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Ölschiefer in den USA: Geologen versprechen Öl-Boom

Bis zu 4,3 Milliarden Barrel Öl, das gefördert werden könnte: US-Geologen warten mit berauschenden Statistiken für die Bundesstaaten Montana und North Dakota auf. Die Vorhersagen sind so optimistisch, dass selbst die Ölindustrie eher zurückhaltend ist.

Washington - Solche Nachrichten hört man gern in der US-Hauptstadt: Weil die Ölpreise auf den internationalen Märkten von einem Rekordstand zum nächsten hasten und viele Lagerstätten schneller als gewünscht zur Neige gehen, sind Berichte über größere neue Ölvorkommen im eigenen Land mehr als gern gesehen. Grund zur Freude liefert nun ein Bericht des Geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten (USGS), der ein großes Ölschiefervorkommen in den US-Bundesstaaten Montana und North Dakota, die sogenannte Bakken-Formation, näher untersucht hat. Bis zu 4,3 Milliarden Barrel Öl, das dort gefördert werden könnte, versprechen die Geologen nun - das wäre das wohl größte Ölvorkommen auf dem US-Festland außerhalb Alaskas.

Dabei ging es nicht um die eher akademische Frage, wie viel Öl in dem 65.000 Quadratkilometer großen Bereich insgesamt liegt, der sich auch nach Kanada hinein erstreckt. Stattdessen bezifferten die Forscher diejenige Menge an Öl, die ihrer Meinung nach mit den derzeit verfügbaren technischen Mitteln in der Bakken-Formation gefördert werden könnte. "Das ist wirklich bedeutend", sagte John Kolak, der sich beim USGS mit Energieressourcen beschäftigt.

Der kostbare Treibstoff von Montana und North Dakota verbirgt sich in einer vergleichsweise dünnen Gesteinsschicht in gut drei Kilometern Tiefe. Von dort ist das Öl nur mit hohem Aufwand zu gewinnen, doch die konstant steigenden Ölpreise machen eine Förderung durchaus attraktiv. Die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer ist allerdings technische kompliziert - und bei Umweltschützern umstritten.

"Das sind eine Menge Nullen"

Die neuen USGS-Statistiken für das Bakken-Gebiet liegen weit über den bisherigen Schätzungen des Dienstes - und zwar ungefähr um den Faktor 25. Die letzte Studie aus dem Jahr 1995 hatte das mit den damaligen technischen Mitteln förderbare Vorkommen auf nur 151 Millionen Barrel geschätzt.

Seit einigen Jahren fördern bereits Ölfirmen im Bereich der Bakken-Formationen. Nach USGS-Angaben produzierten sie bis Ende des vergangenen Jahres rund 105 Millionen Barrel Öl. Zu den aktiven Unternehmen gehört auch die Firma Murex Petroleum Corp aus Houston, die mit etwa 20 Bohrlöchern fördert. Murex-Vizechef Donald Kessel zeigte sich aber eher skeptisch angesichts der neuen USGS-Zahlen: "Das sind eine Menge Nullen."

Auch der Geologe Mike Armstrong, der in Dickinson in North Dakota eine Prospektionsfirma für Öl und Gas betreibt, reagierte eher zurückhaltend: "Eine Studie ist nur eine Studie. Es gibt keine Garantien." Die Geologen, so Armstrong, würden es wohl übertreiben - "und zwar ziemlich stark".

Doch egal wie verlässlich die neue Milliardenschätzung auch sein mag: Die neuen Funde werden die internationalen Ölmärkte ohnehin kaum entlasten. Vier Milliarden Barrel entsprächen ungefähr der Weltproduktion von 51 Tagen, erklärte der Energieanalyst Pavel Molchanov von der Finanzberatung Raymond James. Im Vergleich mit anderen Lagerstätten seien die prognostizierten Fördermengen in Montana und North Dakota noch immer vergleichsweise klein. So vermuten Geologen in den Ölsänden der kanadischen Provinz Alberta bis zu 300 Milliarden förderungsfähigen Öls.

chs

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