Neue Studie Allianz befürchtet nicht versicherbare Schäden durch Klimawandel

In einer neuen Studie zur globalen Erwärmung beziffern WWF und Allianz die finanziellen Folgen des Klimawandels - und kommen zu einem beklemmenden Ergebnis: Die drohenden Schäden sind kaum noch versicherbar.

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New Orleans ein Jahr nach Hurrikan "Katrina": Der Klimawandel macht Versicherern Sorgen
AFP

New Orleans ein Jahr nach Hurrikan "Katrina": Der Klimawandel macht Versicherern Sorgen


Die Überschriften der Nachrichtenagenturen ließen es an Dramatik nicht fehlen: "Allianz und WWF befürchten Klimakatastrophe vor 2050", titelte AP. "Küstenstädten drohen Riesen-Schäden durch Klimawandel", schrieb Reuters. "Durch Klima-Kippeffekte drohen weltweit Milliardenschäden", hieß es bei AFP. "Studie: Unumkehrbare Klimafolgen schon vor 2050", lautete die Zeile der Deutschen Presse-Agentur.

Das Merkwürdige: In der Studie, die der WWF und der Versicherungskonzern Allianz am Montag vorgelegt haben, steht über die möglichen Folgen des Klimawandels nichts Neues. Schnell steigende Meeresspiegel, Dürren in Kalifornien und Südeuropa, Wetterkatastrophen in Asien - alles sattsam bekannte Gefahren der globalen Erwärmung. Auch dass nun alles viel früher passieren soll als bisher vermutet, gibt die Studie nicht her.

"Zum Zeitpunkt der Veränderungen gibt es keine neuen Erkenntnisse", sagte WWF-Mitarbeiterin Sigrid Goldbrunner zu SPIEGEL ONLINE. Auch wurden in der Studie die zukünftigen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die insbesondere in den Industriestaaten zweifellos ergriffen werden, nicht berücksichtigt. Deshalb dürften die Schadenshöhen, die in dem Papier genannt werden, allenfalls theoretisch sein.

So heißt es etwa in der Studie, das Abschmelzen der Polkappen könne schon vor dem Jahr 2050 zu einem Meeresspiegelanstieg von einem halben Meter führen. In den 136 Küstenstädten mit mehr als einer Million Einwohnern seien dadurch Vermögenswerte von über 28 Billionen US-Dollar gefährdet. Allein an der Nordostküste der USA stiegen die gefährdeten Werte in den nächsten 40 Jahren von heute 1,35 auf 7,4 Billionen US-Dollar an.

Drohende Klimaschäden nicht mehr versicherbar

Die Berechnung realer Schadenshöhen sei jedoch nicht das eigentliche Ziel gewesen, sagt Allianz-Sprecher Nicolai Tewes. "Wir haben anhand der prognostizierten Entwicklung der Küstenstädte ausgerechnet, welche Werte dort künftig stehen werden." So könne man herausfinden, welches Investment nötig sei, um solche Werte zu versichern - "und ob Schäden in einer Höhe, wie sie durch den Klimawandel drohen, noch versicherbar sind". Die Antwort laute: Sie sind es nicht, zumindest nicht mit heutigen Geschäftsmodellen. "Eine Lösung wäre, besondere Kapitalmarkt-Produkte zu schaffen", so Tewes. Doch auch an den Kapitalmärkten könne man ein Risiko solchen Ausmaßes wohl nicht loswerden. "Deshalb plädieren wir dafür, rechtzeitig vorzubeugen, damit solche Schäden erst gar nicht eintreten."

Es ist nicht das erste Mal, dass Versicherungen die bereits verbuchten und die drohenden Kosten der Klimawandel-Folgen abgeschätzt haben. Die Münchner Rück etwa schätzte die Schäden durch Naturkatastrophen für das Rekordjahr 2008 auf rund 200 Milliarden Dollar. Diesmal aber, so WWF-Sprecherin Goldbrunner, habe man sich nur auf die sogenannten "Tipping-Points", die Kipppunkte des Klimas, konzentriert - also jene Bereiche, in denen der Klimawandel besonders schnell zu irreversiblen Folgen führen kann.

"In letzter Zeit hat sich in der öffentlichen Debatte der Eindruck breit gemacht, dass der Klimawandel langsam und stetig vonstatten gehen werde", so Tewes. "Doch es kann an vielen Stellen auch sehr schnell gehen." Das gilt offenbar auch für andere Mechanismen, wie Beispielsweise die Gestaltung von Versicherungsprämien. "Als Versicherer und Investor müssen wir unsere Kunden auf diese Szenarien vorbereiten, solange noch Handlungsspielräume bestehen", sagt Clemens von Weichs, Vorstandsvorsitzender der Allianz Reinsurance. "Risikogerechte und nachhaltige Prämiengestaltung sind für alle Beteiligten von vitalem Interesse."

Die Politik schreitet derweil weiterhin gemächlich voran. Die Klimakonferenz in Kopenhagen wird im Dezember wahrscheinlich ohne ein verbindliches Abkommen zu Ende gehen - obwohl sich die Staaten vor zwei Jahren genau dazu verpflichtet hatten. "Wir werden in Kopenhagen keinen ausziselierten Vertrag haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag. Aber sie sei "motiviert, zum Erfolg beizutragen". Denn ein Misserfolg wäre "ein ziemlich dramatisches Signal".

Mit Material von AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
M. Michaelis 23.11.2009
1. ...
Zitat von sysopWWF und Allianz haben eine neue Klimawandel-Studie vorgelegt. Neuigkeiten zur globalen Erwärmung findet man darin nicht - aber beeindruckende Zahlen über die finanziellen Folgen: Die Allianz hält die drohenden Schäden für kaum noch versicherbar. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,662927,00.html
Es findet sich immer ein Grund Prämien zu erhöhen und sich aus der Haftung zu stehlen.
derknecht 23.11.2009
2. Na klar passt ja auch zu heute die Meldung
Ich denke mal noch offensichtlicher kann man es ja schon nicht mehr machen. Hier legen sie einen Bericht vor, welcher keine neuen Erkenntnisse enthält. Und die deutschen Medien berichten darüber. Wie wäre es mal mit echten Nachrichten. z.B. http://ef-magazin.de/2009/11/22/1666-dreiste-manipulation-der-wichtigsten-temperaturdaten-zur-welttemperatur-nicht-mehr-auszuschliessen-climatgate--klimagate Dann würde man auch verstehen warum in unseren Medien so über den Bericht gesprochen wird. Da wir nix von den wahren Gründen des "Klimawandels" mitbekommen. Nur ein Grund für den CO2-Emmisionshandel womit machen Banken welche dies erfunden haben noch reicher werden.
Der-Gande 23.11.2009
3. Schwarz....
malerei?? Ist es mal wieder Zeit, irgendwas mal wieder herbeizu"schreiben"????
Rainer Helmbrecht 23.11.2009
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von sysopWWF und Allianz haben eine neue Klimawandel-Studie vorgelegt. Neuigkeiten zur globalen Erwärmung findet man darin nicht - aber beeindruckende Zahlen über die finanziellen Folgen: Die Allianz hält die drohenden Schäden für kaum noch versicherbar. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,662927,00.html
Warum genügt es nicht einfach die Prämien zu erhöhen. Muss man noch das Menetekel an die Wand malen, damit ich Glaube was mich das kosten soll. Ich bin von diesen Wissenschaftlichen Studien bisher immer angenehm enttäuscht worden, kein Alzheimer, keine Jakob Kreuzfeld, keine Vogelgrippe, das mit den Schweinen spielt sich auch nur in den Kassen der Hersteller ab. CO2 wird die Welt untergehen lassen und die Kanzlerin hält das durch Erhöhung der Beiträge auf. Wann kümmert sich eigentlich mal jemand wirklich um Zukunftsprobleme? Überbevölkerung, Altersarmut, Rentenprobleme, Kinderarmut, Bildung, Energie und, und, und. Diese elende Abzocke mit Hilfe von Regierungen und Darstellern von Wissenschaftlern hängt mir kreuzweise zum Hals raus. MfG. Rainer
viceman 23.11.2009
5. da haben sich ja zwei zusammengetan,
Zitat von sysopWWF und Allianz haben eine neue Klimawandel-Studie vorgelegt. Neuigkeiten zur globalen Erwärmung findet man darin nicht - aber beeindruckende Zahlen über die finanziellen Folgen: Die Allianz hält die drohenden Schäden für kaum noch versicherbar. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,662927,00.html
der klimawandel stockt - in diesem jahrtausend stiegen die temoperaturen nicht mehr und trotzdem reden wwf zusammen mit der arroganzversicherung den weltuntergang herbei! einfach nur schrecklich, dieses "powerduo" - eigentlich trio, den frau merkel fehlte noch!
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