Rätselhafte Erdstöße Erdbeben in Nordkorea hat wohl natürliche Ursache

Geoforscher geben vorsichtige Entwarnung: Das Erdbeben in Nordkorea ist wohl kein Anzeichen für einen neuen Atombombenversuch. Offenbar handelt es sich um ein Nachbeben des Kernwaffentests vom 3. September.

Südkoreanischer TV-Bericht über Beben in Nordkorea
AFP

Südkoreanischer TV-Bericht über Beben in Nordkorea


Das Erdbeben, das am Samstag in Nordkorea registriert wurde, ist offenbar nicht durch einen neuen Atombombentest ausgelöst worden. Davon gehen Behörden in Südkorea, deutsche Geoforscher und der Generalsekretär der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO), Lassina Zerbo, inzwischen aus.

Zerbo teilte via Twitter mit, es sei "unwahrscheinlich", dass die Erdstöße von Menschen verursacht wurden. Das Beben ähnele eher einem Nachbeben, das bereits achteinhalb Minuten nach Nordkoreas jüngstem Kernwaffentest am 3. September registriert wurde. Die Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Deutsche Geoforscher äußern sich ähnlich: Es könnte sich bei diesem Ereignis von heute um ein weiteres Nachbeben handeln, sagt Lars Ceranna von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die Stärke der Erdstöße jetzt sei mit dem Nachbeben vom 3. September vergleichbar, sagt Ceranna, eventuell ein wenig schwächer. "Grundsätzlich sind nach einem solch starken Beben Nachbeben zu erwarten."

Zuvor hatte schon das südkoreanische meteorologische Institut mitgeteilt, eine erste Überprüfung deute auf eine natürliche Ursache für die Erdstöße hin. Darauf weise eine Analyse der seismischen Wellen hin, hieß es in Seoul.

Hingegen hatte die chinesische Erdbebenwarte mitgeteilt, man gehe von einer Explosion als Auslöser aus. Das Epizentrum des Bebens habe sich nämlich in null Kilometer Tiefe, also quasi an der Erdoberfläche befunden, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Die Behörde in Peking gab die Stärke des Bebens mit 3,4 auf der Richterskala an, Südkorea spricht von 3,0. US-Seismologen nannten eine Stärke von 3,5 und wollten sich zunächst nicht zu den Ursachen äußern.

Das Beben ereignete sich in der Provinz Hamgyong-pukto unweit der chinesischen Grenze. Dort liegt das Gelände, in dem das Regime von Kim Jong Un in der Vergangenheit Atomwaffen getestet hat.

Die Erdstöße, die von den bislang sechs nordkoreanischen Atombombentests verursacht wurden, hatten jedes Mal Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 4,3 auf der Richterskala ausgelöst. Das Beben infolge des Wasserstoffbombentests am 3. September hatte eine Stärke von 6,3.

Nordkorea selbst schweigt über das Erdbeben vom Samstag und seine Ursachen. Auch über mögliche Schäden ist bislang nichts bekannt.

syd/chs/Reuters/AFP

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