Neue Bruchzone Der Atlantik verschwindet

Das Schicksal des Atlantiks scheint besiegelt: Südwestlich von Portugal haben Geoforscher eine lange Bruchzone entdeckt, die den Meeresboden verschluckt. In ferner Zukunft dürfte der Ozean verschwunden sein, Amerika und Europa wären vereint.

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NOAA

Hamburg - Im Süden Spaniens und Portugals schrecken immer wieder Erdbeben die Bewohner. Berstender Meeresboden lässt die Küsten zittern. Einer neuen Studie zufolge künden die Beben von einer Wende der Erdgeschichte: Im Atlantik entstehe eine gigantische Bruchzone, berichten Geoforscher. Sie werde im Laufe von Jahrmillionen den Meeresboden schlucken. Der Atlantische Ozean verschwinde, Amerika und Europa würden dereinst vereinigt.

Der Atlantik ist der Studie zufolge quasi vom Mittelmeer geologisch vergiftet worden: Eine Bruchzone springe derzeit von dort in den Atlantik. Der Grund des Mittelmeers wird von einer tiefen Spalte durchschnitten. Afrika drängt nach Norden, schiebt den Ozeanboden vor sich her. Vor Südeuropa taucht er unter teils heftigen Beben ins Erdinnere, dabei schmilzt Gestein. Magma quillt auf, es speist Vulkane wie den Ätna oder den Vesuv.

Noch wird der Atlantik größer. Auf halbem Weg zwischen Amerika im Westen und Afrika und Europa im Osten schlängelt sich ein gewaltiges Gebirge durch den Ozean, der Mittelatlantische Rücken. Aus seinen Spalten strömt fortwährend Lava, sie härtet zu frischer Gesteinskruste - krachend schiebt sie den Meeresboden beidseits des Rückens weg. Der Atlantik weitet sich dadurch, Amerika und Europa rücken pro Jahr einen Fingerbreit auseinander. Würde Columbus das Meer heute queren, müsste er zwölf Meter weiter segeln als vor 500 Jahren.

Knautschzone am Meeresboden

Doch seine beste Zeit habe der Atlantik hinter sich, er wandle sich von einem jungen zu einem alten Ozean, schreiben Geoforscher um João Duarte von der Monash University im australischen Melbourne im Fachblatt "Geology". Die Wissenschaftler haben Karten des Meeresbodens südwestlich vor Spanien ausgewertet. Von Schiffen aus hatten Forscher mit Schallwellen ein Gebiet halb so groß wie Deutschland abgetastet.

Zwar hatten die Fachleute dort Bruchzonen erwartet, schließlich hatten starke Beben die Region erschüttert. 1755 etwa schickte ein extremer Ruck des Meeresbodens südwestlich von Portugal Tsunamis an die Küsten, die in Lissabon eine der schlimmsten Naturkatastrophen Europas verursachten. Duarte und seine Kollegen haben Gebiete entdeckt, an denen die Beben ihren Ausgang genommen haben könnten: Ausgedehnte Überschiebungen, Gesteinspakete also, die sich mit kräftigem Ruck übereinander geschoben haben.

Zusätzlich aber fanden die Forscher, dass diese geologischen Knautschzonen durch Brüche im Meeresgrund über weite Strecken verbunden sind. Offenbar bilde sich hier eine neue Tausende Kilometer lange Verschluckungszone, entlang derer der Meeresboden ins Erdinnere abtauche, folgern die Wissenschaftler.

Vulkane vor Spanien

Der Atlantik konnte sich bislang stetig vergrößern, weil ihn nur winzige Verschluckungszonen (im Fachjargon Subduktionszonen genannt) begrenzen. Nur in der Karibik und südlich von Südamerika tauchen kleinere Teile des atlantischen Meeresbodens ins Erdinnere. Der Pazifik hingegen taucht an all seinen Seiten unter benachbarte Kontinente: Die Folge ist der bebende pazifische Feuerring mit seinen Hunderten Vulkanen an den Küsten des Ozeans - von den Anden bis Alaska, von Japan bis zur Südsee. Der Pazifik ist ein alternder Ozean; er wird kleiner.

Die nun entdeckte Subduktionszone etwa 400 Kilometer südwestlich von Gibraltar zeige, dass nun auch die Schrumpfung des Atlantiks beginne, schreiben Duarte und seine Kollegen. In ferner Zukunft werden dort wohl Vulkane wachsen. Taucht der verschluckte Meeresgrund tief genug ins Erdinnere, bildet sich Magma.

Vor der Südküste Europas also beginnt das Sterben des Atlantischen Ozeans. Doch die Verschluckungszone wird sich weiter ausdehnen, meinen die Forscher. Irgendwann dürfte sie den atlantischen Meeresboden verschlungen haben. Neue Ozeane entstehen woanders; der nächste wächst bereits in Afrika - dort bildet sich Meeresboden mitten in der Wüste.



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insgesamt 172 Beiträge
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Seite 1
skade 24.06.2013
1.
na, das wollen wir doch nicht. Es langt wenn Grossbritanien erstmal ziemlich schnell gen USA abdriftet.
schüler.aus.bremen 24.06.2013
2. Interessant
Finde ich sehr interessant. Wäre mal cool zu gucken, wie der Letze Rest da rein läuft und man mit Autos drüber fahren kann
lattus 24.06.2013
3. Abwarten
Sieht mir eher nach einem lokalen Phänomen aus, das man auch mit den sehr komplexen Spannungsverhältnissen in dieser Region erklären könnte. Die Unteruschungen scheinen doch noch eher am Anfang zu stehen,
ixfüru 24.06.2013
4. Wer bezahlt
solche unnützen Studien eigentlich? Die Forschung nach Ereignissen, was in Jahrmillionen passieren wird, ist so überflüssig, wie ein Kropf. Selbst aus nützlicheren Erkenntnissen (Klimawandel) ziehen wir keine Schlüsse und schon gar keine Konsequenzen.
tschili 24.06.2013
5. Eiszeit
Wenn das passiert, dann bedeutet das für Europa eine ewige Eiszeit, da der Golfstrom dann nicht mehr existiert und als Wärmepumpe fungiert. Wann können wir hier „das Licht“ ausmachen! Vielleicht kommen dann einige mit ihrem Wachstumswahn und ihrer Kapitalismusgier wieder zu Verstand - dann liegt nämlich alles am Boden und nichts geht mehr. Flugzeuge, Autos usw. dürften wegen der extremen Kälte dann auch nicht mehr funktionieren, ebenso wie die Wirtschaft und Infrastruktur. Die nördliche Hemisphäre wird dann zur ewigen Eiswüste.
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