Ungebetene Zuzügler Nilgänse erobern Deutschland

Sie hinterlassen ihren Kot in Parks, verschmutzen Badeseen und bevölkern zu Hunderten Äcker: Die aus Afrika stammenden Nilgänse breiten sich ungehindert in Deutschland aus. Landwirte und Kommunen scheinen machtlos.


Die einen mögen sie wegen ihres exotischen Aussehens. Andere verfluchen sie, weil sie laut und aggressiv sind: Nilgänse. Die Vögel stammen ursprünglich aus Afrika und breiten sich in Europa immer weiter aus. Ihr Vorteil: Sie sind robust und anpassungsfähig. Man erkennt sie an dem dunklen Augenfleck.

Die Populationen gehen zurück auf entflohene oder ausgesetzte Tiere aus den Niederlanden. Dort wurden die exotischen Gänse ab dem 17. Jahrhundert als Ziervögel in Volieren und Parks gehalten.

Ganz ähnlich klingen die Geschichten anderer Eindringlinge, die sich in Deutschland immer weiter ausbreiten: Aus Nordamerika stammende Waschbären wurden vor mehr als 80 Jahren in Kassel ausgesetzt, heute gefährden sie immer mehr seltene Vögel.

Im Norden Deutschlands machen sich Nandus breit. Die straußähnlichen Tiere leben eigentlich in Südamerika. Vor 18 Jahren aber entliefen einige der Großvögel aus einem Gehege in Schleswig-Holstein. Jetzt soll ihre Vermehrung begrenzt werden.

Der Eroberungsfeldzug der Nilgänse verläuft entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind die Bundesländer mit der höchsten Brutpaardichte - zum Leidwesen vieler Landwirte. Denn die Gänse fressen sich auf den Ackerflächen satt und zerstören so die Ernte.

Nilgans-Paar (Archivbild)
imago

Nilgans-Paar (Archivbild)

Aber auch in der Stadt sorgen die Nilgänse für Ärger: Parkbesucher stören sich an den Hinterlassenschaften der Gänsescharen und Tierschützer sehen heimische Wasservögel bedroht. Einige Bundesländer erlauben inzwischen die Jagd auf Nilgänse. Ob das die Ausbreitung der Zuzügler stoppen kann, ist aber fraglich.

Für die Arte-Reportage "Re: Die Nilgänse kommen" hat SPIEGEL-TV Menschen begleitet, die die Ankunft der Nilgänse in Deutschland ganz unterschiedlich bewerten. Der Landwirt Ludwig Graf von Hardenberg klagt über den hohen wirtschaftlichen Schaden. Möglichkeiten, die Tiere von seinen Feldern zu verscheuchen, hat er kaum. Denn auch, wenn Nilgänse in einigen Bundesländern bejagt werden dürfen, gibt es Schonzeiten.

Jäger Sven Lübbers betrachtet das Nilgans-Problem hingegen nüchtern: Die Gänse sind da und sie werden bleiben. In der Bejagung sieht er das einzig geeignete Mittel, die Vermehrung zu bremsen. Mehr zur Nilgans heute Abend auf Arte.

Sendetermin: Freitag, 12.05.2017, 19.45 - 20.15 Uhr oder Arte-Mediathek

Anja-Brenda Kindler

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