Neue Prognose: Nordmeer im Sommer in zehn Jahren nahezu eisfrei
73 Tage lang haben britische Forscher das Eis in der Arktis vermessen. Das Ergebnis: Die weiße Pracht schmilzt noch schneller dahin als ohnehin befürchtet. In zehn Jahren dürfte das Nordpolarmeer während der Sommermonate nahezu eisfrei sein.
London - Die Arktis gilt als einer der Hotspots des Klimawandels: Kaum irgendwo sonst schreitet die Erwärmung so rapide voran wie im hohen Norden. Jetzt haben Forscher neue Messdaten zur Entwicklung der arktischen Eisbedeckung vorgelegt - und die Daten sind alles andere als beruhigend.
Das Nordpolarmeer wird nach Einschätzung der britischen Wissenschaftler schon innerhalb der nächsten zehn Jahre während der Sommermonate nahezu eisfrei sein, berichten die Teilnehmer des "Catlin Arctic Survey". Bei der Expedition, die von März bis Mai dauerte, erfassten die Forscher unter Leitung von Pen Hadow mehr als 6000 Daten über die Dicke und Dichte des Eises. Auf der 450 Kilometer langen Expeditionsroute durch die Beaufortsee betrug dessen durchschnittliche Dicke nur 1,80 Meter, sagte Peter Wadhams von der University of Cambridge am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts in London. Das sei zu dünn, um den kommenden Sommer zu überstehen.
Insbesondere das einjährige Eis, aus dem das arktische Eis zum Großteil bestehe, sei im Sommer "sehr anfällig", sagte Wadhams. Es reiche nicht aus, um zur Regeneration des mehrjährigen Packeises beizutragen. Vermutlich werde der Nordpol bereits in 20 bis 30 Jahren Studie im Sommer vollkommen eisfrei sein. Der größte Teil des Rückgangs werde voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren stattfinden.
Die Forscher aus Cambridge haben die Daten der Arktis-Expedition auch mit Messungen des britischen Atom-U-Boots "HMS Tireless" verglichen. Das Ergebnis: Die beunruhigenden Daten der "Tireless" aus dem Jahr 2007 waren kein einmaliger Ausreißer oder gar Messfehler, sondern seien konsistent mit den Daten Erkenntnissen des "Catlin Arctic Survey".
Die Forscher bezeichneten ihre Messungen als "bedeutend", da die Eisdecke in der untersuchten Region traditionell dicker war als in anderen Gebieten der Arktis. Die Eisschmelze gehe "schneller als wir gedacht haben", sagte Martin Sommerkorn, Klimaexperte der Naturschutzorganisation WWF. Das Abschmelzen der Polkappen könne unter anderem Überschwemmungen nach sich ziehen, von denen ein Viertel der Weltbevölkerung bedroht sei.
Vor rund einem Monat hatten Forscher des National Snow and Ice Data Center in den USA berichtet, dass das Meereis der Arktis in diesem Sommer auf den drittniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen abgeschmolzen ist. Die Eisbedeckung im Arktischen Ozean ist am Ende der warmen Sommermonate auf eine Fläche von 5,1 Millionen Quadratkilometern geschrumpft. Erreicht wurde der Wert am 12. September. Nun wächst die Eisausdehnung langsam wieder.
mbe/AP/AFP
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