Finnland Das Knallen des Nordlichts

Erst leuchtet die Luft, dann knallt es: Forscher haben die mysteriösen Geräusche eines Nordlichts aufgenommen. Der Lärm entsteht 70 Meter über dem Erdboden - verursacht wird er von Partikeln der Sonne.

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AP/ Jonina Oskardottir

Hamburg/Vilnius - Forschern ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, Geräusche eines Polarlichts zu lokalisieren. "Unsere Forschung beweist, dass man während des Leuchtens tatsächlich etwas hört und angebliche Geräusche keine Täuschung sind", berichtet der Wissenschaftler Unto Laine von der Aalto-Universität in Finnland.

Berichte über Geräusche bei Nordlicht waren bislang umstritten - das Leuchten erschien zu fern, um dadurch ausgelöste Schallwellen am Boden hören zu können. Auch Gewitter in der Ferne verrät sich schließlich nur durch Wetterleuchten und nicht durch Donner.

Der Lärm bei Nordlicht indes entstehe nicht dort, wo die Luft leuchte, berichten Unto Laine und seine Kollegen nun auf dem International Congress on Sound and Vibration in Vilnius in Litauen. Vielmehr knalle es in lediglich 70 Meter Höhe, also relativ knapp über dem Erdboden.

Die Wissenschaftler haben ein Knallen untersucht, das 2004 bei einem Nordlicht über Finnland aufgezeichnet worden war. Das Knallen war an drei Orten kurz nacheinander registriert worden.

Wie Steinewerfer an einem Teich konnten die Experten berechnen, wo das Geräusch herkam: Die Schallwellen breiten sich gleichmäßig in alle Richtungen aus, wie Wellen in einem See, wenn ein Stein ins Wasser plumpst. Am nahen Ufer branden die Wellen eher an. Indem man die Ankunftszeiten der Wellen an mehreren Uferabschnitten vergleicht, lässt sich der Ursprungsort bestimmen.

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Das Knallen werde wahrscheinlich - wie das Leuchten - von Partikeln der Sonne verursacht, meinen die Forscher. Polarlichter entstehen meistens in Polarregionen, selten sind sie auch über Mitteleuropa zu sehen. Geladene Teilchen des Sonnenwindes treffen auf Luftpartikel der Erdatmosphäre, die dadurch zum Leuchten angeregt werden. Die Farbe des Lichts richtet sich anscheinend nach der Art der Teilchen: Sauerstoffatome erzeugen in 100 Kilometer Höhe grünes Licht, in 200 Kilometer Höhe rotes Licht.

Immer wieder hatten Zeugen von seltsamen Geräuschen bei Polarlicht berichtet. Manche erzählten von entferntem Dröhnen, andere von Knacken oder Krachen. Die unterschiedlichen Erzählungen zeigten, dass die Luftgeräusche offenbar durch unterschiedliche Prozesse entstünden, meinen die Forscher. Was genau geschehe, bleibe jedoch ein Rätsel.


Von Axel Bojanowski ist soeben sein neues Buch "Nach zwei Tagen Regen folgt Montag" über 33 erstaunliche Rätsel der Erde erschienen (dieser Text stammt nicht aus dem Buch).



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