Nord-Ostsee-Kanal Forscher beobachten neue Quallenart

Meeresbiologen rechnen mit der Ausbreitung einer weiteren Quallenart in der Ostsee. Die Spezies hat eine lange Erfolgsgeschichte als Eroberer fremder Ökosysteme.

Eine Qualle der Art Blackfordia virginica
Cornelia Jaspers / GEOMAR / DTU Aqua / dpa

Eine Qualle der Art Blackfordia virginica


Relativ klein ist sie, durchscheinend - und sie liebt das Brackwasser. Die Quallenart Blackfordia virginica ist in verschiedenen Teilen der Welt verbreitet - und hat sich nun auch im Nord-Ostsee-Kanal etabliert. Das hat das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel bekannt gegeben.

Die dort bisher nicht vorkommende Quallenart war bei der Auswertung von Monitoring-Fahrten der vergangenen Jahre aufgefallen. Forscher vom Geomar, der Technischen Universität Dänemark und der Universität Kiel haben ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Helgoland Marine Research" veröffentlicht.

"Unsere Langzeitdaten zeigen, dass diese Quallen-Art seit dem Sommer 2016 im Nord-Ostsee-Kanal etabliert ist und sich aktiv vermehrt, also einen neuen Bestandteil des Ökosystems bildet", sagte die biologische Ozeanografin Cornelia Jaspers von Geomar.

Das könnte Sie auch interessieren

Blackfordia virginica wurde erstmals 1904 in den Gewässern vor dem US-Bundesstaat Virginia wissenschaftlich beschrieben. Die Qualle stammt jedoch möglicherweise aus dem Schwarzen Meer. Die Quallenart habe eine lange Erfolgsgeschichte als Eroberer fremder Ökosysteme, so Jaspers. Die Quallen seien wahrscheinlich durch Schiffe in den Kanal gelangt.

"Wir erwarten eine weitere Ausbreitung"

Globale Studien zeigen, dass die Zahl der Arten, die in fremde Ökosysteme einwandern, ständig steigt. Zwar können sich bei Weitem nicht alle in den neuen Umgebungen halten. Doch diejenigen, die das schaffen, können betroffene Ökosysteme stark verändern.

Fotostrecke

11  Bilder
Ungewöhnliche Wassertiere: Guck mal, wer da schwimmt

Wissenschaftler haben die neue Qualle auch bereits in der Kieler Förde nachgewiesen. Es gibt bislang aber keine Belege, dass sich die Art dort schon aktiv vermehrt. Doch das dürfte sich ändern. Man habe "gezeigt, dass die Ostsee als Brackwassergebiet einen geradezu idealen Lebensraum für Blackfordia virginica darstellt", so Jaspers. "Wir erwarten deshalb eine weitere Ausbreitung."

Laut Geomar ist unklar, welche Folgen das für die Ostsee haben könnte. Aus anderen Regionen sei bekannt, das die Qualle Plankton und Fischlarven fresse. Das könnte auch wirtschaftliche Auswirkungen haben.

chs/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.