Satellitenbild der Woche Freie Fahrt durch die Nordwestpassage

Der Weg ist frei: Das Eis in der Arktis ist so stark getaut, dass Schiffe die legendäre Nordwestpassage durchfahren können.

Nordwestpassage
NASA

Nordwestpassage


Die Route durch die Nordwestpassage spart Schiffen viele Tage auf See. Anstatt durch den Panamakanal fahren zu müssen, können sie etwa von New York aus direkt über die Arktis nach Tokio gelangen (siehe Grafik unten). Statt 18.000 Kilometer sind sie nur 14.000 unterwegs.

Jetzt ist die seltene Möglichkeit gekommen. Das Meereis, das die Nordwestpassage normalerweise blockiert, ist großenteils getaut - die Route für Schiffe wäre frei, meldet die Nasa nach der Ansicht aktueller Satellitenaufnahmen.

Erkennbar sei ein eisfreier Pfad vom Amundsen-Golf im Nordwesten Kanadas zur Baffin Bay im Nordosten des Landes. Lediglich in der Mitte der Passage vor der Victoria-Insel würden Seeleute größeren Mengen Eisschollen begegnen.

Abkürzungen durch die Arktis
DER SPIEGEL

Abkürzungen durch die Arktis

Gefahr für Freizeit-Kapitäne

Die Nordwestpassage öffnet sich in den vergangenen Jahren häufiger als im 20. Jahrhundert; Ursache ist die Erwärmung der Arktis. Sie führt dazu, dass das Meereis im Sommer oft stark zurückgeht. Im Winter frieren die Gewässer zwar weitgehend wieder zu, doch auch zur kalten Jahreszeit messen Forscher weniger Eis als früher.

In den vergangenen Jahren habe Firmen ihre Schiffe immer öfter durch die Nordwestpassage geschickt. Auch die Nordostpassage gab zuweilen den Weg frei, wenn im Sommer das Meereis schwand - sie verkürzt den Weg von Hamburg nach Tokio von 21.000 Kilometern auf 13.000 (siehe Grafik).

Die tauende Arktis lockt auch immer mehr Abenteurer an - die sich in gefährliches Terrain begeben: Zwar sind die Passagen passierbar, gleichwohl bedroht Treibeis vor allem kleine Schiffe. Die Eisdecke taut, ist stark dezimiert - doch die Schollen sind deshalb mobiler; sie treiben oft weit in den Süden.

In den vergangenen Jahren waren zahlreiche Freizeit-Kapitäne in der sommerlichen Arktis in Seenot geraten. Sie sind auf verlorenem Posten: Kanada verfügt über keinen rettenden Hafen an der Nordwestpassage; Helikopter und Flugzeuge müssen Tausende Kilometer fliegen, um vor Ort sein zu können.

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