Nordseeküste Forscher rätseln über massenhaftes Seehundesterben

Eine ungewöhnliche Sterbewelle hat Seehunde an der Nordseeküste erfasst: Offenbar ist ein Großteil der 2009 geborenen Tiere noch im gleichen Jahr verendet. Noch rätseln die Experten, warum die Babys gestorben sind. Im Verdacht haben sie einen Parasiten, der Lungenentzündungen hervorruft.

Seehunde an der Nordseeküste: Ungewöhnlich viele Totfunde in 2009
ddp

Seehunde an der Nordseeküste: Ungewöhnlich viele Totfunde in 2009


Kiel - Ist es ein Trend oder handelt es sich um eine Ausnahme? Derzeit beobachten Wissenschaftler eine ungewöhnliche Sterbewelle: Offenbar mehr als 900 Seehunde sind an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste im letzten Jahr verendet - die meisten davon Jungtiere.

Am Montag hat das Umweltministerium die Ergebnisse einer Untersuchung bekanntgegeben. Demnach ist offenbar ein Großteil der im vergangenen Jahr geborenen Seehundbabys gestorben. "Eine gewisse Anzahl von Totfunden ist normal, doch im letzten Herbst und Winter waren es dreimal mehr Tiere als üblich", sagte der Biologe Kai Abt von Wildlife Consulting aus Kiel. Abt erfasst den Seehundebestand im Auftrag des Landes.

Jetzt versuchen die Wissenschaftler herauszufinden, warum die Seehunde gestorben sind - noch sind die genauen Hintergründe umstritten. Doch in vielen Fällen, glauben die Forscher, könnten die Tiere von für sie gefährlichen Parasiten befallen gewesen sein. Bei Obduktionen fanden Forscher häufig den sogenannten Lungenwurm.

Dieser gehört zum Stamm der Nematoden, das sind winzige Fadenwürmer, die mitunter auch als Parasiten leben. Solche Lungenwürmer kommen in vielen Säugetieren vor, etwa bei Ratten, Rinder oder Katzen. Meist leben sie in den Atemwegen und Blutgefäßen ihrer Wirte und verursachen häufig sekundäre bakterielle Infektionen und Lungenentzündungen. Diese sind vor allem bei jungen Seehunden eine häufige Todesursache.

Keine Hinweise auf Virenerkrankungen

1988 und 2002 war bei zwei verheerenden Seehund-Seuchen ein großer Teil des Seehundebestands im Nordseeraum verendet. 2002 kamen allein im deutschen, niederländischen und dänischen Wattenmeer mindestens zehntausend Tiere und damit mehr als die Hälfte aller dort lebenden Exemplare um. Schuld an dem Massensterben war damals das sogenannte Staupe-Virus, das eine Epidemie auslöste. Bei den jetzt verendeten Tieren fanden die Wissenschaftler allerdings keinen Hinweis auf ein erneutes Aufflammen der Virenseuche.

In den vergangenen Jahren hatte sich der Bestand wieder erholt und war jedes Jahr um ein Zehntel bis ein Fünftel gewachsen. Im Sommer 2009 waren bei den jährlichen Zählflügen im schleswig-holsteinischen Teil der Nordsee 8415 Seehunde gesehen worden - so viele wie noch nie seit Beginn der Zählungen 1975. 2263 davon waren Jungtiere.

Nach Angaben der Umweltbehörde ist derzeit auch unklar, ob es sich bei dem Jungtiersterben von 2009 um den Beginn eines Trends oder eine Ausnahme handelt. Auch von der niedersächsischen Küste und aus den Niederlanden werde zurzeit aber ein "hochgradiger Lungenwurmbefall" gemeldet, berichtete das Amt.

Kai Abt vermutet sogar einen Zusammenhang zwischen der Todeswelle und dem Klimawandel. "Großklimatische Schwankungen" hätten den Nährstoffeintrag aus dem Atlantik in die Nordsee verändert, was die Fischbestände schrumpfen ließ und zu einem Nahrungsengpass bei den Seehunden geführt habe. Vor allem Jungtiere, die noch keine so guten Jäger seien, seien in den vergangenen Monaten daher weniger widerstandsfähig und anfälliger für Krankheiten gewesen.

Andere Wissenschaftler zweifeln an dieser These. Es gebe keine Beleg dafür, dass die Nahrungsbestände junger Seehunde zurückgegangen seien. Die Tiere ernähren sich von Grundeln, Krabben, kleinen Schollen und anderen Fischen. Die Experten stimmen allerdings darin überein, dass das Ökosystem weiter untersucht werden müsse, um die Ursachen des Jungtiersterbens aufzuklären. In den Niederlanden ist ein entsprechendes Forschungsprogramm bereits angelaufen.

cib/AFP/apn

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
frank_lloyd_right 12.04.2010
1. Hatten wir das nicht schon mal
vor gefühlten etwa 25 Jahren ?
a-mole 12.04.2010
2. im text
Zitat von frank_lloyd_rightvor gefühlten etwa 25 Jahren ?
.. kann man die antwort finden "1988 und 2002 war bei zwei verheerenden Seehund-Seuchen ein großer Teil des Seehundebestands im Nordseeraum verendet" nächstes mal einfach selber lesen
Porgy, 12.04.2010
3. "Gestorben" oder "verendet"?
Die Seehunde "sterben", aber die Kobra, die einem Möchtegern-Reptilienhalter in Mühleim an der Ruhr ausgbebüxt war, ist verendet. (http://www.focus.de/panorama/welt/muelheim-an-der-ruhr-ausgebuexte-kobra-verendet-in-klebefalle_aid_496720.html) Ist vielleicht doch eine Frage des "Kuschel"- oder "Ekelfaktors", ob ein Tier "stirbt" oder "verendet"?
shokaku 12.04.2010
4. Was ein harter Winter so alles verändert
Noch vor einem Jahr wäre das eine offensichtliche Folge des Klimawandels gewesen. Jetzt rätseln die Experten.
FinCoach, 12.04.2010
5. Killeralgen waren es 1988
Zitat von frank_lloyd_rightvor gefühlten etwa 25 Jahren ?
Es war der Sommer 1988. Damals hatte die Presse es ungfähr so verkauft: Unser Meer kippt um wegen Killeralgen! Heute sind es dann halt mal Parasieten. Hauptsache der Mensch kann weiter seinen Dreck da reinschütten und alles leerfischen.
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