Artenschutz Bundesregierung will Fischfang in Teilen der Nordsee verbieten

Zum Schutz von Seevögeln, Fischen und Schweinswalen will die Bundesregierung in vier Gebieten in der Nordsee strenge Fischfangregeln erlassen. Noch fehlt aber das Einverständnis weiterer EU-Staaten.

Fischkutter in der Nordsee vor Sylt (Archivbild)
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Fischkutter in der Nordsee vor Sylt (Archivbild)


In Teilen der Nordsee soll der kommerzielle Fischfang künftig das ganze Jahr über verboten sein, um bedrohte Tierarten besser zu schützen. "Erstmals haben wir uns innerhalb der Bundesregierung auf Beschränkungen der Fischerei in den Meeresnaturschutzgebieten geeinigt", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Verbände der Fischer reagierten mit scharfer Kritik, weil sie Einbußen befürchten. Nach ihrer Ansicht schießen die Pläne über das Ziel hinaus. Widerspruch gibt es auch aus der Landespolitik.

Betroffen von der geplanten Regelung ist vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen in den Schutzgebieten Östliche Deutsche Bucht und Sylter Außenriff vor der schleswig-holsteinischen Küste, Borkum Riffgrund vor Niedersachsen und Doggerbank, die noch weiter draußen liegt.

"Wir brauchen diese Beschränkungen, damit Seevögel, Fische und Schweinswale dauerhaft in der Nordsee leben können", so Hendricks. Besonders geschützt werden sollen demnach die Regionen, in denen Schweinswale ihre Jungen aufziehen. "Das sind auch die Kinderstuben vieler Fischarten." Es sei nicht nur gut für die Natur, sondern auch gut für die Fischer, wenn es Schutzzonen gibt, in denen sich Bestände erholen können.

Fischereiverbände sorgen sich um Einnahmen

Die deutschen Fischer haben die Pläne scharf kritisiert. Wenn der Bund 30 Prozent der deutschen Nordseefläche für die Fischerei sperren wolle, dann sei das nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes. Vergleichen könne man das mit einem Landwirt, dem 30 Prozent seiner Ackerfläche genommen wird. "Und dann soll er weiter wirtschaftlich arbeiten." Sollte sich der Vorstoß durchsetzen, sei das eine enorme Last.

Deutschland sollte wie andere Länder die Verbotszonen viel präziser definieren und nicht riesige Flächen ausweisen, heißt es vonseiten des Verbandes weiter. Er hält die Pläne zum Teil für rechtswidrig.

Laut der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven führt die Regelung dazu, dass sich die Fischerei auf die übrigen 70 Prozent verlagere, was für diese Gebiete auch Konsequenzen hätte.

Für ein zielgenaueres Vorgehen ist auch der Kieler Fischerei- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die heimischen Krabbenfischer drohten unverhältnismäßig stark belastet zu werden. Er werde sich dafür einsetzen, dass dies verhindert wird. Insgesamt begrüßt die Landesregierung in Kiel laut Habeck aber die Absicht, Schweinswale, Seevögel, Riffe und Sandbänke besser zu schützen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Pläne dagegen, forderte aber auch ähnliche Regelungen für die Ostsee und mehr Einschränkungen für die Krabbenfischerei. Fischereiexperte Thilo Maack kritisierte, Deutschland habe es nach der Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2007 in sechs Jahren nicht geschafft, dort die menschlichen Aktivitäten zu beschränken und sich deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren der EU eingehandelt.

Die Pläne müssen noch mit den anderen Nordsee-Ländern abgestimmt werden, darunter Dänemark, die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Frankreich.

Die EU-Staaten hatten sich im Dezember 2015 auf die Fangmengen für die Nordsee in diesem Jahr geeinigt. Demnach dürfen die Fischer rund 36 Prozent mehr Schellfisch fangen als 2015, 19 Prozent mehr Scholle, 16 Prozent mehr Hering und 15 Prozent mehr Kabeljau. Bei Seelachs bleibt die Quote konstant. Bei der Makrele sinkt sie um 14 Prozent.

jme/AFP/dpa



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