Neuseeland Mensch machte Vogelgiganten den Garaus

Sie hatten eine kleine Welt für sich - Jahrtausende lebten die bis zu 250 Kilogram schweren Moa-Vögel nahezu ungestört auf den neuseeländischen Inseln. Dann kam der Mensch und löschte die Population innerhalb kürzester Zeit aus.

Moa-Vögel: Plötzlich ausgelöscht
Corbis

Moa-Vögel: Plötzlich ausgelöscht


Nach der Ankunft des Menschen auf Neuseeland änderte sich für die Moa-Vögel auf den Inseln alles. Dies zeigen genetische Analysen eines internationalen Forscherteams. Die Wissenschaftler hatten die Gene von fast 300 Vertretern von vier Moa-Arten analysiert. Demnach starben die Tiere innerhalb kürzester Zeit aus, nachdem polynesische Siedler den Archipel vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts erreicht hatten.

Das Verschwinden der Moa sei die schnellste bisher dokumentierte Ausrottung eines sogenannten Megafauna-Vertreters durch den Menschen, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Mit Megafauna bezeichnen Biologen die körperlich größten Tiere in einem Lebensraum.

Bei der Ankunft des Menschen gab es in Neuseeland neun Moa-Arten. Bei zwei davon aus der Gattung Dinornis erreichten die Weibchen ein Gewicht von etwa 250 Kilogramm. Archäologische Funde zeigen, dass die Laufvögel von den ersten Siedlern gejagt wurden und rasch verschwanden. Dennoch war die genaue Rolle des Menschen bislang umstritten. Eine Genstudie deutete darauf hin, dass die Populationen schon vor Ankunft des Homo sapiens schrumpften - möglicherweise durch Umwelteinflüsse wie etwa Vulkanausbrüche.

Um das zu prüfen, analysierten Forscher um Morten Erik Allentoft vom Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen Erbgut von 281 Vertretern von vier Moa-Arten aus vier Jahrtausenden. Alle stammten von Fundstätten aus einem Radius von zehn Kilometern in der Region Canterbury auf der Südinsel. Die Forscher untersuchten unter anderem die mitochondriale DNA (mtDNA), die nur über die Mutter vererbt wird.

Von 9200 Exemplaren auf Null

Für keine der vier Arten liefern die Analysen Hinweise auf einen Schwund der genetischen Vielfalt in den vier Jahrtausenden vor der Ankunft des Menschen. Dies deute darauf hin, dass die Populationen groß und stabil blieben, "bis zu ihrem plötzlichen Rückgang", schreiben die Wissenschaftler. Für die gut dokumentierte Art Dinornis robustus schätzen die Forscher die Populationsgröße auf etwa 9200 Tiere zu der Zeit, als die ersten Menschen aufkreuzten.

"Bemerkenswerterweise hinterließ der Prozess des Aussterbens keinerlei genetische Spuren in unseren Daten", betonen die Forscher. Die Moa seien wahrscheinlich so schnell verschwunden, dass sich dies kaum in den jeweiligen Genpools niedergeschlagen habe. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass alle Arten binnen ein oder zwei Jahrhunderten ausgerottet wurden, einzig durch den Menschen.

jme/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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harmlos01 18.03.2014
1. Edle Wilde!?
Aber... Die edlen wilden haben doch immer nur so viel genommen, wie sie wirklich gebraucht haben. Außerdem lebten sie in Einklang mit der Natur und haben niemals einen negativen effekt auf die Natur gehabt. Diese Verklärung der Ureinwohner ist grundfalsch. Genauso wie die Indianer beim Auftauchen in Amerika eine Schneise der Ausrottung hinter sich ließen sind vermutlich auch die mamuts einer wachsenden Jägerpopulation zum Opfer gefallen. Wenn die Jäger sich schneller reproduzieren, als die Beutetiere dauert das nicht lange.
hansulrich47 18.03.2014
2. Sagenhafte Erkenntnis!
Wer daran Zweifel hatte, dass die eingewanderten Maori die Moas ausgerottet haben, gehört zur Sorte Mensch die gern mal ein Problem haben. Der Vogel konnte nur laufen (wohl nicht schnell) und war vermutlich viel zu schmackhaft. Da liegt es auf der Hand, ihn zu essen .... Der Zeitraum des Aussterbens ist viel zu kurz, um durch Verhaltensveränderung irgendeine Überlebenschance zu schaffen.
Esteban_Escobar_7 18.03.2014
3. Auch nicht besser
Umweltgruppen konstruieren ja so gerne einen Kontrast zwischen den vermeintlich in völliger Harmonie mit der Umwelt lebenden "Naturvölkern" und der bösen Zivilisation. Aber ganz offenbar waren die Polynesier des 13. Jahrhunderts weder bessere noch schlechtere Menschen als wir Heutige, was den Umgang mit der Natur betrifft.
nachtmacher 18.03.2014
4. Überraschung???
Zitat von sysopCorbisSie hatten eine kleine Welt für sich - Jahrtausende lebten die bis zu 250 Kilogram schweren Moa-Vögel nahezu ungestört auf den neuseeländischen Inseln. Dann kam der Mensch und löschte die Population innerhalb kürzester Zeit aus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/neuseeland-moa-voegel-starben-nach-besiedlung-durch-menschen-aus-a-959391.html
na ja, die meisten Menschen sind sich auch nicht drüber im Klaren, dass die Great Plains in Nordamerika auch das Ergenbis menschlichen Wirkens sind. Altes trockenes Gras wird angezündet, neues Gras spriesst und die Herden kommen um das frische Grün zu fressen... Büsche und anderer Bodenbewuchs wird verhindert... genauso wie die Alpenlandschaft durch Almwirtschaft geprägt ist oder auch die Heide in Norddeutschland durch den Menschen entstanden ist... selbst der Regenwald profitiert durch die Terra Preta-Böden (der ururur-Einwohner) entlang der großen Flüsse in im Amazonas....
michael.dittmar 18.03.2014
5. Edle zivilisierte Killer?
Die Frage ist nicht ob menschliche Kulturen Fehler begehen oder nicht. Klar, Jaeger und Sammler Kulturen sind nicht anders als wir. Nur die Frage ist: Kann man aus den Fehlern lernen oder nicht. Die Homo Europäer Kultur lebt lieber nach dem Motto der Bibel Seid fruchtbar und mehret euch und macht euch die Erde Untertan und nach uns die Sintflut. So auch der obige angebliche Mr. Harmlos01
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