Offshore-Energie: Windpark-Boom bedroht Schweinswale

Von Hannes Koch

Deutschland feiert sich als grüne Republik, doch der Aufschwung bei erneuerbaren Energien fordert Opfer: Beim Bau von Offshore-Windparks ignorieren Firmen Grenzwerte für Lärm. Darunter leiden die ohnehin gefährdeten Schweinswale. Forscher fahnden nach einem wirksamen Krachschutz.

Windparks in Nord- und Ostsee: Baulärm am Meeresgrund Fotos
DPA

Es ist ein kurioser Kampf: Beim Ausbau der grünen Energieversorgung steht Ökologie gegen Ökologie. Es geht um den sauberen Strom, den die Bundesregierung mit etlichen Windkrafträdern auf der Nord- und Ostsee erzeugen lassen will. Doch im Meer leben auch Schweinswale, Robben und verschiedene Fischarten, die durch den Ausbau der Offshore-Windparks gefährdet sind.

Die geräuschempfindlichen Schweinswale, die einzige heimische Walart in deutschen Gewässern, können den Krach der Bauarbeiten nicht vertragen. Deshalb gibt es einen Grenzwert für Unterwasserlärm, den das Umweltbundesamt festgelegt hat. Aber den halten die Ingenieure zur Zeit nicht ein.

Am drängendsten ist das Problem beim Windpark "Bard Offshore 1", der 90 Kilometer nordwestlich der Nordseeinsel Borkum entsteht. 15 riesige Windräder auf jeweils drei Beinen stehen dort bereits im Meer. Projektmanagerin und Biologin Susanne Schorcht räumt ein: "Bei den Bauarbeiten haben wir Lärmwerte von 178 Dezibel (dB) SEL im Abstand von 750 Metern gemessen." Der Grenzwert des Umweltbundesamtes aber erlaubt nur 160 dB SEL, wobei SEL für "Schallexpositionspegel" steht. Dieser ermöglicht eine Aussage über die Wucht eines Schallereignisses, die das Tier erreicht. "Wir wollen das Problem lösen, die Brisanz ist uns klar," sagt Schorcht.

Rund 1800 Windturbinen sollen bis 2020 in den deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee gebaut werden. "Bard Offshore 1" ist einer der ersten Parks. Die Firma aus Emden ist Vorreiter - auch bei den Schwierigkeiten. Eigentlich sollen die insgesamt 80 Anlagen bis zum Sommer 2011 fertig sein, jede Verzögerung kostet viel Geld.

Ratlosigkeit herrscht

Nicht nur die Betreiberfirma steckt in einem Konflikt, sondern auch die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg (BSH). Einerseits ist da der Grenzwert für die Wale, den weder die Firma, noch das Amt ignorieren können. Andererseits sagt BSH-Jurist Christian Dahlke: "Einen Stand der Technik für effektive Maßnahmen zur Lärmminderung bei Offshore-Rammungen gibt es noch nicht."

Bisher ist die Forschung nicht so weit. Niemand weiß, wie man den Grenzwert einhalten soll, wenn die meterdicken Pfeiler für die Windräder von Schiffen aus mit irrwitziger Kraft in den Meeresboden gehämmert werden.

Was tun? Immer mal wieder versuchen die Offshore-Firmen, den Lärmwert für Wale in Zweifel zu ziehen. Dagegen wehrt sich Meeresbiologin Stefanie Werner, die im Umweltbundesamt (UBA) daran mitgewirkt hat, die Krachgrenze zu etablieren. "Das UBA hat den Grenzwert bei 160 Dezibel festgelegt, weil Schweinswale ab 164 Dezibel eine kurzfristige Schwerhörigkeit erleiden können", erklärt Werner. "Das haben wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Kiel ergeben. Noch höhere Lärmbelastungen bedrohen die Überlebensfähigkeit der Tiere, weil sie sich dann möglicherweise nicht mehr verständigen und orientieren können."

Die Rücknahme des Grenzwertes scheidet für die Bundesämter aus. Sie bieten Bard aber einen Kompromiss an. Während des Baus der nächsten zehn Windräder soll das Unternehmen ein Verfahren gegen den Unterwasserlärm erforschen. "Ab der 25. Anlage muss Bard ein verbessertes Schallschutzkonzept inklusive der versuchsweisen Anwendung einer Lärmminderungstechnik nachweisen," sagt BSH-Jurist Dahlke. Ein Baustopp kommt für ihn nicht in Frage. Juristisch lässt sich dieser Kompromiss rechtfertigen, weil der heutige Grenzwert vor einigen Jahren, als Bard erstmals genehmigt wurde, noch den Charakter eines Richtwertes mit geringerer Verbindlichkeit hatte.

Blitzschnelle Forschung nötig

Jetzt heißt es "Forschen", und zwar schnell. Denn künftig müssen die Betreiber den Lärmschutz einhalten. Bisher sind folgende Verfahren bekannt:

  • Kleiner Blasenschleier: Auf den etwa 40 Metern zwischen Meeresboden und Wasseroberfläche werden um die Pfeiler herum in kurzen Abständen Druckluftschläuche angebracht, durch deren Löcher Luftblasen aufsteigen. Es entsteht ein blubbernder Vorhang aus Blasen, der die Schallwellen der Hammerschläge etwas dämpft. Dieses ist das bisher aussichtsreichste Verfahren. Beim Test-Windpark "Alpha Ventus" wurde damit eine Schall-Reduktion erreicht. Trotzdem sagt Bard-Biologin Schorcht: "Ob wir mit dem kleinen Blasenschleier den Grenzwert einhalten, weiß man heute noch nicht."
  • Großer Blasenschleier: Um die Rammstelle herum liegt auf dem Meeresboden ein einziger dicker Druckluftschlauch, der Luftblasen aufsteigen lässt. In Versuchen ist dabei das Problem aufgetreten, dass die Blasen auf ihrem vergleichsweise langen Weg zur Wasseroberfläche durch die Strömung weggespült werden. Das reduziert die Schalldämpfung.
  • Hydro Sound Damper (Wasserschalldämpfer): Darunter versteht man Netze mit Bällen aus Plastik oder anderen Materialien, die um den Pfeiler herum angebracht werden. Dieses Konzept existiert bisher aber nur in der Theorie, praktische Erfahrungen fehlen.

Weil keine der Methoden bisher marktreif ist, behilft sich Bard einstweilen damit, die Schweinswale von der Rammstelle zu verscheuchen. Auch dafür setzt man Unterwasserlärm ein. Zuerst werden rhythmische Signale ins Wasser gesendet, dann folgt Krach, der fast so laut ist wie der Grenzwert. Nach Angaben der Bard-Leute ist diese Taktik wirksam: Die Tiere schwimmen weg, bevor das Rammen beginnt, kommen aber auch zurück, wenn wieder Ruhe einkehrt.

Nicht anfreunden mit derartigen Kompromissen will sich Karsten Brensing. Der Meeresbiologe der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS sagt: "Man sollte nur weiterbauen, wenn die Betreiber einen wirklichen Beitrag zur Schallminderung leisten." Brensing betont, dass selbst der Grenzwert des UBA keinen ausreichenden Schutz gewährleiste, weil er nur "für einen einzigen Rammschlag berechnet" sei. Beim Bau eines Windrades seien aber mindestens hunderte oder gar tausende Rammschläge notwendig, wodurch die schädliche Schallwirkung zunehme.

Brensing fordert die Offshore-Firmen auf, alternative Bauverfahren zu erwägen. Beispielsweise könne man die Windräder auf schwimmenden Konstruktionen errichten, wie sie die Ölindustrie benutze. Überlegenswert seien auch Bohrtechniken, die das Rammen mit Hammerschlägen überflüssig mache. Firmen wie etwa das Unternehmen Herrenknecht, das an der Bohrung des Gotthardtunnels beteiligt war, spezialisieren sich mitunter auch auf Bohrungen in der Vertikale.

"Es ist im Sinne der Windkraft den Schall zu reduzieren", so Brensing, "welcher grüne Stromkunde würde wohl akzeptieren, dass massenhaft toter Schweinswale an den Strand von Sylt gespült werden?"

Für Susanne Schorcht vom Unternehmen Bard allerdings kommt ein grundsätzlicher Richtungswechsel nicht in Frage: "Wenn wir jetzt auf schwimmende Fundamente oder andere Verfahren wechseln würden, könnten wir vorerst nicht weiterbauen. Weil es sich bei unserem Vorhaben um ein Pilotprojekt handelt, bitten wir die Politik um Nachsicht und Unterstützung."

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1. es ist
sitiwati 23.01.2011
doch egal, die paar Fischchen, Hauptsache: der Mensch mache sich die Welt zu nutze !
2. Die Lösung?
imagine, 23.01.2011
Das Militär beendet seine Wale mordenden Experimente, und Windpark-Konstrukteure bemühen sich um schonendstes Installieren der benötigten Infrastruktur.
3. Alternative Energie ist halt teuer...
jj2005 23.01.2011
"Die Tiere schwimmen weg, bevor das Rammen beginnt, kommen aber auch zurück, wenn wieder Ruhe einkehrt." Da wuerde man sich doch wuenschen, dass man fuer die kleinen Problemchen der Kernkraft aehnlich elegante Loesungen finden, wie z.B. "die Menschen bleiben weg, bis die Strahlung abgeklungen ist, kommen aber auch zurück, wenn .." oder so aehnlich ;-)
4. Wo gehobelt wird...
weltoffener_realist 23.01.2011
Zitat von sysopDeutschland feiert sich als grüne Republik, doch der Aufschwung bei erneuerbaren Energien fordert Opfer: Beim Bau von Offshore-Windparks ignorieren Firmen Grenzwerte für Lärm. Darunter leiden die ohnehin gefährdeten Schweinswale. Forscher fahnden nach einem wirksamen Krachschutz. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,740606,00.html
Es ist doch keineswegs überraschend, dass die enormen Umwelteingriffe imn Rahmen der aktuellen Energierevolution auch ganz klar benennbare Nachteile bringen. Bisher wird gern der Eindruck erweckt, es gebe ausschließlich Vorteile - doch warten wir mal ab, wenn in den Küstengewässern und in ganz Deutschland Windenergieanlagen stehen, soweit das Auge reicht. Dazu noch Maisfeld-Monokulturen und eine spiegelnde Landschaft mitteleuropäischer Solaranlagen. Man kann das alles wollen, nur muss man die damit verbundenen Nachteile auch in Kauf nehmen. Mein Söhnchen wird jedenfalls weit fahren müssen, um eine Landschaft ohne Windenergieanlagen sehen zu können - für mich bis vor einigen Jahren ein selbstverständlicher Anblick.
5. S21 wiederholt sich (Satire)
kohlibri 23.01.2011
Wann lernen unsere Politiker das sie keine Politik gegen den Willen des Volkes machen dürfen. Deshalb fodere ich: 1. Sofortiger Baustopp für alle Offshore Windparks 2. keine weiteren Subventionen für Windenergie um arme kleine Schweinswale zu töten. Es kann nicht sein, das Ökowirtschaft auf dem Rücken von Walen ausgetragen wird. 3. 100% Rückhalt durch Umweltverbände, Tierrechtsorganisatioen und der der Partei die Grünen, um einen sofortigen Baustopp dieser Offshoreparks durchzusetzen. 4. die unverzügliche Einsetzung des Schlichters Jupp Fischer, mit der Zielsetzung für eine Volksbefragung, zwecks der Verlegung des Windparks 'unter Wasser'! Schließlich wurde niemand von uns gefragt ob wir Offshoreparks wollen, auch wenn die Planung erst seit einigen Jahren läuft (uups, wie schnell ging das denn!). Eine Verweigerung der oben genannten Foderungen, könnte zu massiven Strassenprotesten von Klein- und Schulkinder führen, weshalb cih darauf dringe auf den Einsatz von etwas anderem als Gartenschläuchen abzusehen. Ich weiss das eine schweigende Mehrheit meinen Foderungen zustimmt (woher ich das weiß, det liegt mir im Urin). DESHALB KEINE POLITIK MEHR GEEGN DIE SCHWEIGENDE MEHRHEIT DER BEVÖLKERUNG! P.S.:Soviel Unsinn wollte ich schon immer mal loswerden. ^^
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Was ist Sonar?
Die Technologie
Sonar ist eine Messtechnik, die auf der Aussendung und Ortung von Schallwellen basiert. Dazu geben die Sonargeräte Schallwellen ab - sogenannte Pings - und fangen ihr Echo wieder auf. Aus der Zeit, die zwischen Aussendung und Empfang der Schallwellen vergeht, lässt sich die Entfernung zu einem Objekt errechnen.
Der Einsatz
Sonar wird vor allem vom Militär verwendet, beispielsweise um Gebiete zu vermessen oder um feindliche U-Boote aufzuspüren. Auch bei der Ölsuche im Meer kommt die Technologie zum Einsatz. Das Problem: Beinahe zeitgleich zu Sonarexperimenten kommt es immer wieder zu Massenstrandungen von Meerestieren.
Die Probleme
Meeressäuger nutzen die Schallwellen zur Orientierung und Beutesuche - sowie zur Kommunikation miteinander. In den letzten Jahren strandeten weltweit immer wieder anscheinend orientierungslose Gruppen von Delfinen oder Walen an den Küsten. Viele Wissenschaftler und Umweltschützer glauben, dass der zunehmende Unterwasserlärm bei den Tieren Gehörschäden verursacht.
Fotostrecke
Grafiken: Windenergie in Deutschland

Windenergie
Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt ans Netz. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Weltweit ist Deutschland gleichauf mit China und hinter den USA die Nummer Zwei bei der Nutzung der Windenergie; dahinter folgen Spanien und Indien. Trotz Finanzkrise war 2009 ein hervorragendes Jahr für die globale Windbranche, denn die installierte Gesamtleistung stieg um fast ein Drittel auf 158 Gigawatt. Den größten Zubau verzeichneten China (plus 13 Gigawatt) und die USA (plus 10 Gigawatt).

Detaillierte Angaben zur weltweiten Nutzung von Windenergie (pdf)
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.