Washington - Eine rasche Entspannung im Katastrophengebiet im Golf von Mexiko scheint unwahrscheinlich. Die US-Küstenwache zeigte sich am Montag pessimistisch über die Aussichten zum Eindämmen der Ölpest. Die Arbeiten an einer Entlastungsbohrung in etwa 6000 Meter Tiefe würden im besten Fall 90 Tage dauern, sagte Küstenwachenchef Thad Allen in Washington. Eine solche Bohrung sei die einzige realistische Möglichkeit, den Druck zu mindern und die Quelle zu stopfen.
Aus der Quelle fließen täglich etwa 800.000 Liter Rohöl ins Meer. Der dadurch entstandene Ölteppich bedroht mehrere am Golf liegende US-Bundesstaaten. Der Öl-Multi BP, der Anteilseigner der gesunkenen "Deepwater Horizon" war, erwägt die Entlastungsbohrung. Außerdem entwickelte der Konzern ein System, mit dem das aus der Bohrinsel ins Meer fließende Öl unter Wasser aufgefangen und von dort in einen Tanker geleitet werden solle. Am Wochenende kann das System vor Ort eingesetzt werden, erklärte BP-Chef Tony Hayward.
Durch die Ölpest sind mittlerweile auch die Strände Floridas gefährdet. Der Wind habe sich mehr in nordöstliche Richtung gedreht, teilten Meteorologen mit. Dazu wird ruhigeres Wetter für die Region erwartet. Bislang war das Öl aufgrund der stürmischen See über die Barrieren geschwappt, die den 200 Kilometer langen Ölteppich daran hindern sollen, auf die Küste zuzutreiben. Auch das geplante Abfackeln des Öl-Teppichs konnte wegen des hohen Wellengangs bisher noch nicht stattfinden.
Auch US-Präsident Barack Obama hatte den Ölkonzern ausdrücklich als Verantwortlichen für den Unfall auf der Bohrinsel genannt. "Wir haben es mit einer massiven und womöglich beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte Obama, der die Krisenregion am Wochenende besuchte. Das nach wie vor ausströmende Öl könne schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt der US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko haben. Die Ölpest könne die Existenz von tausenden US-Bürgern gefährden, die dort zuhause sind, sagte Obama.
jok/Reuters/AFP
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