Verwechslung in Neuseeland Jäger schießen falsche Vögel

"Ihr Verlust schmerzt sehr": Jäger in Neuseeland sollten räuberische Pukeko-Vögel töten, doch sie schauten nicht genau hin. Nun sind vier vom Aussterben bedrohte Takahe tot - und Umweltschützer empört.

Takahe (Porphyrio hochstetteri): Der flugunfähige Vogel galt bereits als ausgestorben
Corbis

Takahe (Porphyrio hochstetteri): Der flugunfähige Vogel galt bereits als ausgestorben


"Ich entschuldige mich beim ganzen Land", schreibt Bill O'Leary. "Ich bin entsetzt." O'Leary ist Präsident des neuseeländischen Wildjagdverbands New Zealand Deerstalkers' Association (NZDA). Der Grund für seine Stellungnahme: der Tod von vier Vögeln.

Was ist passiert? Die NZAD sollte im Auftrag der Naturschutzbehörde, dem Department of Conservation, Pukeko schießen. Die Vögel stehen im Verruf, Nester und Eier anderer Tiere zu zerstören. Doch die Jäger schossen auf der Insel Motutapu vor der Nordküste Neuseelands vier andere Vögel: seltene Takahe, die vom Aussterben bedroht sind.

Auf den ersten Blick ähneln sich beide Vogelarten mit ihren roten Schnäbeln und ihrem dunklen Gefieder - die Jäger haben sie schlicht verwechselt. Takahe und Pukeko sind verwandt, sie gehören zur gleichen Gattung. Takahe wirken wie dicke Pukeko, doch Takahe sind meist bunter und größer. Im Gegensatz zum Pukeko können Takahe nicht fliegen. Takahe gibt es nur in Neuseeland.

"Ihr Verlust schmerzt sehr"

"Wir sind unglaublich traurig und enttäuscht", erklärt der Motutapu Restoration Trust, eine Naturorganisation, in einer Stellungnahme. Die Auswirkungen des Vorfalls seien erheblich.

Pukeko (Porphyrio porphyrio melanotus)
Corbis

Pukeko (Porphyrio porphyrio melanotus)

Um die Takahe vor dem Aussterben zu bewahren, hatten Tierschützer immensen Aufwand betrieben. Der Vogel galt bereits als ausgerottet, bis 1948 doch noch Exemplare entdeckt wurden. Seither wird jedes Brutpaar mit Sorgfalt und Einsatz betreut. Doch die Takahe (Porphyrio hochstetteri) gelten weiterhin als höchst bedroht.

Etwa 350 Exemplare gibt es Zählungen zufolge noch in Neuseeland, davon etwa 227 Erwachsene. Damit sich die Art langfristig behaupten könne, brauche es mindestens 500 Individuen, erklären die Biologen.

Auf Motutapu lebten bislang 21 Takahe. "Wir und viele Besucher haben eine persönliche Beziehung zu den Vögeln", schreibt der Motutapu Restoration Trust. "Ihr Verlust schmerzt sehr." Eine Untersuchung des Falls sei eingeleitet worden.

Er teile die Bedenken, dass die Anstrengung zur Erhaltung der Takahe nun beeinträchtigt sei, erklärt der Präsident des Wildtierjagdverbands. Sein Verband wolle helfen, bedrohte Arten zu schützen.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

boj



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