Nach 18 Jahren Löwin Bridget wuchs plötzlich eine Mähne

18 Jahre lang hatte Löwin Bridget einen schlanken Hals. Dann wuchs ihr plötzlich eine Mähne. Sie ist nicht der erste derartige Fall.

Amanda Sorenson

Wahrscheinlich liegt es an einem Überschuss Testosteron. Der Löwin Bridget aus dem Oklahoma City Zoo ist plötzlich eine Mähne gewachsen. Es handele sich zwar eher um einen Weihnachtsmannbart als um den Kopfschmuck eines Savannenkönigs, schreibt die Washington Post. Im Zoo hätten die Mitarbeiter aber nicht schlecht gestaunt, als das Fell am Hals der Löwin immer länger wurde.

Dass ein Testosteronüberschuss für die Mähne verantwortlich sein könnte, vermuten Experten, weil das männliche Geschlechtshormon auch bei männlichen Löwen für die Mähne verantwortlich ist. Allerdings wächst sie bei ihnen deutlich früher.

Löwin Bridget ist bereits 18 Jahre alt. Sie wurde 1999 im Oklahoma City Zoo geboren und zeigte bislang keine Auffälligkeiten. Bis auf die Mähne, hat sie sich auch in den vergangenen Monaten nicht verändert. Sie frisst normal, weder sie noch ihre Gehege-Genossen scheinen sich an dem neuen Aussehen zu stören.

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Ungewöhnlicher Anblick: Löwinnenmähne

Wilde Löwen mit Mähnen

In einer Studie von 2016 wurden auch in der Wildnis Löwinnen mit Mähne dokumentiert. Mehrere Exemplare leben beispielsweise im Okavango Delta in Botswana. Ihr Mähnenwachstum wird ebenfalls auf einen Testosteronüberschuss zurückgeführt. Das Verhalten der Wildkatzen ähnelt ihren männlichen Artgenossen und die Tiere sind unfruchtbar.

Woher der Testosteronüberschuss bei ihnen kommt, ist nicht abschließend geklärt. Experten spekulieren, dass die Väter womöglich Veränderungen im Sperma tragen, die die Entwicklung des Embryos beeinflussen. Möglich wäre aber auch, dass die Mütter während der Trächtigkeit zu hohe Testosteronwerte aufwiesen.

In Bezug auf Bridget gehen die Spekulationen in eine andere Richtung. Im Gegensatz zu den wilden Löwen, hat sie Nachwuchs zur Welt gebracht. Dass ihre Mähne im fortgeschrittenen Alter so plötzlich wuchs, nährt den Verdacht auf eine Krankheit. Auch deshalb untersucht der Zoo die Löwin nun genauer.

Im ungünstigsten Fall sorgt ein bösartiger Tumor für den Hormonschub - etwa an den Eierstöcken, der Nebenniere oder der Hirnanhangsdrüse. All diese Gewebe sind an der Hormonproduktion im Körper beteiligt. Genauso gut könnten gutartige Verwachsungen der Grund sein. Je nach Diagnose wäre als Therapie denkbar, den erhöhten Testosteronwert mit Medikamenten zu senken. Als letzte Option käme eine Operation infrage.

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Einen ähnlichen Fall wie den von Bridget gab es 2011 im National Zoo of South Africa. Dort wuchs der 13-jährigen Löwin Emma plötzlich eine Mähne. Ihr wurden die Eierstöcke entfernt. Eine Biopsie von Haut- und Eierstockzellen verriet, dass sie einen weiblichen Chromosomensatz trug. In ihren Eierstöcken fanden Forscher aber nur Zellen, wie sie normalerweise in Hoden vorkommen. Aus diesem Grund produzierte sie ungewöhnlich viel Testosteron.

Zuvor hatte Emma - wie Bridget auch - Junge zur Welt gebracht. Ihre Eierstöcke müssen sich also im Laufe der Zeit verändert haben. Nach der Eierstockentnahme entwickelte sich ihre Mähne zurück.

Eingriff nur, wenn er die Lebensqualität verbessert

Bei Bridget muss nun zunächst geklärt werden, was tatsächlich die Ursache für den Halsschmuck ist. Hierzu brauchen die Zootierärzte eine Blutprobe der Löwin, was nicht so einfach ist. Üblicherweise werden die Raubtiere dazu in Vollnarkose gelegt. Das ist allerdings belastend für den Organismus, zumal Bridget nicht mehr die Jüngste ist.

Um eine Vollnarkose zu vermeiden, konditionieren Pfleger die Löwin seit einigen Monaten fürs Blutabnehmen. Dazu belohnen sie erwünschtes Verhalten wie ruhiges Stehen am Stallgitter mit Futter. Ähnlich wie bei der Erziehung eines Hundes. So können sie der Löwin inzwischen kleine Mengen Blut am Schwanz abzunehmen.

Für einen Standard-Bluttest hat das bereits gereicht. Er zeigte keine Auffälligkeiten. Nun will der Zoo versuchen, eine zweite Blutprobe für einen Hormontest zu sammeln. Behandelt werden soll die Löwin aber nur, falls das einen Nutzen für sie hat. Sollte sich die Ursache für das Mähnenwachstum als gesundheitlich unbedenklich erweisen, wird Bridget ihre Mähne behalten.

jme



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