Nördliches Breitmaulnashorn Rettung für die letzten drei ihrer Art?

Sie zählen zu den größten Landsäugetieren und sind stark bedroht: Nur noch drei Nördliche Breitmaulnashörner gibt es weltweit, natürliche Fortpflanzung ist ausgeschlossen. Forscher haben einen Plan.

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Sie heißen Sudan, Najin und Fatu. Und sie sind vermutlich mit die einsamsten Tiere der Welt. Denn vom Nördlichen Breitmaulnashorn gibt es nur noch drei Exemplare - zwei Weibchen und ein Männchen, die in Kenia leben.

Auf natürlichem Wege können sie sich nicht mehr fortpflanzen, dafür sind sie bereits zu alt. Deshalb überlegen Wissenschaftler schon lange, wie man die Art doch noch vor dem Aussterben bewahren könnte. Einige Versuche sind bereits fehlgeschlagen, darunter der eines Tierarztes aus Südafrika. Er hatte vergeblich probiert, mit entnommenen Eizellen und Sperma eine künstliche Befruchtung herbeizuführen.

Nun wollen es Experten unter der Führung des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erneut versuchen. Sie hatten lange an einer Methode gearbeitet, mit der eine künstliche Reproduktion funktionieren könnte.

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Nördliches Breitmaulnashorn: Die letzten ihrer Art

Noch in diesem Jahr wollen sie in Kenia den beiden unfruchtbaren Nashorndamen Eizellen entnehmen. Diese sollen in einem Labor in Italien mit schon vor längerer Zeit gewonnenen, eingelagerten Spermien vereint werden, erläutert das IZW. Nashornbulle Sudan verfügt nicht mehr über ausreichend Spermien, zudem ist er mit den Weibchen verwandt.

Die so entstandenen Embryonen könnte dann eine Leihmutter in einem Zoo austragen. Eignen würden sich dafür Weibchen des Südlichen Breitmaulnashorns. Um die Bestände dieser Unterart des Breitmaulnashorns steht es weitaus besser.

Langfristig erscheint zudem ein weiteres Verfahren vielversprechend, um eines Tages aussterbende Arten zu retten: Stammzellentechnik nach dem Vorbild des japanischen Forschers Katsuhiko Hayashi (Kyushu Universität). Ihm gelang es bereits, aus einfachen Hautzellen Mäuse zu züchten, die fruchtbar waren.

Übertragen auf Nashörner hieße das: Die Wissenschaftler könnten sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen, gewonnen etwa aus Haut der Nashörner, zu Spermien und Eizellen ausreifen lassen. Auch hier würde zum Austragen des Embryos eine Nashorn-Leihmutter benötigt. So ein Verfahren wäre aber sehr teuer.

Die Reise nach Kenia zur Eizell-Entnahme sowie die Kosten für Labortechnik in Italien betragen laut dem IZW-Sprecher rund 50.000 Euro. Um die Weiterentwicklung der Methoden zu fördern und auf den Bedrohungsstatus dieser Nashörner aufmerksam zu machen, wird am Donnerstag (5. Oktober) um 16 Uhr im Berliner Hotel Adlon nahe dem Brandenburger Tor unter anderem ein Gemälde einer der letzten Nashorn-Damen versteigert.

Das Nördliche Breitmaulnashorn war ursprünglich in einem Gebiet vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad verbreitet. Laut Umweltstiftung WWF sind Breitmaulnashörner hinter Afrikanischen und Asiatischen Elefanten das drittgrößte Landsäugetier der Erde, früher waren sie in Afrika weit verbreitet.

Unter anderem durch Wilderei hat sich der Bestand des Nördlichen Breitmaulnashorns stark dezimiert. In Asien werden dafür hohe Preise gezahlt, weil den Hörnern heilende Wirkung zugeschrieben wird. Ihre Aufgabe im Ökosystem sei es, als "Rasenmäher" Gräser kurz zu halten, so der WWF. Mit ihren breiten, verhornten Lippen könnten sie Grashalme nah über dem Boden abbeißen.

joe/dpa

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