Klimawandel: Arktische Eismassen haben sich halbiert

Seit 1979 überwachen Satelliten das Eis der Arktis - und noch nie haben sie so wenig davon gesehen wie am Ende des Sommers 2012. Und noch immer liegen die Messwerte extrem niedrig. Für russische Arktisforscher hat die große Schmelze schon handfeste Konsequenzen.

Schwund im Norden: Neues Klima in der Arktis Fotos
NSICDC/ Julienne Stroeve

Wer dieser Tage auf Satellitenbilder der Arktis schaut, für den scheint die Welt noch in Ordnung. Ein mächtiger Eispanzer bedeckt das Nordmeer. Mehr als zehn Millionen Quadratkilometer eisige Unendlichkeit. Doch schon beim zweiten Blick auf die Statistiken zeigt sich: Verglichen mit den Werten der vergangenen Jahre ist die Eisausdehnung auch jetzt im Winter noch immer extrem niedrig.

Noch krasser fiel dieser Unterschied freilich am Ende des Sommers aus. Nach den Statistiken des amerikanischen National Snow and Ice Data Center waren Mitte September gerade einmal 3,41 Millionen Quadratkilometer rund um den Nordpol von Eis bedeckt. Das war zwar einerseits eine Fläche, die größer ist als ganz Indien - aber andererseits eben auch der niedrigste Wert seit Start der Satellitenbeobachtungen im Jahr 1979. Sogar der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2007 wurde noch einmal um 760.000 Quadratkilometer unterboten.

Neben der Ausdehnung des Eises im Sommer nimmt auch die Dicke der Eisschollen im Schnitt merklich ab. Die Arktis verändert sich mit großer Geschwindigkeit - und das bleibt nicht ohne Folgen: "Es ist eine Region der Möglichkeiten", wirbt Norwegens Außenminister Espen Barth Eide. Die Ausbeutung der arktischen Ressourcen werde stattfinden. Aber: "Jeder Staat sollte die Rohstoffe nur auf eine Art fördern, die er auch managen kann." Wem die Technik fehle, der solle die Vorkommen nicht ausbeuten. Ob solche Forderungen tatsächlich immer gehört werden? Man darf - nein, man muss - wohl zweifeln.

Es geht um Öl - und vor allem Gas in den arktischen Schelfgebieten. Und es geht um mineralische Bodenschätze an Land. Grönland hat zum Beispiel vor wenigen Tagen ein Gesetz verabschiedet, um deren Abbau weiter zu erleichtern. Geregelt wird der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte zum Bau neuer Minen. Allein die britische Firma London Mining will Grönlands Bevölkerung um vier Prozent wachsen lassen - durch den Bau einer gigantischen Eisenerzmine und den dafür nötigen Import chinesischer Arbeitskräfte.

Währenddessen hat das Russische Institut für Arktis- und Antarktisforschung angekündigt, dass es in der Zukunft keine wissenschaftlichen Stationen mehr auf dem Arktiseis errichten wird. Seit 1937 hatten insgesamt 40 solcher Missionen Unmengen an Daten aus dem hohen Norden geliefert. Doch jetzt ist das wohl vorbei - doch nicht etwa, weil das Geld knapp wird. Die Russen haben vielmehr zu große Probleme, genügend dicke Eisschollen für die Station zu finden.

Sie wollen deswegen in Zukunft auf schwimmende Bojen setzen.

Weiter: Genmais-Studie: Wirbel um vermeintlich todbringendes Getreide

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chs

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1. Wo ist der Buzzer hier?
johnnybongounddie5goblins 22.12.2012
Nochmals zur Eis-Schmelze in der Arktis: http://stevengoddard.wordpress.com/2012/10/12/sixteen-degrees-of-arctic-warming-between-1910-and-1939/ Die Eisschmelze in diesem Grad ist also nichts Neues. Es gibt viele Presse-Berichte darüber aus dieser Zeit, die die AGWler aber nicht sehen wollen oder können.
2.
günter1934 22.12.2012
Zitat von johnnybongounddie5goblinsNochmals zur Eis-Schmelze in der Arktis: http://stevengoddard.wordpress.com/2012/10/12/sixteen-degrees-of-arctic-warming-between-1910-and-1939/ Die Eisschmelze in diesem Grad ist also nichts Neues. Es gibt viele Presse-Berichte darüber aus dieser Zeit, die die AGWler aber nicht sehen wollen oder können.
Sixteen Degrees Of Arctic Warming Between 1910 And 1939 | Real Science (http://stevengoddard.wordpress.com/2012/10/12/sixteen-degrees-of-arctic-warming-between-1910-and-1939/) Damals hat das natürlich niemanden interessiert. Im link wird von einer Zunahme von 16 Grad im Winter gesprochen. Auch wenn es sich um Grad Fahrenheit handelt, ist das schon gewaltig. Ganz abgesehen davon, es schadet niemandem, wenn das Meereis in der Arktis verschwindet. Dem Meeresspiegel ist das egal und der Schifffahrt ist es angenehm. Das Landeis in Grönland und in der Antarktis hält sich noch wacker.
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