Nordpol Arktiswinter war warm wie noch nie

Im Februar 2018 gab es am Nordpol so wenig Eis wie noch nie zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Messungen. "Es ist verrückt", sagt ein Forscher, "so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen."

Eisberg in der Arktis
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Eisberg in der Arktis


Gerade ist in der Arktis der wärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen zu Ende gegangen. Die Ausbreitung des Meereises hat durch die Wärme für die Jahreszeit ein Rekordtief erreicht. An zahlreichen Stellen ist offenes Wasser zu sehen, wo es sonst zu dicken Eisschilden gefriert, wie neue Wetterdaten des amerikanischen National Snow & Ice Data Center (NSIDC) in Boulder, Colorado zeigen.

"Es ist wirklich verrückt", sagt NSIDC-Direktor Mark Serreze, der die Eisdecke am Nordpol seit 1982 beobachtet. "Diese Hitzewellen, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen."

Die dem Nordpol am nächsten gelegene Wetterstation auf Land, bei Cape Morris Jesup an der Spitze Grönlands, zeigte im Februar mehr als 60 Stunden Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Zuvor hatten Wissenschaftler dort im Februar erst zwei Mal überhaupt Temperaturen über null Grad gemessen - 2011 und 2017. Die diesjährigen Februarwerte an der Station entsprächen eher solchen typisch für den Mai, sagte Ruth Mottram vom Danish Meteorological Institute.

Die ungewöhnlich warmen Wintertemperaturen betreffen den gesamten nördlichen Polarkreis. Von fast drei Dutzend arktischen Wetterstationen lagen über den gesamten arktischen Winter hinweg 15 Messpunkte mindestens zehn Grad über dem langjährigen Mittel. Bezieht man alle Stationen ein, war die Temperatur im Schnitt um 4,9 Grad erhöht. Am Nordpol gelten Dezember, Januar und Februar als Wintermonate.

Das Eis geht zurück

Die hohen Temperaturen wirken sich auch aufs Meereis aus. Im Februar bedeckte es nur knapp 14 Millionen Quadratkilometer Fläche. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979. Er liegt 1,4 Millionen Quadratkilometer unter dem 30-jährigen Durchschnitt für Februar.

        Ausdehnung des Meereises im Februar 2018 im Vergleich zum Februardurchschnitt der Jahre 1981 bis 2010
NSIDC

Ausdehnung des Meereises im Februar 2018 im Vergleich zum Februardurchschnitt der Jahre 1981 bis 2010

Verantwortlich für die ungewöhnlich hohen Temperaturen machen Forscher die Tatsache, dass in den vergangenen Monaten sowohl vom Atlantik als auch vom Pazifik aus warme Luft Richtung Norden strömte. Dass die Arktis von beiden Seiten Hitzewellen abbekomme, sei sehr ungewöhnlich, so die Meteorologen. Es führe in einen Teufelskreislauf: Warmes Luft verhindert die Entstehung von Meereis. Dadurch kann Wärme aus dem Ozean entweichen, was zusätzlich die Temperatur erhöht und die Eisbildung im arktischen Winter stört.

Derzeit hoffen die Forscher, dass es sich bei den Wetterextremen um eine Ausnahme handelt. Die Wärmeperiode könnte aber auch darauf hindeuten, dass Luftströme, die von Westen nach Osten über die Arktis ziehen durch die bereits gesunkenen Eismassen schwächer werden. Die Winde sind für die Eiseskälte im arktischen Winter maßgeblich mit verantwortlich. Noch wird die These der abflauenden Luftströme unter Forschern diskutiert. Sie gewinnt aber immer mehr Zuspruch.

jme/AP



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