Leck im unterirdischen Speicher Ölmassen verschmutzen Flüsse in Ostfriesland

Aus einem riesigen Speicher nahe Wilhelmshaven ist Öl ausgetreten. Fast 300 Spezialisten waren im Einsatz, um Sperren zu errichten und die Flüssigkeit abzupumpen. Flüsse wurden verschmutzt, das ganze Ausmaß des Unfalls ist noch unklar. Auslöser war offenbar eine nicht richtig verschlossene Armatur.

Kavernenanlage Etzel (undatierte Aufnahme): Öl unterirdisch in Salz gelagert
IVG

Kavernenanlage Etzel (undatierte Aufnahme): Öl unterirdisch in Salz gelagert


Etzel - Nach einem Ölunfall in einem unterirdischen Speicher in Ostfriesland haben offizielle Stellen noch keinen Überblick über das Ausmaß der Schäden. Am Sonntag war für mehrere Stunden Öl auf dem Geländes eines Kavernenspeicher in Etzel ausgelaufen und hatte auf einer Länge von mehreren Kilometern umliegende Gewässer verschmutzt.

Wie viel Öl ausgetreten sei, könne derzeit niemand sagen, erklärte am Montag ein Sprecher des niedersächsischen Landkreises Wittmund. Unklar sei auch, welche Mengen bisher aufgefangen worden seien. Die Betreibergesellschaft IVG Caverns hat dazu bislang keine näheren Angaben gemacht. Am Montagnachmittag finde eine Pressekonferenz statt, sagte ein Firmensprecher auf Anfrage.

Das Leck war am Sonntagmittag vom Betreiber IVG Caverns selbst entdeckt worden. Das Unternehmen habe daraufhin die umliegenden Feuerwehren der Gemeinde Friedeburg sowie den Gefahrgutzug des Landkreises Wittmund alarmiert, teilte das Unternehmen mit. Es stellte sich heraus, dass auf einer Strecke von 6,2 Kilometern Öl in die umliegenden Fließgewässer ausgetreten war. Bis zu 280 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren im Einsatz, um Ölsperren zu installieren und Öl abzupumpen.

Der Ölunfall sei durch eine nicht vollständig verschlossene Armatur über Tage ausgelöst worden, teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am Montag in Hannover mit. Der Schaden habe sich oberirdisch auf einem so genannten Sammelplatz ereignet, der über Tiefbohrungen mit mehreren unterirdischen Speicherkavernen verbunden sei. "Es handelte sich also nicht um eine Undichtigkeit an einer unterirdischen Speicherkaverne", teilte die Behörde mit.

Das Leck sei gestoppt worden und die Staatsanwaltschaft in Aurich habe Ermittlungen aufgenommen. Ob es sich um eine technische Panne oder menschliches Versagen handele, könne noch nicht gesagt werden. Wie viel Liter Öl durch die knapp zehn Millimeter große Öffnung an der Entlüftungsarmatur in umliegende Gewässer gelangen konnten, werde derzeit berechnet. Noch am Sonnabendnachmittag hätte es eine Kontrolle auf dem Gelände gegeben, bei der noch keine Auffälligkeiten festgestellt worden waren. "Das Rohöl kann daher über einen Zeitraum von maximal 20 Stunden ausgetreten sein", heißt es in der LBEG-Pressemitteilung.

Der Immobilienkonzern IVG lagert in Etzel über zehn Millionen Kubikmeter Rohöl. Das Öl befindet sich in 20 großen Salzkavernen. Es handelt sich nach Betreiberangaben um eines der größten Rohöllager Europas. Wollte man die gleiche Ölmenge in herkömmlichen Speichern lagern, bräuchte man hundert Tanks und ein Areal von acht Quadratkilometern. Der Untergrundspeicher wurde nach der Ölkrise in den siebziger Jahren angelegt, um Deutschland unabhängiger zu machen von kurzfristigen Engpässen.

Die Ölspeicherung in Salzkavernen ist nach IVG-Angaben kostengünstig, sicher und umweltfreundlich. Gegen den geplanten Ausbau der Speicher gibt es vor Ort Widerstand. Anwohner fürchten, dass die riesigen gefüllten Kavernen zu einer Bodenabsenkung und Schäden an Gebäuden führen könnten. Betreiber IVG Caverns nutzt die Hohlräume im Salz inzwischen auch für Erdgas.

hda/dpa

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Seite 1
grohan 18.11.2013
1.
"Die Ölspeicherung in Salzkavernen ist nach IVG-Angaben kostengünstig, sicher und umweltfreundlich" Ja echt guter Witz ...
galaxy2525 18.11.2013
2. Und wer haftet ? Und wer zahlt dann dies alles ?
Ja, der Steuerzahler wird wahrscheinlich am Ende mal wieder die Zeche zahlen müssen. Normalerweise müsste diese Firma nun komplett enteignet werden, die Manager und die Verantwortlichen für mindestens 50 Jahre hinter Gittern. Und diejenigen, die dies genehmigt haben sollten auch für mindestens 50 Jahre hinter Gittern. Als ersten Schritt sollten alle Feuerwehren und THW die am Einsatz beteiligt waren komplett ihre Ausrüstung inklusive aller Fahrzeuge erweitern und modernisieren und auf den neuesten Stand bringen und dies müsste alles vom Betreiber bezahlt werden.
Raschelsack 18.11.2013
3. Es
Zitat von sysopGoogle EarthAus einem riesigen Ölspeicher nahe Wilhelmshaven ist am Sonntag Öl ausgetreten. Fast 300 Spezialisten waren im Einsatz, um Sperren zu errichten und das Öl abzupumpen. Flüsse wurden verschmutzt, die Folgen sind unklar. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/oelunfall-in-ostfriesland-verschmutzt-fluesse-und-boden-a-934191.html
fing mit ICI-Atlantik in den 70ern an. Seitdem ist die Zerstörung einer der schönsten Gegenden Deutschlands beispielhaft und radikal verlaufen. Hut ab.
Raschelsack 18.11.2013
4. Zur Angst vor dem Flächenverbrauch für
für sichere Tanks kann man nur sagen: Ab in die Cloud mit dem ÖL, am Besten das Ganze mit einem Gutschein von Amazon sichern und fertig. Alternativ: In Ülzen mal nach Zuckertanks fragen. Die sind bestuimmt noch dichter als Salzkavernen...
paula-eva 18.11.2013
5. Sicher?!
Sicher billig. Wir können nur hoffen, dass wir vor solchen Szenarien verschont bleiben: http://boileddownjuice.com/mayflower-oil-spill-social-media-resources-and-ways-to-get-involved/ Der Freihandel mit den USA wird aber unsere Umweltschutzauflagen - und sie reichen offensichtlich nicht mal - verwässern bzw. hier verölen.
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