Ökonomische Jäger: Fledermäuse machen fetteste Beute

Wenn Fledermäuse Insekten jagen, passen sie die Auswahl ihrer Beute dem Angebot an. Ein ausgeklügeltes Experiment mit Großen Hufeisennasen offenbart die Effizienz der nächtlichen Jäger: Sie wissen, wann sich pokern nicht lohnt.

Fledermäuse bei der Jagd: Tierische Ökonomen Fotos
dietmar-nill.de

Fledermäuse können ihre Nahrung zielsicher nach ökonomischen Kriterien auswählen. Große Hufeisennasen treffen ihre Entscheidung je nach Angebot - und verzichten auch mal auf einen kleinen Falter, wenn die Chance gut genug ist, stattdessen einen großen zu erwischen. Das hat eine Studie der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen südwestlich von München ergeben, die jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" erschienen ist.

"Bei uns haben sich die Fledermäuse immer so verhalten, dass sie den Energiegewinn maximiert und gleichzeitig den eigenen Aufwand minimiert haben", sagt Klemen Koselj, der Erstautor der Studie. Ähnliche Untersuchungen mit anderen Tieren hätten zu weniger eindeutigen Ergebnissen geführt. Ob das daran liegt, dass es Tieren schwerfällt, lohnende von mickriger Beute zu unterscheiden, oder ob sie ihre Auswahl einfach nur nachlässig treffen, ist nicht bekannt.

Fledermäuse orten Insekten per Echolot, sie orientieren sich mit ihrem körpereigenen Ultraschall-System. In ihrer Studie untersuchten die Forscher sechs Exemplare der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) - einer Art, die in Deutschland fast ausgestorben ist. Die Fledermausart ist in der Lage, die Größe ihrer Beute anhand des Flügelschlags der Insekten mit ihrem Echo-Ortungssystem abzuschätzen.

Wenn sich pokern nicht lohnt

Koselj simulierte im Labor mit Propellern unterschiedliche Nachtfalter. Ein großer, langsam drehender Propeller warf ähnliche Echos zurück wie ein großer Falter. Ein kleiner, rasch drehender täuschte der Fledermaus hingegen ein kleines Insekt vor. Anstatt eines echten Falters bekamen die Fledermäuse entweder einen großen oder einen kleinen Mehlwurm, der ihnen an einem Faden hängend serviert wurde.

Waren die Zeiträume zwischen dem Auftreten der großen Falter lang - und somit offensichtlich nur wenige große Tiere unterwegs - stürzten sich die Hufeisennasen auf die kleinen Falter. Denn die Gefahr, beim Verzehr einen größeren Happen zu verpassen, war gering. "Es lohnte sich dann nicht, darauf zu pokern, dass eine große Beute vorbeikommt", sagt der Forscher.

Waren die Intervalle aber kurz, was auf viele große Insekten hindeutete, kamen die kleinen Falter mit dem Leben davon. "Wenn die Fledermaus mit der kleinen Beute beschäftigt ist, läuft sie Gefahr, die große Beute zu verpassen", fasst Koselj das Entscheidungssystem zusammen. Dabei hatte jede der aus seiner Heimat Slowenien mitgebrachten Test-Fledermäuse etwas andere, individuelle Kriterien. "Wir konnten nicht feststellen, woran das liegt." Die Forscher vermuten jedoch, dass die Tiere beim Fressen unterschiedlich geschickt sind und ihr Jagdverhalten daran anpassen.

wbr/dpa

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