Nordpolarmeer Arktisches Eis stellt Negativrekord auf

Im Winter wächst das Eis der Arktis - doch in diesem Jahr lagen die Werte weit unter dem Durchschnitt. Eine aktuelle Messung zeigt, wie der Klimawandel die Region beeinflusst.

Ausdehnung des Arktischen Eises (am 25. Februar 2015): Neuer Negativrekord aufgestellt
NSIDC

Ausdehnung des Arktischen Eises (am 25. Februar 2015): Neuer Negativrekord aufgestellt


Seit 1979 beobachten Satelliten aus dem Weltall das Schicksal des arktischen Meereises. In der Dunkelheit und Kälte der Polarnacht wächst der weiße Panzer, bis zum Spätsommer schmilzt er dann wieder ab. Nun gibt es wieder einen neuen Negativrekord zu vermelden. In diesem Winter ist das Eis so wenig gewachsen wie noch nie. Das geht aus den Messungen des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in den USA hervor.

Demnach erreichte das Eis der Arktis in diesem Winter nur eine Maximalausdehnung von 14,54 Millionen Quadratkilometern - und zwar am 25. Februar. Seitdem wird die Fläche kleiner. Die erreichte Ausdehnung liegt deutlich unter dem langjährigen Schnitt. Der bisherige Minimalwert stammt aus dem Jahr 2011.

Schuld an dem aktuellen Negativrekord sind Wetterkonstellationen über dem Pazifik und dem Nordatlantik. So lagen in den ersten beiden Märzwochen die Durchschnittstemperaturen in der Barentssee zwischen Spitzbergen und der russischen Inselgruppe Franz-Josef-Land acht bis zehn Grad über den Mittelwerten.

Verglichen mit der durchschnittlichen Wintereisausdehnung der Jahre 1981 bis 2010 ging in der Arktis eine Eisfläche von fast 1,1 Millionen Quadratkilometern Größe verloren. Ein niedriger Startwert bei der Eisbedeckung heißt nicht automatisch, dass im September auch ein neuer Negativrekord beim Sommerminimum aufgestellt wird.

"Für die Arktis und den Rest der Welt gefährlich"

"Eine niedrige Wintereisausdehnung kann eine Serie von Reaktionen auslösen, die für die Arktis und den Rest der Welt gefährlich sind", warnt dennoch Umweltschützer Alexander Shestakov vom WWF. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Meeresoberfläche im Schnitt dunkler wird, wenn weniger Eisschollen auf dem Wasser treiben. Dadurch wird weniger Sonnenlicht ins All reflektiert - und das Wasser kann sich stärker aufheizen. Dadurch entsteht im nächsten Winter wiederum weniger Eis.

Einjähriges Eis verschwindet im Sommer leichter. Dicke Schollen aber, die über mehrere Winter gewachsen sind, sind in den vergangenen Jahren in der Arktis deutlich weniger geworden. Das haben Forscher im Fachmagazin kürzlich im Fachmagazin "The Cryosphere" berichtet. Demnach ist die durchschnittliche Eisdicke in der Polarregion zwischen 1975 und 2012 um 65 Prozent zurückgegangen. Das ist etwa doppelt so viel, wie man zuvor angenommen hatte.

Für die Tiere der Arktis, aber auch für die traditionellen Bewohner des Gebiets hat der Klimawandel merkliche Folgen. So haben Forscher zum Beispiel zeigen können, dass Eisbären wegen der Eisschmelze immer weiter nach Norden ausweichen.

chs

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LouisWu 20.03.2015
1. Gute Nachricht
Tausende Entdecker und Forscher suchten im 18. und 19. Jahrhundert unter Einsatz ihres Lebens nach einer Nordwest- oder Nordostdurchfahrt durch die Arktis, um den Seeweg nach Asien abzukürzen. Hunderte starben dabei. Jetzt haben wir die Durchfahrt - und jammern.
Ein_denkender_Querulant 20.03.2015
2. das Meer wird wärmer
Es ist ein untrügliches Zeichen, dass sich das Klima wandelt. Winde verlagern sich, das Meer wird wärmer und als Ergebnis sehen wir ungewöhnliche Abschmelzraten von Frühling bis Herbst. Die freie Nordwest Durchfahrt mag die Frachtkosten für Waren von Europa nach Asien verringern, andere Auswirkungen des KLimawandels werden teurer werden. Alleine die ausbleibende Mandelernte wegen Trockenheit in Kalifornien bringt mehr wirtschaftlichen Schaden.
demokroete 20.03.2015
3. Das Abschmelzen des Nordpoleises
hätte eine enorme Verkürzung der Schifffahrtsrouten nach Asien zur Folge. Das verbilligt den Warentransport und reduziert den CO2 Ausstoss durch die Containerschiffe. Und keine Sorge, da die Polkappe schwimmt, steigt durch ihr Verschwinden der Meeresspiegel um keinen mm !
Beat Adler 20.03.2015
4. Weniger Polareisoberflaeche wirkt als positive Rueckkopplung fuer steigende Meerestemperaturen
Zitat von demokroetehätte eine enorme Verkürzung der Schifffahrtsrouten nach Asien zur Folge. Das verbilligt den Warentransport und reduziert den CO2 Ausstoss durch die Containerschiffe. Und keine Sorge, da die Polkappe schwimmt, steigt durch ihr Verschwinden der Meeresspiegel um keinen mm !
Weniger Polareisoberflaeche wirkt als positive Rueckkopplung fuer steigende Meerestemperaturen. Neben dem "normalen", durch mehr und mehr CO2 in der Athmosphaere, verstaerkten Treibhauseffekt wirkt eine immer kleinere Eisflaeche positiv auf eine schnellere Steigerung der Meerestemperatur, die dafuer sorgt, dass wir vermehrt Extremwetterereignisse, wie Starkregen und Duerren haben. Beides nimmt sowohl in der Haeufigkeit wie auch in der Intensitaet zu. Verglichen mit dem Vorteil einer besseren Schiffbarkeit der Nord-Passage sind die Schaeden durch Extremregen und -duerren vernachlaessigbar. mfG Beat
radierzylinder 20.03.2015
5.
Die Kappe schwimmt vielleicht, doch denkt mal an Grönland! Dort schmelzen ebenfalls die Eisvorräte langsam aber sicher ab, was einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge hat. Es ist wirklich schade, dass jedermann weiß was passiert und doch keine sinnvolle Initiative ergriffen wird. Erst wenn die Folgen katastrophale Ausmaße annehmen wird man sagen: ach warum haben wir denn früher nichts dagegen unternommen.. So ist der Mensch eben in seiner Natur:-)
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