Nord Stream 2 Nabu klagt gegen Gas-Pipeline durch die Ostsee

Seit Jahren fließt Gas aus Russland über die Pipeline Nord Stream. Die Trasse soll  erweitert werden. Doch die Umweltprüfungen für Schutzgebiete seien unzureichend, monieren Naturschützer.

Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
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Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2

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Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) will gegen die Genehmigung der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 gerichtlich vorgehen. Dafür plant der Verband, am Montag gegen den Planfeststellungsbeschluss des Bergamts Stralsund beim Oberverwaltungsgericht Greifswald Klage einzureichen.

Die Pipeline soll weitgehend parallel zur bereits vorhandenen Nord Stream Pipeline durch die Ostsee verlaufen, von Russland aus durch den Finnischen Meerbusen hindurch und an den Inseln Gotland (Schweden) und Bornholm (Dänemark) vorbei bis in die Nähe von Greifswald - siehe Karte unten.

Die Gasleitung ist ein Gemeinschaftsprojekt des russischen Gazprom-Konzerns und Energieunternehmen wie BASF und Uniper (früher E.on). Den Aufsichtsrat führt der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder.

DER SPIEGEL

Das Nord Stream 2-Projekt soll die schon bestehende Nord Stream Pipeline um zwei Röhren ergänzen und jedes Jahr bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich transportieren. Damit könnte künftig doppelt so viel Gas wie bislang direkt aus Russland nach Deutschland gelangen.

Doch die Pipeline verläuft in deutschen Gewässern ausschließlich durch Meeresschutzgebiete hindurch. Die dafür notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen, kritisiert Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu, seien nicht mit der nötigen Sorgfalt und Transparenz vorgenommen worden.

Schweinswale, Meeresenten und die Unterwasservegetation, befürchtet der Naturschützer, könnten unter dem erneuten Pipelinebau, für den laut Nabu streckenweise ein 80 Meter breiter Graben ausgehoben werden muss, empfindlich leiden.

Zudem hält der Naturschutzbund das gesamte Großprojekt für überflüssig: "Warum eine Pipeline bauen, die 50 Jahre lang Gas liefert?", fragt Detloff. "Das würde nur dazu führen, dass den erneuerbaren Energien jahrzehntelang Konkurrenz gemacht und die Erreichung der vereinbarten Klimaziele gefährdet würde."

Auch politisch ist das Nord Stream 2-Projekt hoch umstritten. Die EU-Kommission und mehrere europäische Staaten haben sich gegen das Projekt ausgesprochen. Denn die EU will eigentlich unabhängiger vom russischen Gas werden.

Dazu kommt, dass einer der Leidtragenden von Nord Stream 2 die Ukraine sein könnte, über die bisher viel russisches Gas nach Europa geleitet wird. Die EU unterstützt das kriegsgebeutelte Land mit hohen Hilfszahlen, im Falle des Baus von Nord Stream 2 würden der Regierung in Kiew jedoch auf der anderen Seite hohe Einnahmen aus den Transitgebühren verlorengehen.

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Osservatore 01.03.2018
1. Erst das Fressen...
Und gefracktes Gas, das über die Meere mit Schweröldreckschleudern geschippert wird, ist umweltverträglicher? Weiß ist schwarz und schwarz ist weiß - wenn es ideologisch und politisch passt - offenbar auch beim Nabu...Grün war gestern.
Benjowi 01.03.2018
2. Scheinheilige Argumentation!
Was für eine scheinheilige Argumentation. Dass Deutschland ob mit oder ohne Nordstream 2 seinen Energieverbrauch einschränken wird, ist einfach eine lächerliche Erwartung. Er ist ja gerade wieder gestiegen. Wenn denn nun kein Gas für diese Zwecke verfügbar sein wird - und der Gasverbrauch wird dank dieser unsäglich dumm durchgeführten "Energiewende" stark ansteigen- dann wird diese Energielücke durch Kohle geschlossen. Dagegen kann der Nabu nicht das Geringste tun Und das ist für die Umwelt weit schädlicher, als es eine Nordstream 2-Pipeline auf einer ohnehin bestehenden Trasse jemals sein kann.
bibabuzelmann 01.03.2018
3. Was für ein Träumer
"Zudem hält der Naturschutzbund das gesamte Großprojekt für überflüssig: "Warum eine Pipeline bauen, die 50 Jahre lang Gas liefert?", fragt Detloff. "Das würde nur dazu führen, dass den erneuerbaren Energien jahrzehntelang Konkurrenz gemacht und die Erreichung der vereinbarten Klimaziele gefährdet würde." Sorry, ich bin auch für möglichst klimaschonende Energieerzeugung, aber mittlerweile muss man sich ernsthaft Fragen, was uns mittelfristig davon noch bleibt. In ~4 Jahren werden die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet. In der Lausitz steht der Braunkohleabbau in der Kritik und gleichzeitig wollen immer Autobesitzer wegen Dieselskandal und Feinstaubalarm auf Elektroautos umsteigen. Steinkohle ist ebenfalls in der Kritik, da bleibt als Brückenlösung leider nur Erdgas. Als einziges Argument kann ich den Bau durch Meeresschutzgebiet nachvollziehen. Wenn dabei geschlampt wurde, kann man das Ganze gerne noch einmal anschauen, aber die restliche Argumentation ist irrelevant. Weder besteht beim Nabu Kompetenz in Sachen Energieversorgung, noch in Sachen Außenpolitik.
pethof 01.03.2018
4. Welch ein verlogener Verein!
Statt sich um Naturschutz zu kümmern, was seine satzungsgemäße Aufgabe wäre, kümmert sich NABU um die Belange der Ukraine, sorgt sich um die schwindenden Transiteinkünfte dieses korrupten Staates. Die EU soll unabhängiger vom russischen Erdgas werden, dafür aber abhängig vom US- Fracking-Gas, das mit haarsträubend umweltfeindlichen Methoden aus der Erde gepresst wird. Aber das interessiert den NABU nicht. Das ist ja nur die Umwelt auf der anderen Seite des großen Teiches. Mit dieser Klage wird NABU zur Lobby-Organisation der US-Fracking-Gas-Industrie in Deutschland. Deutschland, dein Naturschutz ist auf den Hund gekommen! Statt sich ehrlich um den Naturschutz in Deutschland zu kümmern, ist NABU auf den heute so populären Zug des Russland-Bashings aufgesprungen. Wahrscheinlich lohnt sich das auch finanziell für ihn. Das Engagement des NABU gegen Nord-Stream-2 ist umso erstaunlicher, weiß er doch, dass beim Verlegen der Nord-Stream 1-Rohre ähnlich hohe umwelttechnische Hürden zur Zufriedenheit aller Umweltschutzbehörden gemeistert wurden.
mueller1 01.03.2018
5. Information und Meinung in einem Artikel vermischt
Dies ist schlampiger Kampagnen-Journalismus. Es werden in einem Ariktel sowohl Information der Klagegrundlage "Doch die Pipeline verläuft in deutschen Gewässern ausschließlich durch Meeresschutzgebiete hindurch. Die dafür notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen, kritisiert Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu, seien nicht mit der nötigen Sorgfalt und Transparenz vorgenommen worden." als auch die Ansichten des NaBu und EU-Kommission gegen die 2. Nordstream-Pipeline vermengt. Offenbar läuft zur Zeit eine von der EU orchestrierte Kampagne gegen das Pipeline-Projekt. Dagegen möchte ich deshalb auch meine eigene Meingung stellen dürfen: Die Pipeline ist für den deutschen Verbraucher sinnvoll, da sich Russland als zuverlässiger Gaslieferant erwiesen hat, das Pipeline-Gas günstiger als LNG ist und Deutschlands Gaslieferungen nicht vom Goodwill weiterer fremder Staaten wie Polen oder der Ukraine abhängig ist. Gerade die Ukraine hat sich in der Vergangenheit als unzuverlässiges Transitland erwiesen, welche die Gasversorgung Westeuropas gefährdet hatte.
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