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Neue Studie: Kondensstreifen fördern Klimawandel indirekt

Kondensstreifen von Flugzeugen beeinflussen das Weltklima weniger stark als bisher angenommen, so eine aktuelle Studie. Allerdings führen sie auch zur Entstehung von Eiswolken - und deren Einfluss könnte doppelt so groß sein wie bisher geahnt.

Oberpfaffenhofen - Wissenschaftler rätseln seit langem darüber, in welchem Maß die Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen das Wetter beeinflussen. Auch diverse Verschwörungstheorien ranken sich um die strittige Frage. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben jetzt eine neue Untersuchung vorgelegt - mit zwiespältigem Ergebnis.

Kondensstreifen eines Düsenflugzeugs: Klimawirkung geringer als vermutet
DLR

Kondensstreifen eines Düsenflugzeugs: Klimawirkung geringer als vermutet

Die Kondensstreifen selbst üben demnach einen "deutlich geringeren" Einfluss auf das Klima aus als ursprünglich angenommen. Allerdings tragen die Streifen auch zur Bildung von Zirruswolken bei. Und diese hoch in der Atmosphäre schwebenden Eiswolken könnten den neuen Erkenntnissen zufolge einen doppelt so großen Beitrag zur globalen Erwärmung leisten als bisher vermutet.

Wolken reflektieren von der Sonne kommende Strahlen ins All zurück, was für die Erde kühlend wirkt. Andererseits nimmt das Wasser in den Wolken von der Erde kommende Wärmestrahlung auf und strahlt sie wieder zurück zur Erde, was die Erwärmung fördert. Da bei den recht dünnen Zirruswolken der zweite Effekt größer sei als der erste, wirkten sie insgesamt erwärmend, erklärt Robert Sausen, Abteilungsleiter am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre.

Dieser Effekt gelte zwar auch für die Kondensstreifen. Da die luftverkehrsbedingten Zirren jedoch eine rund zehn Mal größere Fläche besäßen als die Kondensstreifen, sei ihre Wirkung ungleich größer. Seit 1999 galten die Daten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) als Standard zur Klimawirkung des Luftverkehrs. Anhand der neuen Studie unter Führung des DLR geht das IPCC laut Sausen jetzt davon aus, dass die Klimawirkung der Kondensstreifen nur ein Drittel des zuvor angenommenen Werts umfasse.

Im Hinblick auf die anderen schädlichen Wirkungen des Luftverkehrs auf das Klima habe das DLR die bisherigen Daten des IPCC aber bestätigt. Dies seien die Freisetzung von Kohlendioxid und Ozon sowie der Abbau von Methan durch Stickoxid-Emissionen. Die Studie unter Führung des DLR wurde in einem Sonderband der "Meteorologischen Zeitschrift" veröffentlicht.

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