Das Sommerwetter 2011 ist, man muss das so drastisch sagen, bisher ein Totalausfall - zu kalt, zu nass, zu windig. Doch der neue Klimaatlas des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erinnert jetzt eindrücklich daran, dass die Sommer in Deutschland zukünftig deutlich anders aussehen werden als derzeit: heißer und in weiten Teilen des Landes auch trockener.
Zwar präsentiert die frisch polierte Web-Seite der Meteorologen keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wohl liefert sie aber beeindruckende Darstellungen dazu, wie sich unser Wetter in den kommenden Jahrzehnten ändern wird.
Mit etwas Muße lässt sich mit dem neuen Angebot die Zukunft des Klimas in Deutschland spielerisch entdecken. Für die Darstellung werden die Ergebnisse von immerhin 21 regionalen Klimamodellen zusammengefasst. Die Rechnungen reichen dabei bis ins Jahr 2100. Neben dem Blick in die Zukunft gibt es aber auch einen in die Vergangenheit. Dafür nutzt der DWD seine bis zu 130 Jahre zurückreichenden Messreihen. "Zusammen sind das 230 Jahre Klima", wirbt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. "Es gibt kein einziges Angebot in Deutschland, das alle verfügbaren Klimainformationen so zusammenfasst."
Die aktuelle Wettersituation lässt sich gut mit den Archivdaten vergleichen. Und wer das tut, der findet für die gefühlten Befunde zum aktuellen Sommer auch empirische Bestätigung: Vor allem im Osten des Landes kam im Juli deutlich mehr Wasser vom Himmel als üblich, zum Teil viermal so viel. Doch es gab auch Regionen mit unterdurchschnittlichem Regenaufkommen, in Niedersachsen zum Beispiel. Der Blick auf die Julitemperaturen zeigt wiederum, dass vor allem die Menschen im Süden und Westen frösteln mussten, mit Temperaturen bis zu drei Grad unter dem langjährigen Mittel.
"Klimawandel ein Stück greifbarer"
Doch langfristig gehen die Temperaturen deutlich nach oben, daran ändert auch der maue Sommer in diesem Jahr nichts. Das lässt sich mit ein paar Klicks im Klimaatlas herausfinden. Neu ist die Botschaft nicht, nur neu verpackt. "Damit wird der Klimawandel ein Stück greifbarer und schafft Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Energieressourcen", lobt Verkehrsminister Peter Ramsauer das Angebot.
Neben den klassischen Datensätzen zu Temperatur und Niederschlag finden sich darin auch solche zu Frosttagen, Tropennächten oder zum Vegetationsbeginn. Dazu kommen scheinbar exotische Dinge wie der Beginn der Winterrapsblüte oder die Grünlanderträge beim ersten Silageschnitt - für Bauern sind das aber durchaus wertvolle Informationen.
Bei den Klimakarten von Vergangenheit und Gegenwart können Nutzer mit einer Lupe weiter in die Darstellung hineinzoomen. Bei den gröber aufgelösten Zukunftsperspektiven ist das dagegen nicht möglich. Angezeigt werden hier jeweils drei Prognosen. Neben der mittleren Änderung, die sich aus allen Modellen ergibt, werden einmal mehr Modelle mit starker Erwärmung berücksichtigt und einmal weniger. Bekannt ist das Prinzip bereits vom Regionalen Klimaatlas, den die Helmholtz-Gemeinschaft im vergangenen Jahr vorgestellt hat.
Für die Ausblicke in die Zukunft setzt der Klimaatlas auf das sogenannte A1B-Modell des Weltklimarates (IPCC). Das heißt, es wird ein hohes Wachstum der Weltwirtschaft und eine ausgewogene Nutzung fossiler und nichtfossiler Energiequellen zugrunde gelegt. Die DWD-Experten versprechen aber, auch die kommenden Modelle des IPCC in ihr Angebot einzubauen, sobald diese vollständig definiert sind.
Die Darstellungen des Klimaatlas können Nutzer auch herunterladen, nicht jedoch die zugrunde liegenden Daten. Warum, das erklärt DWD-Sprecher Kirsch so: "Die meisten Leute könnten mit solchen Datenmengen ohnehin nicht umgehen."
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