Dramatischer Rückgang binnen 15 Jahren 150.000 Orang-Utans weniger auf Borneo

Auf der Insel Borneo nimmt das Sterben von Orang-Utans immer dramatischere Ausmaße an. Schuld sind die immer größeren Palmöl-Plantagen.

Orang Utan in einem Nationalpark im indonesischen Teil Borneos (im September 2013)
DPA

Orang Utan in einem Nationalpark im indonesischen Teil Borneos (im September 2013)


Früher war gewiss nicht alles besser. Für Orang Utans aber schon. Sie waren in Südostasien viel weit verbreitet als heute, wo sie nur noch auf Borneo und der Nachbarinsel Sumatra überhaupt vorkommen. Und auch dort geht es ihnen schlecht. Nach einer aktuellen Auswertung ging die Zahl der Menschenaffen auf Borneo in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten um annähernd 150.000 zurück. Geschätzt wird, dass es heute nur noch zwischen 50.000 und 100.000 der Tiere gibt.

"Orang" bedeutet "Mensch", "Utan" heißt "Wald". Waldmenschen also. Die Orang-Utans brauchen die Kronen der Regenwälder, um zu überleben. Dort oben bauen sie ihre Nester, suchen ihre Nahrung. Herunter kommen sie selten. Auf Sumatra war kürzlich eine dritte, bisher unbekannte Art der Tiere entdeckt worden.

Für die Langzeit-Studie, die in der Fachzeitschrift "Current Biology" vorgestellt wird, arbeiteten 38 internationale Institutionen zusammen, darunter das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Demnach verringerte sich der Orang-Utan-Bestand auf Borneo zwischen 1999 und 2015 um insgesamt 148.500 Tiere. Befürchtet wird, dass bis ins Jahr 2050 nochmals mehr als 50.000 der Affen verschwinden.

Die große Mehrheit der Menschenaffen starb nach Angaben der Leipziger Biologin Maria Voigt eines "unnatürlichen Todes" - entweder durch Wilderer oder dadurch, dass sie ihren Lebensraum verloren. Erst vor wenigen Tagen war ein Fall bekannt geworden, bei dem Unbekannte einen Orang Utan auf Borneo mit 130 Schüssen getötet hatten.

Am schlimmsten, so die Forscher, war der Rückgang in Gebieten, die abgeholzt oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt wurden. Auf Borneo und der Nachbarinsel Sumatra gibt es immer weniger Bäume für die Menschenaffen. Im letzten Jahrzehnt wurden mehr als sieben Millionen Hektar Regenwald abgeholzt und abgebrannt - eine Fläche so groß wie Bayern.

Anstelle des Dschungels wachsen jetzt Palmöl-Plantagen: furchtbar eintönige Felder, wo in streng geometrischer Ordnung Palmen der Superlative herangezüchtet werden, bis zu 30 Meter hoch, mit riesigen Blättern und tausenden Früchten.

Von den zwei Inseln kommt ein Großteil des Palmöls, das die Welt verbraucht. Das hochwertige Fett wird vielseitig eingesetzt. Es steckt in Tiefkühlpizzen, Lippenstiften, Biodiesel, Schokolade, Speiseeis. Konsumenten tragen also mit ihren Kaufentscheidungen im Supermarkt eine direkte Verantwortung.

Indonesien und Malaysia sind die beiden wichtigsten Produzenten von Palmöl. Von jährlich weltweit mehr als 60 Millionen Tonnen kommen 85 Prozent von dort. Die Regierungen loben die Konzerne, weil sie Steuern und Arbeitsplätze bringen. Für Tier- und Umweltschützer sind sie ein Hassobjekt.

Die Gesetze zum Schutz der Wälder sind immer noch recht lax. Ein Moratorium, das die Vergabe von neuen Konzessionen einschränken sollte, hat nicht viel gebracht. Jamartin Sihite, Chef der Tierschutzorganisation Borneo Orangutan Survival (BOS), sagt: "Hier kommst du ins Gefängnis, wenn du einen Orang-Utan umbringst. Aber wenn du einen ganzen Wald abholzt und der Orang-Utan daran krepiert, passiert dir überhaupt nichts."

chs/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.