Neues aus der Geoforschung: Nördlichste Korallen entdeckt, Vulkan übertrifft Pest, getarnter Klimaforscher

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3. Teil: Getarnter Klimaforscher sorgt für Aufregung

Richard Muller mit seiner Tochter Elizabeth: Forscher mit großem Renommee Zur Großansicht
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Richard Muller mit seiner Tochter Elizabeth: Forscher mit großem Renommee

Es war ein Medienclou: "Nennen Sie mich einen konvertierten Skeptiker", schreibt der Klimaforscher Richard Muller in einem viel beachteten Aufsatz in der "New York Times". Zahlreiche Medien weltweit haben den Artikel übernommen. Die angebliche Bekehrung des Wissenschaftlers bot ein leicht verdauliches psychologisches Argument anstatt zahlenlastiger Studien - der Text eignete sich scheinbar, das komplexe Klimathema auf den Punkt zu bringen.

Muller berichtet in seinem Aufsatz, dass ihn neue Daten überzeugt hätten, seine Skeptikerposition zum Klimawandel aufzugeben: Entgegen seiner vorherigen Ansicht sei er nun überzeugt, dass Kohlendioxid aus Abgasen die Klimaerwärmung hauptsächlich verursacht hätte.

Doch der Clou erweist sich bei genauer Betrachtung als Täuschung: Bei Muller handelt sich nämlich keineswegs um einen ehemaligen Klimaskeptiker, der gerade seine Meinung geändert hätte. Bereits 2003 schrieb er in "Technology Review", er sei der Meinung, dass "Kohlendioxid aus Abgasen fossiler Energiequellen die größte Verschmutzung in der Menschengeschichte ist". Es sei wahrscheinlich, dass CO2 "schwere und schädliche Effekte für das globale Klima" haben werde.

"Skeptiker" und "Warner"

So bleibt von Mullers weltweit beachtetem Aufsatz nur die Erkenntnis, dass ein weiterer Klimaforscher vor den Folgen des CO2-Ausstoßes warnt. Seine neuerliche Mahnung gründet auf den Auswertungen globaler Temperaturmessungen des sogenannten Best-Projektes ("Berkeley Earth Surface Temperature"), die eine weltweite Erwärmung der bodennahen Temperatur um knapp ein Grad in den vergangenen 50 Jahren ergeben hatte.

Die Erwärmung lasse sich nur mit der Zunahme des Treibhausgases CO2 erklären, meinen Muller und viele seiner Kollegen - andere Klimaeinflüsse hätten sich nicht so drastisch verändert, um genügend Einfluss haben zu können. Ein ungebremster CO2-Anstieg würde die Luft weiter aufwärmen, folgern die Forscher. Würde der CO2-Ausstoß in China weitergehen wie bisher, könnte sich das Klima sogar in nur 20 Jahren um ein weiteres Grad aufheizen, meint Muller. Die Prognose ist pessimistischer als die des Uno-Klimarates.

Die Klimaforscherin Judith Curry vom Georgia Institute of Technology in den USA jedoch wollte diese Schlussfolgerungen nicht mittragen, sie legte ihre Autorenschaft am Best-Projekt nieder. Curry hat sich einen Namen gemacht als "Klima-Realistin" - sie kämpft gegen die Polarisierung der Klimaforschung in "Skeptiker" und "Warner".

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  • Axel Bojanowski
    Ob Klimawechsel, Rohstoffkrisen, Meerestiefen, oder die vermeintlich feste Erde - Geoforschung bewegt die Welt. Hier berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und Diplom-Geologe Axel Bojanowski über interessante neue Erkenntnisse und Debatten abseits der prominenten Nachrichten - kurz und klar und kritisch.

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