneller erwärmt als viele andere Teile der Erde. US-Forscher haben nun eine neue Prognose vorgelegt, wann der Arktische Ozean im Sommer beinahe komplett eisfrei ist. Dieser Punkt dürfte bereits im Jahr 2037 erreicht sein, schreiben Muyin Wang von der University of Washington und sein NOAA-Kollege James Overland in der aktuellen Ausgabe der "Geophysical Research Letters".

Lediglich nördlich von Grönland und in der Inselwelt im Norden von Kanada könnten sich dann noch Eisreste am Ende des Sommers halten. Dort schiebt der Wind Eisschollen übereinander und lässt so dicke Presseisrücken entstehen. Frühere Modelle hatten Zeitpunkte zwischen den Jahren 2100 und - besonders beunruhigend - 2013 für einen eisfreien Arktischen Ozean ergeben.

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Die Forscher hatten sechs verschiedene Klimamodelle für ihre aktuelle Vorhersage genutzt - und zwar diejenigen, die sich von den 23 vom Uno-Weltklimarat im Jahr 2007 verwendeten Berechnungsverfahren am besten eigneten, um das Verhalten das Arktischen Eises zu beschreiben. Und alle sechs Modelle sagten eine schnelle Abnahme des Eises voraus, berichten die Forscher - manche sogar schon bis zum Jahr 2020. "Die Arktis wandelt sich schneller, als wir früher angenommen haben," sagt Overland. "Es gibt eine Kombination aus natürlicher Variabilität, wärmerer Luft und Meereisbedingungen, die durch die Zunahme von Treibhausgasen verursacht werden."

Im Zusammenspiel sorgen diese Faktoren für eine rasche Eisschmelze. Die Ausgangsdaten für die Berechnungen waren die niedrigen Eisstände der vergangenen Jahre, als immer wieder besonders niedrige Marken erreicht wurden. Den bisherigen Tiefststand seit Beginn der Satellitenbeobachtungen im Jahr 1979 fanden die Forscher 2007. Damals waren es nur 4,1 Millionen Quadratkilometer. Und auch 2008 hatte die minimale Eisausdehnung mit 4,5 Millionen Quadratkilometern nur knapp über dem Negativrekord des vorangegangenen Jahres gelegen. Die betreffenden Zahlen können dabei etwas schwanken, je nachdem ab welchem Grad von Eisbedeckung ein bestimmtes Gebiet mitgezählt wird.

Welche Folgen wird das Verschwinden des Eises nun für die Arktis haben? Wang und Overland sagen zum Beispiel steigende Herbsttemperaturen voraus. Sie entstünden dadurch, dass das Wasser durch die fehlende Eisdecke verstärkt aufgeheizt werde. Die von der langwelligen Sonnenstrahlung ins arktische System eingebrachte Hitze werde dann im Herbst an die Umgebung abgegeben. Dieser Prozess scheint bereits stattzufinden: Schon im vergangenen Herbst hatten Forscher massiv erhöhte Temperaturen in der Arktis gemeldet.

chs/AP

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