Notstand in Kalifornien Jahrhundertdürre trocknet Südwesten der USA aus

Der Süden und der Westen der USA leiden unter einer rekordverdächtigen Dürre. Felder verdorren, Stauseen leeren sich, in Kalifornien und anderen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Das alles könnte ein Vorgeschmack auf die Zukunft in der riesigen Region sein.

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Aus dem All ist die Misere deutlich erkennbar: Im Januar 2013 war die Sierra Nevada von dichtem Schnee bedeckt, ebenso wie das kalifornische Kaskaden- und das Küstengebirge. Jetzt, ein Jahr später, ist auf dem Satellitenbild der US-Weltraumbehörde Nasa kaum ein weißer Fleck zu sehen. Wo sonst Schnee liegt, gibt es nur ausgedörrtes Land.

Am 17. Januar hat Gouverneur Jerry Brown den Notstand in Kalifornien ausgerufen. Bürger und Kommunen sind aufgerufen, Wasser zu sparen, wo es eben geht. Um mindestens 20 Prozent müsse der Verbrauch sinken, erklärte Brown. Und die Lage könnte sich in den kommenden Monaten noch verschärfen. Kalifornien deckt nach Angaben der Nasa ein Drittel seines Wasserbedarfs mit Schmelzwasser aus den Bergen. Doch die Schneebedeckung liege nur zwischen 10 und 30 Prozent des Normalwerts.

Rekorde gab es auch bei den Temperaturen: In San Francisco erreichten sie vergangene Woche 22 Grad, in Oakland sogar 28 Grad. Nie zuvor war dort Mitte Januar eine derartige Wärme gemessen worden. Entsprechend sieht auf dem Satellitenbild die Vegetation im kalifornischen Central Valley aus. Im Januar 2013 leuchtete das 600 Kilometer lange Tal prallgrün, heute ist das fast komplett bräunlich.

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Im gesamten Süden und Westen der USA ist die Situation kaum besser. Der Colorado, der in den Rocky Mountains entspringt und auf seinem Weg in den Golf von Kalifornien zahlreiche Stauseen speist, ist an vielen Stellen zu einem trüben Rinnsal verkümmert. Der Fluss leidet unter einer Trockenperiode, die seit 14 Jahren andauert und damit laut "New York Times" die schlimmste der vergangenen 1250 Jahre ist. In diesem Jahr wird die Wassermenge, die vom Lake Powell in den stromabwärts gelegenen Lake Mead fließt, zum ersten Mal überhaupt begrenzt. Die Folge: Für 2015 gibt es nach Angaben von Behörden eine 50-prozentige Chance, dass die Wasserabgabe aus dem Lake Mead - von dem zahlreiche Städte von Las Vegas bis nach Los Angeles abhängen - erstmals rationiert wird.

Vorgeschmack auf die Zukunft?

In der Region greift die Befürchtung um sich, dass die aktuelle Situation nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft sein könnte. Denn die Hoffnung auf eine Normalisierung der Lage könnte trügerisch sein: "Normal" muss nicht unbedingt feuchter bedeuten, wie inzwischen klar wird. Jüngste Studien legen nahe, dass das 20. Jahrhundert zu den drei feuchtesten der vergangenen 13 Jahrhunderte gehörte. Sollte das stimmen, könnten der Süden und der Westen der USA vor erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung stehen, zumal die Bevölkerung in der Region rapide wächst.

Unsicher ist, ob die globale Erwärmung die Lage in der Region zusätzlich verschärfen wird. Klimasimulationen haben zunehmende Trockenheit für die Region vorausgesagt: 18 Modelle haben gezeigt, dass der Südwesten der USA im Laufe des Jahrhunderts erheblich trockener werden könnte; nur eines zeigte ein feuchteres Klima für die Region, berichteten Forscher 2007 im Wissenschaftsmagazin "Science". Die Entwicklung sei bereits im Gange, schrieben die Autoren.

Die American Meteorological Society arbeitet derzeit an einer Studie über die Klima-Zukunft im Süden und Westen der USA. Der Uno-Klimarat IPCC kam in seinem im September veröffentlichten Sachstandsbericht zu dem Ergebnis, dass die Zahl der aufeinanderfolgenden trockenen Tage in Nordamerika wahrscheinlich steigen wird. Auch Hitzewellen dürften künftig häufiger vorkommen. Für die Landwirtschaft sind solche Extreme gefährlicher als ein Anstieg der über das Jahr gemittelten Temperatur: Ist die Ernte erst verdorrt, helfen auch keine Regengüsse mehr.

Den Bewohnern der betroffenen US-Staaten bleibt einstweilen nur die Hoffnung auf die Technologie, etwa um die Wassernutzung effizienter zu gestalten. Stellenweise funktioniert das bereits. Im südlichen Nevada etwa wird der größte Teil des in Haushalten genutzten Wassers aufbereitet und in den Lake Mead zurückgeführt. Die zuständige Wasserbehörde hat Prämien an Grundstücksbesitzer gezahlt, die ihren Rasen durch Schotter ersetzten.

Doch auch das wird wohl erst der Anfang sein. "Die Zeit der großen Wassertransfers ist entweder vorbei oder geht schnell ihrem Ende entgegen", sagte John Entsminger, ein Manager der South Nevada Water Authority, der "New York Times". "Es sieht so aus, als müssten wir im 21. Jahrhundert mit weniger Wasser auskommen."

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Seite 1
j2011 24.01.2014
1. na klar
Hauptsache ist der Commerz in Las Vegas. Dort werden die Wasserspiele nicht versiegen, mit denen die Touristen eingelullt werden. Auch wenn die gesamte Region zur Sahara wird, dort wird geprasst bis zum letzten Wassertropfen.
dliblegeips 24.01.2014
2.
In Kalifornien sind genügend Innovative Leute vorhanden um das Problem zu lösen. an Kapital fehlt es eigentlich auch nicht. Sonne ist dort genügend vorhanden. Mit Solarenergie kann man einfach das Wasser aus dem Pazifik entsalzen und in die Speicherseen pumpen. Die Solaranergie muss man nicht einmal speichern , sondern reguliert einfach die Pumpleistung. Klar kostet das richtig viel Geld und das Wasser wird teurer. Einige Formen der Landwirtschaft werden sich nicht mehr lohnen. Das Leben in Kalifornien wird aber weitergehen.
michaelXXLF 24.01.2014
3.
Man müßte umdenken und entsprechend handeln, aber das ist ja leider so unbequem.
Hansjuerg 24.01.2014
4. Der Vorgeschmack
Zitat von sysopDer Süden und der Westen der USA leiden unter einer rekordverdächtigen Dürre. Felder verdorren, Stauseen leeren sich, in Kalifornien und anderen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Das alles könnte ein Vorgeschmack auf die Zukunft in der riesigen Region sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/notstand-in-kalifornien-rekord-duerre-trifft-suedwesten-der-usa-a-945235.html
Ja, ein Vorgeschmack. Wer die Grundregeln der Thermodynamik etwas kennt, kann sich gut vorstellen, dass weite tiefe Ebenen austrocknen, an Gebirgen häufiger und gössere Niederschläge auftreten und die Unterschiede beim Luftdruck und somit die Stürme stärker werden. Etwa das, was Mollier uns mit seinem hx-Diagramm zeigen wollte.
walter_e._kurtz 24.01.2014
5. Der Ring
ist wieder eröffnet, werte Leugner des Klimawandels! Warum auch sollte es Konsequenzen haben, wenn man innerhalb von 150 Jahren Kohlenstoff verfeuert, den die Natur innerhalb von hunderten Millionen Jahren endgelagert hat? Und auch die Großflächige Abholzung von Wäldern bleibt sicherlich völlig folgenlos.... Dann höre ich auch dieses sagenumwobene "Argument", seit 15 Jahren sei die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr gestiegen: Dann laßt Euch, werte Klimawandelleugner, auch sagen, daß die Ozeane innerhalb dieser Zeit an Temperatur zugelegt haben und damit auch CO2 eingelagert haben. Mit der, selbstverständlich völlig folgenlosen, Konsequenz, daß die Meere saurer werden und auch hier die Flora beeinträchtigt wird. Die Menschheit wird nicht in 100.000 Jahren durch einen Meteoriten oder Megavulkanausbruch dezimiert werden, sondern innerhalb der nächsten 150 Jahre durch eigene Arroganz und Ignoranz, um nich zu sagen - eigene Blödheit.
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