Um Seuche auszurotten Neuseeland schlachtet mehr als 150.000 Rinder

Das Bakterium Mycoplasma bovis verursacht bei Rindern Lungenentzündungen. Vor Kurzem ist die Seuche auch in Neuseeland ausgebrochen. Die Regierung will den Erreger nun ausrotten - mit drastischen Maßnahmen.

Kuh in Neuseeland
AP

Kuh in Neuseeland


Wegen einer Seuche muss Neuseeland - der größte Milchexporteur der Welt - insgesamt mehr als 150.000 Milchkühe und andere Rinder schlachten. Premierministerin Jacinda Ardern gab am Montag in Wellington einen entsprechenden Zwei-Jahres-Plan bekannt, für den umgerechnet mehr als 525 Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden.

Die Regierung will so verhindern, dass sich der Erregers Mycoplasma bovis in dem Pazifikstaat mit seinen insgesamt mehr als zehn Millionen Rindern weiter ausbreitet. Laut Ardern ist es noch immer möglich, das Bakterium in Neuseeland auszurotten.

Das Bakterium ist auch in vielen anderen Ländern bekannt. Neuseeland - das hauptsächlich aus zwei Inseln besteht - war bis zum vergangenen Jahr verschont geblieben. Noch ist nicht klar, wie der Erreger trotz strenger Sicherheitsmaßnahmen nach auf die Inseln gelangen konnte.

Nicht nur kranke Tiere müssen getötet werden

Für Neuseeland könnte die Seuche drastische Folgen haben, denn die Milchwirtschaft gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. 90 Prozent der Produktion werden außer Landes verkauft.

Das Bakterium verursacht bei Rindern Lungenentzündungen, Arthritis und andere Krankheiten. Nicht alle infizierten Tiere erkranken auch, sie können jedoch den Erreger übertragen. Das kann zum Problem werden, wenn Kühe zwischen Betrieben ausgetauscht werden. Deshalb sollen in den betroffenen Höfen alle Tiere geschlachtet werden und nicht nur die erkrankten. Für die Bauern sind Entschädigungen vorgesehen.

"Ein harter Brocken"

Für den Menschen hat es keine gesundheitlichen Folgen, wenn er Fleisch von Kühen isst, die mit Mycoplasma bovis infiziert waren. Der Erreger ist weit verbreitet und wurde auch bereits in Europa nachgewiesen. In Neuseeland wurde er erstmals im vergangenen Juli entdeckt.

Der Plan ist das Ergebnis von monatelangen Verhandlungen zwischen Regierung, Agrarindustrie und Experten. Ardern sagte: "Das ist ein harter Brocken. Niemand will Massenschlachtungen." Das Risiko einer Weiterverbreitung wäre jedoch zu hoch. Der bakterielle Erreger war erstmals im Juli 2017 in einem Milchviehbetrieb auf der Südinsel entdeckt worden. Inzwischen sind 37 Betriebe betroffen. Die Regierung schätzt, dass nun in knapp 200 von insgesamt mehr als 20.000 Betrieben Rinder geschlachtet werden müssen.

koe/dpa/AP



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
spon_2545532 28.05.2018
1. Träumereien
Bakterium ausrotten, indem man die betroffenen Rinder und die anderen Rinder auf dem Hof tötet. Und wovon träumen die nachts? Trotz der Abschottung ist doch das Bakerium ausgebrochen, kam also von irgendwo her .. Was passiert eigentlich mit dem Fleisch der Rinder? Umetikettiert und dann nach Europa? Tierfutter? Brave new world.
hausierer 28.05.2018
2. Ein gigantischer Frevel für den wir alle noch bezahlen werden...
Diese excessive " Landwirtschaft " dient doch nur noch dazu , Überfluß und Krankheiten zu produzieren...Das wir so gnadenlos mit unserer Umwelt und mit den Tieren umgehen fällt jetzt schon auf uns zurück....Degeneration, Wohlstandskrankheiten und eine grenzenlose Verrohung im Umgang mit den Geschöpfen sind die Folgen.....Industriebauern, die sich so von der Massentierhaltung und Milchwirtschaft abhängig machen, werden über kurz oder lang scheitern....sie dienen nur den Kartellen und den Chemiekonzernen...weiter so, dann barauchen wir uns um unsere paar Dieselmotoren auch keine Gedanken mehr zu machen...
mynona4 28.05.2018
3. Und wo bleiben die Mahnwachen....
...für die getöten Rindviecher? Wurde der neuseeländische Botschafter schon einbestellt? Für die 150000 Rinder haben sich sicher schon viele gemeldet, die so ein Tier bei sich zuhause aufnehmen würden!
regelaltersrentner 28.05.2018
4.
Zitat von hausiererDiese excessive " Landwirtschaft " dient doch nur noch dazu , Überfluß und Krankheiten zu produzieren...Das wir so gnadenlos mit unserer Umwelt und mit den Tieren umgehen fällt jetzt schon auf uns zurück....Degeneration, Wohlstandskrankheiten und eine grenzenlose Verrohung im Umgang mit den Geschöpfen sind die Folgen.....Industriebauern, die sich so von der Massentierhaltung und Milchwirtschaft abhängig machen, werden über kurz oder lang scheitern....sie dienen nur den Kartellen und den Chemiekonzernen...weiter so, dann barauchen wir uns um unsere paar Dieselmotoren auch keine Gedanken mehr zu machen...
Die kleinen Bauern - soweit sie nicht als Hobbybetrieb gelten - sind schon gescheitert, weil unsere Gesellschaft keine gerechten Preise bezahlt.
ardbeg17 28.05.2018
5. @spon_546643 #1
Solange es keine Möglichkeit gibt, über eine Impfung den Erreger zu neutralisieren, ist die Entfernung der infizierten Tiere die einzige Option, weitere Krankheitsausbrüche zu verhindern. Wenn sie mal Berichte von Leuten hòren, die auf neuseeländischen Farmen gearbeitet haben, sehen sie unsere Landwirtschaft mit anderen Augen. Ganze Herden zur Seuchenvorbeuge zu schlachten gibt dort gewiss kein Medienecho wie bei uns.
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