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12. April 2012, 17:54 Uhr

Neues Leck

Shell meldet Ölteppich im Golf von Mexiko

Erneuter Öl-Alarm im Golf von Mexiko: Vor der Südostküste der USA hat sich ein 16 Kilometer langer Ölteppich ausgebreitet. Woher er kommt, ist noch unklar. In dem Gebiet liegen allerdings Bohrinseln des Shell-Konzerns - dessen Aktien prompt absackten.

New Orleans - Droht den USA die nächste Ölpest? Der Energiekonzern Shell hat die US-Regierung darüber informiert, dass sich im Golf von Mexiko ein Ölfilm ausbreitet. Er soll die stattliche Größe von 16 mal 1,6 Kilometern besitzen und sich etwa 210 Kilometer südöstlich der US-Metropole New Orleans befinden.

Woher das Öl komme, sei derzeit unklar. Zwar befinden sich Shell-Bohrinseln in dem Gebiet. Doch der Konzern erklärte, es gebe bisher keine Hinweise, dass das Öl aus einer seiner Anlagen stamme. Die US-Küstenwache hat angekündigt, die Lage vor Ort zu überprüfen. Bootsmann Steve Lehmann erklärte in New Orleans, ein Hubschrauber der Küstenwache sei am Donnerstag gestartet, um festzustellen, woher das Öl komme.

Auch Shell entsandte ein Schiff in das betroffene Gebiet, das zwischen den Fördergebieten "Mars" und "Ursa" liege. Die " Louisiana Responder" sei ein Spezialschiff, das Öl von der Wasseroberfläche abschöpfen und Barrieren legen könne. Seine Entsendung sei allerdings nur eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns: "Die Absicht von Shell ist es, schnell, sicher und proaktiv zu reagieren, in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden."

Aktien geben nach

An der Börse brach die Shell-Aktie dennoch um bis zu vier Prozent ein. Das Unternehmen betreibt sechs große Offshore-Anlagen, 13 Plattformen mit Besatzung und zahlreiche Unterwassersysteme im Golf von Mexiko. Die "Mars"-Plattform arbeitet über einer Wassertiefe von 883 Metern, von der "Ursa"-Plattform sind es 1220 Meter bis zum Meeresboden.

Der erneute Ölaustritt weckt Erinnerungen an die Explosion der BP-Plattform "Deepwater Horizon", die vor zwei Jahren nur etwa 80 Kilometer vom jetzt entdeckten Ölfilm stattfand. Eines der größten Probleme war damals, dass das Leck am Meeresboden in einer Wassertiefe von rund 1500 Metern lag. Es dauerte drei Monate, ehe es abgedichtet war. In dieser Zeit strömten rund 780 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko.

BP wurde dadurch zwischenzeitlich in die Verlustzone gedrückt. Auch der Kurs für die Aktien des französischen Total-Konzerns waren Anfang April gesunken, nachdem ein Gasleck auf der "Elgin"-Plattform in der Nordsee bekanntgeworden war.

mbe/dapd/dpa

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