Potsdam - Etwa alle elf Jahre bietet unsere Sonne einen ganz besonderen Anblick. Dann finden sich auf ihrer Oberfläche so gut wie keine Sonnenflecken - genau so, wie es auch derzeit der Fall ist. Wer sich aktuelle Aufnahmen der Sonde "Soho" - sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Nasa und Esa - ansieht, findet darauf keinen einzigen dunklen Bereich. Dass der Zyklus der Sonnenflecken auch die natürliche Klimavariabilität der Erde beeinflusst, gilt als einigermaßen unstrittig. Zum Beispiel im Bereich des Pazifiks ändern sich Wassertemperaturen und Niederschlag entsprechend der Sonnenaktivität. Wie das genau passiert, darüber wissen Forscher aber noch vergleichsweise wenig.
Innerhalb des Sonnenfleckenzyklus variiert - über das gesamte Spektrum betrachtet - die von der Sonne abgestrahlte Energie um gerade einmal 0,1 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Innerhalb der elf Jahre schwankt die Strahlungsleistung unseres Zentralgestirns um gerade einmal 0,2 Watt pro Quadratmeter Erdfläche. Um die beobachteten Folgen für das Weltklima hervorzurufen, wäre aber eigentlich eine maximale Änderung um 0,5 Watt pro Quadratmeter nötig.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern um Gerald Meehl vom National Center for Atmospheric Research in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) stellt nun im Fachmagazin "Science" ein Computermodell vor, das erklärt, wie es trotzdem zu größeren Effekten auf das Klima der Erde kommen kann. "Es gibt zwei Effekte, die wir erstmals in einem Modell kombiniert haben", sagt Katja Matthes vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ). Die Meteorologin ist eine der Autorinnen des Papers und beschreibt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, wie beide Prozesse zusammenwirken:
Das Wissenschaftlerteam um Meehl rechnete zunächst ein Modell, in dem lediglich der Einfluss der Sonne auf den Ozean betrachtet wurde - und dann eines, das Änderungen nur in der Stratosphäre vorsah. "Aber erst, wenn man beide kombiniert, dann lassen sich die Beobachtungen auf der Erde erklären", sagt Katja Matthes. "Um den gesamten physikalischen Mechanismus zu verstehen, braucht es aber noch viele Studien", schränkt die Forscherin ein.
Klimawandelskeptiker dürften sich von der neuen Studie kaum überzeugen lassen. Sie glauben, dass Veränderungen der Sonne an steigenden Temperaturen Schuld sind und nicht etwa erhöhte CO2-Werte in der Atmosphäre. Zuletzt kam es im April in Wien auf dem Jahrestreffen der European Geosciences Union zu einem heftigen Streit um Sonnenzyklen und ihren Einfluss auf das Weltklima.
chs
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