Raubtierpopulationen Wo Wölfe sind, geht's Füchsen gut

Ist eine Region in Nordamerika reich an Wölfen, tummeln sich dort auch die Füchse. Der Kojote hingegen mag die Präsenz des Isegrim nicht: Zieht der Wolf ein, zieht er aus.

Wolf in Oregon: Seine Anwesenheit hat großen Einfluss auf das Ökosystem
REUTERS

Wolf in Oregon: Seine Anwesenheit hat großen Einfluss auf das Ökosystem


Der Wolf bestimmt, wer kommt und wer geht. Über dieses als "Wolf-Effekt" bekannte Phänomen berichten Thomas Newsome und William Ripple vom Department of Forest Ecosystems and Society der Oregon State University im "Journal of Animal Ecology" der British Ecological Society. Für ihre Studie benutzten die Forscher Aufzeichnungen von Fallenstellern.

Besonders deutlich zeichnet sich der Wolf-Effekt demnach in den kanadischen Provinzen Saskatchewan und Manitoba ab. In den südlichen Teilen der Provinz, die stark von der Landwirtschaft geprägt sind, leben keine Wölfe. Hier kommt auf drei Kojoten lediglich ein Fuchs. Anders sieht es dagegen im Norden der Provinzen aus, wo große Wolfspopulationen leben: Für jeden Kojoten gingen den Fallenstellern vier Füchse in die Falle. In einer Region kamen sogar 500 Füchse auf einen Kojoten. Zwischen Norden und Süden liegt ein rund 200 Kilometer breiter Streifen, den die Wölfe zwar gelegentlich durchstreifen, in dem sie aber nicht zahlreich genug auftreten, um einen nachweisbaren Effekt auf die Fuchs- und Kojotenpopulationen zu haben.

"Als die Wölfe aus der südlichen Hälfte Noramerikas verdrängt wurden, erweiterten die Kojoten drastisch ihre Reviere", erläutert Studienautor Newsome. "Früher lebten die Wölfe im Mittleren Westen und Westen der Vereinigten Staaten. Aber im frühen 20. Jahrhundert wurden sie nach Norden bis Alaska hoch vertrieben und in den 1970er Jahren nach New Brunswick und Maine." Die Kojoten beeilten sich, das Wolfs-Vakuum zu füllen.

Nordamerika hat den Wolf, Australien den Dingo

Newsome hat in seiner Heimat Australien bereits Erfahrung mit dem empfindlichen Gleichgewicht zwischen den Fleischfressern gesammelt. An der University of Sydney erforschte er die Rolle der Dingos im Ökosystem. Die Wildhunde gelten in Australien als Problem. Um sie aus dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat New South Wales herauszuhalten, bauten die Australier sogar den längsten Zaun der Welt: 5500 Kilometer Draht sollen den Dingo von der Migration in den Südosten des Kontinents abhalten.

Doch womöglich kann der Dingo auch ein Segen sein. Denn wo er erfolgreich vertrieben wurde, füllten Füchse und Wildkatzen die Lücke - und richteten teils erhebliche Schäden am Ökosystem an. Es gibt eine Debatte darüber, berichtet Newsome, ob eine gezielte Wiedereinführung des Dingo dieses Problem unter Kontrolle bringen könnte. "Die Australier können viel daraus lernen, wie die Wölfe in Nordamerika gemanagt werden", sagt Newsome, "und die Amerikaner können aus der ökologischen Rolle des Dingo lernen".

Besonders die Schafzüchter Nordamerikas bekommen den Rückzug der Wölfe und damit den Vormarsch der Kojoten zu spüren. Schätzungen gehen davon aus, dass hungrige Kojoten jährlich Schafe im Gesamtwert von 40 Millionen US Dollar aus den Schafherden verspeisen. Ein Programm des US Department of Agriculture zur Reduzierung des Kojotenbestandes stößt allerdings auf heftigen Widerstand bei Naturschützern.

Künftig dürften allerdings schlechte Zeiten für Kojoten anbrechen. Seit im Jahr 1995 im Yellowstone National Park wieder Wölfe angesiedelt wurden, erobern sie sich nach und nach auch in die umliegenden Regionen als Lebensraum. Der Wolf kommt zurück - und die Kojoten können schon mal die Koffer packen.

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Seite 1
taglöhner 16.06.2014
1.
Was nicht heißt, dass Wolf Füchsen besonders gewogen ist. Würden diese sich nicht eingraben, ginge es ihnen wie den Kojoten.
Bakturs 16.06.2014
2. Waage ist in der Tierwelt
Zitat von taglöhnerWas nicht heißt, dass Wolf Füchsen besonders gewogen ist. Würden diese sich nicht eingraben, ginge es ihnen wie den Kojoten.
Was auch gleichzeitig wieder beweißt, dass weitgehend alles in der Waage ist in der Tierwelt, solange sich der Mensch nicht einmischt.
Sonnestrandundmeer 16.06.2014
3. Homo homini lupus
Nicht nur die Australier, sondern auch die Deutschen wären gut beraten, die Auswirkungen der Wolfspopulationen in Nordamerika zu studieren, da inzwischen wieder Wölfe nach Deutschland kommen. Wollen wir vergleichbare Auswirkungen auf das Ökosystem? Wollen wir Millionenschäden bei Tieren? Wer ist eigentlich in Deutschland dafür zuständig?
Promethium 16.06.2014
4.
Und Hunde mag der Wolf auch nicht! Wo Wölfe sind sollte man keinesfalls mit Hund spazieren gehen! Der Wolf sieht in dem Hund einen fremden Wolf und wird diesen aus seinem Revier vertreiben wollen. Unter Wölfen endet das meist friedlich den ein fremder Wolf haut einfach ab. Der Hund allerdings wird sein Herrchen nicht verlassen und das Herrchen kann nicht so schnell flüchten wie das hier notwendig wäre und so kommt es unweigerlich zum Kampf zwischen Wolf und Hund.
geri&freki 16.06.2014
5. Errare humanum est
Zitat von SonnestrandundmeerNicht nur die Australier, sondern auch die Deutschen wären gut beraten, die Auswirkungen der Wolfspopulationen in Nordamerika zu studieren, da inzwischen wieder Wölfe nach Deutschland kommen. Wollen wir vergleichbare Auswirkungen auf das Ökosystem? Wollen wir Millionenschäden bei Tieren? Wer ist eigentlich in Deutschland dafür zuständig?
Die Wölfe kommen nicht erst nach Deutschland zurück. Sie sind längst wieder da!! Und zwar schon seit vielen Jahren! Welche Auswirkungen auf unser Ökosystem befürchten Sie denn? Dass auch bei uns die Kojoten-Bestände zurückgehen werden? Und welche „Millionenschäden“? Bei welchen Tierarten? Und zu guter Letzt: Wer soll in Deutschland für was zuständig sein?
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