Öko-Bedenken Richter legt Mega-Kraftwerk in Brasilien auf Eis

In Brasiliens Amazonas-Gebiet soll eigentlich das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Doch nun hat ein Richter die Arbeiten am Belo-Monte-Projekt vorerst gestoppt - weil Umweltauflagen nicht beachtet wurden.

Protest gegen Belo Monte (am 8. Februar): Vorläufiger Baustopp durchgesetzt
DPA

Protest gegen Belo Monte (am 8. Februar): Vorläufiger Baustopp durchgesetzt


São Paulo - Seit Jahrzehnten wurde das Projekt immer wieder einmal von brasilianischen Regierungen in Angriff genommen: Am Xingu-Fluss, einem Seitenarm des Amazonas, soll ein Wasserkraftwerk der Superlative entstehen - um der energiehungrigen Wirtschaft des Landes zu helfen. Indios, Kirche, Menschenrechtler und Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt. Nun haben sie einen entscheidenden Etappensieg erzielt.

Die Kritiker befürchten unkalkulierbare Auswirkungen auf die Umwelt. Sie sehen außerdem die Lebensgrundlagen der Indios massiv bedroht. Insgesamt sollen für die Staubecken mehr als 500 Quadratkilometer Fläche geflutet werden. Doch die Arbeiten für das gigantische Wasserkraftwerk, es wäre das drittgrößte der Welt, sind nun vorerst gestoppt. Ein Richter in Belém (Bundesstaat Pará) setzte mit sofortiger Wirkung die Teilgenehmigung der Umweltschutzbehörde für den Bau außer Kraft.

In der Begründung heißt es, Umweltauflagen seien nicht erfüllt worden. Auch die Finanzierung des umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teuren Projektes durch Brasiliens staatliche Entwicklungsbank BNDES wurde zunächst auf Eis gelegt. Die Umweltschutzbehörde (Ibama) hatte erst im Januar grünes Licht für vorbereitende Arbeiten und die Rodung von 240 Hektar Wald gegeben.

Schlappe für Präsidentin Rousseff

Die Entscheidung von Richter Ronaldo Desterro gilt so lange, bis Einsprüche gegen das Projekt gerichtlich entschieden oder die Umweltauflagen erfüllt sind. Mit dem Beschluss vom Freitag kam das Gericht einem Antrag der Staatsanwaltschaft nach. Sie hatte bemängelt, dass vor der Ibama-Genehmigung 29 erteilte Auflagen nicht erfüllt worden seien.

Die Entscheidung ist eine Schlappe für die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff. Sie hatte sich wie ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva massiv für den Bau des Kraftwerkes am Xingu einsetzt. Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für die achtgrößte Volkswirtschaft Brasilien für notwendig.

Das Kraftwerk sollte in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energía SA verantwortlich. Die Anlage wäre mit einer Leistungskapazität von mehr als 11.000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

Nach Angaben der künftigen Betreiber müssten mindestens 17.000 Menschen für das Riesen-Projekt umgesiedelt werden. Die Gegner des Bauvorhabens halten diese Zahl noch für viel zu niedrig. Sie rechnen damit, dass Belo Monte mindestens 20.000, möglicherweise sogar 50.000 Menschen vertreiben würde. Zu den Kritikern des Projektes gehören unter anderen der US-Regisseur James Cameron ("Avatar"), der britische Popsänger Sting und der brasilianische Bischof Erwin Kräutler, der 2010 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

chs/dpa



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
vhe 26.02.2011
1. ...
Zitat von sysopIn Brasiliens Amazonas-Gebiet soll eigentlich das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Doch nun hat ein Richter die Arbeiten am Belo-Monte-Projekt vorerst gestoppt - weil Umweltauflagen nicht beachtet wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,747928,00.html
Prima, dann bauen die eben ein Kohlekraftwerk. Für die Umwelt.
atair 26.02.2011
2. zu wenig...
Zitat von vhePrima, dann bauen die eben ein Kohlekraftwerk. Für die Umwelt.
Das müssten dann schon DREIZEHN Kohlekraftwerke werden - damit die gleiche Menge Strom dabei rumkommt.... Gegebenenfalls reichen auch ACHT Kernkraftwerke der Größe wie Angra 2 .....
Corbusier 26.02.2011
3. So schauts aus....
Zitat von atairDas müssten dann schon DREIZEHN Kohlekraftwerke werden - damit die gleiche Menge Strom dabei rumkommt.... Gegebenenfalls reichen auch ACHT Kernkraftwerke der Größe wie Angra 2 .....
Das ist ja das Problem. Die Energie werden die eh brauchen, also lieber 500qkm fluten und halbwegs sauberen Strom produzieren, als einen Haufen AKWs. Der Wald wird ja sowieso weggerodet um ein paar Möbel für Europa herzustellen und unseren Biosprit anbauen zu können.
outsider-realist 27.02.2011
4. Betonmentalität
...unterstelle ich mal denen, die hier den Baustopp ohne Hintergrundwissen kritisieren und abenteuerlich schwachsinnige Relativierungen anstellen (wo ist zu lesen, das jetzt Kohlekraftwerke gebaut werden oder die eh gerodet wird?). Ziemlich arrogant außerdem als von der Ferne aus die Belange und Sorgen der betroffenen Bevölkerung in Frage zu stellen (von den Umweltschäden, die uns alle angehen, mal ganz zu schweigen).
J4cky 27.02.2011
5. ...
Zitat von outsider-realist...unterstelle ich mal denen, die hier den Baustopp ohne Hintergrundwissen kritisieren und abenteuerlich schwachsinnige Relativierungen anstellen (wo ist zu lesen, das jetzt Kohlekraftwerke gebaut werden oder die eh gerodet wird?). Ziemlich arrogant außerdem als von der Ferne aus die Belange und Sorgen der betroffenen Bevölkerung in Frage zu stellen (von den Umweltschäden, die uns alle angehen, mal ganz zu schweigen).
Tja, nix neues für mich. Wenn es nach NORGER geht würde ähnliches in Norwegen geschehen. Da hat man sich auch schon eine Ecke ausgeguckt in der man Pumpspeicherkraftwerke mit einer Leistung von Vergleichsweise von 180 AKW bauen könnte. Nicht wenige Foristen hier beführworten das. Das Land wird anschließend nur völlig anders aussehen. So sieht eben Öko aus, wir brauchen das Land mal eben, weil es eine günstige Lage hat und der Rest verschwindet eben. Technisch kann man viel bauen, da gibt es nur bedingt Grenzen.
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