Nordsee Forscher entzaubern Phantomvulkane - und stellen Ölfunde in Aussicht

Ein Gebiet vor der Küste Schottlands ist auf einmal spannend für die Suche nach Öl und Gas - weil der Untergrund dort ganz anders aussieht als bisher vermutet. Das Areal ist immerhin halb so groß wie Schleswig-Holstein.

Ölplattform in der Nordsee vor Aberdeen (im Februar 2014)
REUTERS

Ölplattform in der Nordsee vor Aberdeen (im Februar 2014)


Öl und Gas aus der Nordsee und den angrenzenden Gebieten haben in den vergangenen Jahrzehnten vor allem Schottland und Norwegen reich gemacht. Nun berichten Forscher der Aberdeen University, dass ein bisher unbeachteter Bereich am Meeresboden das Potential für weitere Lagerstätten bieten könnte. Konkret geht es um eine Fläche von 7000 Quadratkilometern, das ist etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein.

Ein Team um den Geoforscher Nick Schofield hatte sich die sogenannte Rattray Volcanic Province vor der Küste Schottlands näher angesehen. Bisher war man der Meinung, dass der Untergrund in dem Meeresgebiet unweit von Aberdeen von den Überbleibseln der Magmakammern dreier Vulkane geprägt ist. Diese sollen vor rund 165 Millionen Jahren in der Zeit des Mitteljura ausgebrochen sein. Damals hätte die geologische Aktivität in der Gegend beinahe dafür gesorgt, dass sich die britischen Inseln komplett vom Rest Europas getrennt hätten - in diesem Fall lägen sie heute vor der Küste Nordamerikas.

Dazu kam es nicht. Doch gingen Forscher bisher davon aus, dass die Beinahe-Trennung nicht nur von Erdbeben, sondern auch vom Ausbruch mehrerer Vulkane begleitet wurde. Und deren unterirdische Magmakammern hätten bedeutet, dass sich im Gebiet der Rattray Volcanic Province keine Lagerstätten von Öl- und Gas hätten bilden können - weil das nötige Sedimentgestein zur Speicherung gefehlt hätte.

3D-Seismik und Bohrkerndaten ausgewertet

Bedingt durch die Annahme hatte man in der Gegend bisher auch nicht nach Reservoirs gesucht - offenbar zu Unrecht, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Journal of the Geological Society" berichten. Der Artikel erschien bereits im November vergangenen Jahres, bekommt allerdings erst jetzt durch eine Pressemitteilung der Universität größere Aufmerksamkeit.

Das Fazit der Forscher nach der Auswertung von 3D-Seismik und Bohrkerndaten: Die Vulkane hat es wahrscheinlich nie gegeben. Stattdessen sei Lava durch Risse nach oben gelangt. Das bedeutet: Die Suche nach Öl und Gas in dem Gebiet könnte sich womöglich eben doch lohnen. Man habe gewissermaßen eine Menge an interessantem Gesteinsvolumen zurückbekommen - und das in einer der produktivsten Förderprovinzen der Welt, so Forscher Schofield.

Ob es aber tatsächlich Vorkommen gibt, wissen die Wissenschaftler noch nicht - genauso wenig wie die Frage geklärt ist, wie ökologisch oder ökonomisch sinnvoll deren Förderung irgendwann einmal wäre.

chs



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
betonklotz 20.02.2019
1. Kleine Anmerkung zum Sprachgebrauch
Eine etwaige Förderung kann unter keinen Umständen "ökologisch sinnvoll" sein. Bestenfalls wäre sie ökologisch unbedenklich.
Oberleerer 20.02.2019
2.
Zitat von betonklotzEine etwaige Förderung kann unter keinen Umständen "ökologisch sinnvoll" sein. Bestenfalls wäre sie ökologisch unbedenklich.
Wenn man Erdgas/Methan nutzbar macht, was sonst als 50x gefährlicheres Klimagas als CO2 in die Umwalt gelangen würde, kann das schon sinnvoll sein. Vor Schottlands Küste ist ja seit 20 Jahren so ein Loch im Ozeanboden außer Kontrolle. Zumindest in der Anfangszeit entwich da so viel Erdgas, wie in ganz Europa verbraucht wurde. Da wäre es durchaus ökologisch sinnvoll, das abzufangen. Ebenso Gibt es in Rußland soche brenenden Bohröcher oder in China und Amerika brennende Kohleflöze. Vlt. sollte man die Tundra abtragen, bevor sie auftaut. Statt das Methan in die Umwelt zu entlassen, kann man das in einer Biogasanlage abfangen.
betonklotz 20.02.2019
3. Wenn Gas/Ül ohnehin austreten einverstanden
Zitat von OberleererWenn man Erdgas/Methan nutzbar macht, was sonst als 50x gefährlicheres Klimagas als CO2 in die Umwalt gelangen würde, kann das schon sinnvoll sein. Vor Schottlands Küste ist ja seit 20 Jahren so ein Loch im Ozeanboden außer Kontrolle. Zumindest in der Anfangszeit entwich da so viel Erdgas, wie in ganz Europa verbraucht wurde. Da wäre es durchaus ökologisch sinnvoll, das abzufangen. Ebenso Gibt es in Rußland soche brenenden Bohröcher oder in China und Amerika brennende Kohleflöze. Vlt. sollte man die Tundra abtragen, bevor sie auftaut. Statt das Methan in die Umwelt zu entlassen, kann man das in einer Biogasanlage abfangen.
Vorausgesetzt, daß sich der Austritt nicht generell unterbinden lässt. Aber um einen solchen Fall geht es hier ja wohl nicht. Hier geht es um Vorkommen, die falls überhaupt vohanden sich in einer stabilen Lagerstätte befinden. Was Ihren Vorschlag mit den auftauenden Permafrostböden angeht, wenn es machbar wäre, dann wäre es tatsächlich das kleinste noch mögliche Übel. Leider geht es nicht. Die Vorkommen sind ja nicht konzentriert sondern verteilen sich weitgehend gleichmäßig über eine gewaltige Fläche die sich darüber hinaus auch noch in schwer zugänglichem Terrain befindet.
hansa_vor 20.02.2019
4.
Zitat von OberleererWenn man Erdgas/Methan nutzbar macht, was sonst als 50x gefährlicheres Klimagas als CO2 in die Umwalt gelangen würde, kann das schon sinnvoll sein. Vor Schottlands Küste ist ja seit 20 Jahren so ein Loch im Ozeanboden außer Kontrolle. Zumindest in der Anfangszeit entwich da so viel Erdgas, wie in ganz Europa verbraucht wurde. Da wäre es durchaus ökologisch sinnvoll, das abzufangen. Ebenso Gibt es in Rußland soche brenenden Bohröcher oder in China und Amerika brennende Kohleflöze. Vlt. sollte man die Tundra abtragen, bevor sie auftaut. Statt das Methan in die Umwelt zu entlassen, kann man das in einer Biogasanlage abfangen.
Dies ist unsinnig da mindestens die Hälfte der Biogasanlagen "undicht" sind. https://www.swp.de/politik/inland/jede-zweite-biogasanlage-hat-maengel-experten-sehen-jedoch-keine-gravierenden-gefahren-22126529.html Da ist es ökonomischer und ökologischer sinnvoller es einfach ohne Transport in die Atmosphäre zu lassen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.