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Norwegen: Jäger bedrohen die letzten Luchse

Obwohl Norwegens Luchs-Population dramatisch geschrumpft ist, genehmigt das Land den Abschuss von 85 Großkatzen - Mutter- und Jungtiere eingeschlossen. Artenschützer fürchten um den Restbestand.

Eurasischer Luchs (im Nationalpark Harz): Einst weit verbreitet
DDP

Eurasischer Luchs (im Nationalpark Harz): Einst weit verbreitet

In diesem Jahr könnte ein Viertel der norwegischen Luchse Jägern zum Opfer fallen. Wie "BBC News Online" unter Berufung auf den World Wildlife Fund (WWF) berichtet, hat das Land die Abschussquote in diesem Jahr auf 85 Tiere festgelegt. Auch Mutter- und Jungtiere sind von der Jagd nicht ausgenommen.

Der Umweltschutzorganisation zufolge ist die norwegische Luchs-Population in den letzten sechs Jahren jedoch schon um die Hälfte geschrumpft: Von 600 Luchsen im Jahr 1996 sei der Bestand auf derzeit nur noch 300 bis 350 Tiere gesunken. Der WWF fürchtet daher, dass die Raubkatze in dem Land völlig ausgerottet werden könnte.

In der laufenden Jagdsaison, die Anfang Februar begann und bis Ende April andauert, sind dem Bericht zufolge bereits rund 35 Luchse erlegt worden. "Norwegen muss sofort die Luchsjagd verbieten, besonders das Töten von Weibchen mit Jungen", sagte Callum Rankine, beim WWF für internationalen Artenschutz zuständig, gegenüber "BBC News Online".

Die Organisation bemängelt vor allem das Fehlen "nationaler Ziele" beim Schutz der Luchse. So werde die Abschussquote nicht zentral festgelegt, sondern von den Verwaltungsbezirken. Diese bestimmten die Quoten auf Basis unsicherer Angaben wie etwa der Zahl der von Luchsen gerissenen Schafe. In einigen Teile Norwegens hätten die Behörden gar beschlossen, die Raubkatze überhaupt nicht zu dulden.

Der WWF fordert daher eine Strategie, mit welcher der Luchsbestand in den nächsten Jahren auf 600 und langfristig auf 1000 Tiere erhöht werden kann - nur mit dieser Populationsstärke sei der Erhalt gesichert. "Der Luchsbestand in Norwegen muss von der Verwaltung sorgfältig überwacht werden", teilte das Umweltministerium in Oslo auf Anfrage von "BBC News Online" mit. "Die diesjährige Abschussquote ist jedoch vertretbar."

Der Eurasische Luchs, lateinisch Lynx lynx, war einst in Europa und Asien weit verbreitet. Heute leben laut WWF noch rund 7000 Tiere in Europa. In Skandinavien existierten bislang die stabilsten Populationen, in Mittel- und Westeuropa gibt es einige verstreute Gruppen. Behörden und Tierschützer haben vielerorts versucht, die Großkatze wieder anzusiedeln - so jagen im Harz, wo der Räuber vor fast 200 Jahren ausgerottet wurde, mittlerweile wieder zwölf Luchse.

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