Niedersachsen "Problemwolf" wird per Flugzeug gesucht

Das Tier streunt durch Wohngebiete und läuft Spaziergängern hinterher: In Niedersachsen sorgen sich die Behörden um einen verhaltensauffälligen Wolf. Nun wird mit technischer Hilfe nach ihm gefahndet.

Ole Anders vom Umweltministerium Niedersachsen mit Empfänger für Wolfssignale
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Ole Anders vom Umweltministerium Niedersachsen mit Empfänger für Wolfssignale


Seit vergangenem Sommer trägt das Tier bereits ein Senderhalsband - nun wird aus der Luft nach dessen Signalen gesucht. In Lüneburg startete am Sonntag ein Flugzeug mit einem vom niedersächsischen Umweltministerium beauftragten Mitarbeiter. Dieser hatte einen Empfänger dabei, der die Signale des Wolfs registrieren sollte.

Es geht um einen Rüden, der bereits seit einiger Zeit die Behörden beschäftigt. Der Wolf aus Munster hat jegliche Scheu vor Menschen verloren. Das Raubtier, das schon seit Längerem für Schlagzeilen sorgt, war zuletzt einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund hinterhergelaufen. Auch soll sich der Wolf an einem Zaun der Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel zum Schlafen hingelegt haben.

Ob das Tier entdeckt wurde, sagte der Experte nach dem Flug am Sonntag nicht. Der Sprecher des Umweltministeriums in Hannover, Rudi Zimmeck, sagte, die Aktion sei auf einige Tage angelegt.

Hohe Hürden für Abschuss

Wölfe stehen in Deutschland unter Schutz. Mittlerweile leben wieder mehr als 30 Rudel hier. Auch im Westen werden immer wieder Wölfe gesichtet, so Ende Januar 2015 im Kreis Siegen-Wittgenstein oder im Sommer im Schwarzwald. Nicht nur aus dem Osten kommen Wölfe zu uns, auch aus den Alpen wandern sie nach Süddeutschland ein.

Niedersächsischer Schäfer Kay Krogmann mit angeblich von Wölfen zerstörtem Zaun
DPA

Niedersächsischer Schäfer Kay Krogmann mit angeblich von Wölfen zerstörtem Zaun

Für den Abschuss der Tiere gibt es hohe Hürden. Das Umweltministerium in Hannover will den Wolf von Munster deswegen, wie es in der Fachsprache heißt, vergrämen. Das bedeutet, dass das Tier zum Beispiel durch Lärm oder Gummigeschosse wieder auf mehr Distanz zum Menschen gebracht werden soll. Der Wolf könnte aber auch eingefangen und in ein Gehege gebracht werden.

Ein schwedischer Experte aus dem Swedish Wildlife Damage Centre in Grimsö ist von den Niedersachsen beauftragt worden, den Wolf wieder auf Abstand zu bringen. Helfen sollen ihm Mitarbeiter des Wolfsbüros, eine eigens abgeordnete Amtstierärztin und ehrenamtliche Helfer.

Nach der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ist es laut Ministerium das erste Mal, dass gegen eines der Tiere vorgegangen wird. Bei allen Maßnahmen des Wolfsmanagements stehe die Sicherheit der Menschen im Mittelpunkt, erklärten die Behörden.

Der sogenannte "Problemwolf "  aus dem Landkreis Cloppenburg (2015)
DPA

Der sogenannte "Problemwolf" aus dem Landkreis Cloppenburg (2015)

chs/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
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leo19 06.03.2016
1. Der arme Kerl ist sicher auf der Suche
nach der Grossmutter der 7 Geisslein! Und wird von Rotkäppchen gejagt! Schaut mal in der Standuhr nach!
platzanweiser 06.03.2016
2.
Hm mir erscheint das Tier wenn auch im ersten Moment bedrohlich für Spaziergänger, vielmehr neugierig oder suchend. Als Beute würden sich doch eher andere freilaufende Tiere/Haustiere eignen als Fußgänger mit Hundebegleitung. Ich würde einen Abschuss bedauern, weil man sich dann jeder Möglichkeit beraubte, herauszufinden, was das Tier wirklich sucht- womöglich einfach nur Anschluss an ein neues Rudel? Sind Wölfe von Natur aus nicht eher scheu? Schade.
GvC 06.03.2016
3. warum leben Wölfe im Zoo ...
eigentlich hinter Gittern? Gefährlich? Was haben Wölfe in der Zivilsation in freier Wildbahn verloren? Wir leben nicht in der Wildnis Alaskas oder dergleichen, also setzt diesem Treiben der Umweltromantiker doch endlich ein Ende!
bronstin 06.03.2016
4. Kurz und knapp
was kostet der mediale "Wolfs-Hype" den Steuerzahler mit allem drum und drann? Dazu kriegt man sicher keine Angaben - ich fordere neben dem Wolf auch gleichberechtigt den Bären als Großraubtier zur Wahrung des ökologischen Gleichgewichts in Deutschland. Zudem sollten Stadtbewohner dazu nicht befragt werden, da solches Viehzeug (sic!) dort zuallerletzt auftaucht: Aus dem 5. Stock sieht so ein Wolf oder Bär immer sehr poussierlich aus... - nur nicht, wenn er im eigenen Garten steht! MfG
WillyWusel 06.03.2016
5. Abschießen?
Wenn der Wolf die Nähe des Menschen sucht, ohne auch nur irgendwie aggressiv gewesen zu sein, warum um alles in der Welt, sollte man ihn den dann abschießen? Der legt sich vor ein Flüchtlingsheim zum pennen und wir machen uns ins Hemd? Was ist denn an diesem Wolf "problematisch"? Außer natürlich, das wir Menschen Angst haben. Einfach so, ohne ersichtlichen Grund. Wer weiß, vielleicht sind wir genau so auf den Hund gekommen: Der Wolf vor tausenden Jahren einfach zu uns gekommen und los gings...
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