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Neue Theorie: Biogifte sollen schuld am Ende der Dinosaurier sein

Und noch eine These: Diesmal sollen es biologische Gifte sein, die vor rund 65 Millionen das Ende der Dinosaurier besiegelt haben. Das glauben zumindest einige US-Forscher, die Cyanobakterien in den Weltmeeren für das Massensterben verantwortlich machen.

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REUTERS

Cyanobakterien: Doppelter Schaden soll zum Artensterben geführt haben

Portland - Die Frage, warum die Dinosaurier zusammen mit vielen anderen Tier- und Pflanzenarten dahingerafft wurden, spaltet Wissenschaftler in zwei große Lager. Ein Teil der Forscher glaubt, der Einschlag eines großen Meteoriten sei daran schuld. Der durch den Impakt aufgewirbelte Staub habe die Sonne verdunkelt und unter anderem durch den folgenden weltweiten Kälteeinbruch das globale Artensterben verursacht. Zuletzt stellten US-Forscher die - durchaus umstrittene - These vor, ein gigantischer Einschlag vor Indien habe die verhängnisvollen Ereignisse in Gang gesetzt.

Andere Experten glauben hingegen, Vulkane hätten vor 65 Millionen Jahren enorme Mengen Gase und Staub in die Atmosphäre geschleudert und so das Klima kippen lassen. Nun haben der Geologe James Castle und der Ökotoxikologe John Rodgers von der Clemson University im US-Bundesstaat South Carolina eine neue These vorgestellt, über die sicher ebenfalls trefflich gestritten werden wird.

Auf dem Jahrestreffen der Geological Society of America in Portland - wo auch die These vom Einschlag vor Indien präsentiert wurde - stellen die beiden Wissenschaftler ein Papier vor, wonach Cyanobakterien in sogenannten Blaualgenblüten in ausreichender Menge wucherten, um andere Pflanzen und Tiere in großer Zahl absterben zu lassen. Das schließen die Forscher aus der Analyse von Ablagerungen in Gestein, die sie auch im der Zeitschrift "Environmental Geosciences" veröffentlicht haben (Vol. 16, S. 1-23). Die Forscher berichten von Lagen aus biogenen Sedimentgesteinen, die in Folge des Wachstums der Mikroorganismen entstanden seien.

Die Cyanobakteien hätten anderen Arten gleich doppelt geschadet: Zum einen hätten sie giftige Stoffe gebildet, zum anderen hätten nach einer Algenblüte die vermodernden pflanzlichen Reste noch Sauerstoff verbraucht. Das Artensterben sei zu langsam vor sich gegangen, um auf eine plötzliche Katastrophe wie einen Meteoriten oder Vulkanausbrüche zurückzugehen, sagte Castle. Ein Meteoriteneinschlag oder Vulkanausbrüche mögen den Rückgang der Artenvielfalt beschleunigt haben, so der Forscher, aber das eigentliche Massensterben gehe auf das Konto der Cyanobakterien.

Beunruhigend ist, dass die Forscher Parallelen zwischen der damaligen und der heutigen Entwicklung durch den Klimawandel sehen. Denn für das Wachstum der Organismen, die Wärme, Kohlendioxid und eine gute Nährstoffversorgung brauchen, herrschen derzeit ideale Bedingungen. Die Zahl und Ausbreitung von Algen, die Giftstoffe produzieren, nehme zu, mahnen die Wissenschaftler.

chs/AP

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Dinosaurier: Massensterben vor 65 Millionen Jahren


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