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15. Mai 2012, 15:00 Uhr

Sumatra

Orang-Utans sterben nach Brandrodung

Den Tätern drohen hohe Strafen: Wer in Indonesien Wälder abfackelt, muss viel Geld zahlen und mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen. Dennoch sollen zwei Palmöl-Firmen auf Sumatra große Flächen Torfmoor abgebrannt haben. Mehr als hundert Orang-Utans könnten verendet sein.

Jakarta - Dutzende Orang-Utans sollen im Norden Sumatras nach einer Brandrodung gestorben sein - nun haben Indonesiens Behörden Ermittlungen gegen zwei Palmöl-Firmen eingeleitet. Diesen werde vorgeworfen, große Flächen eines Torfmoorwaldes abgebrannt zu haben, um Platz für ihre Plantagen zu schaffen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Dienstag.

Nach Angaben örtlicher Umweltschützer sind im Tripa-Wald etwa hundert Orang-Utans verendet, nur noch 200 seien am Leben. Bis Ende des Jahres könnten alle Menschenaffen in dem Gebiet vernichtet worden sein. Insgesamt wird die Zahl der Orang-Utans auf Sumatra auf 6600 geschätzt. Die Umweltschützer schlagen schon seit Monaten Alarm. Nur noch 14.000 der einst 60.000 Hektar Wald in der Region seien intakt.

Brandrodung ist in Indonesien verboten und kann mit zehn Jahren Gefängnis und mit umgerechnet fast 800.000 Euro bestraft werden. Dennoch ist das Abbrennen der Wälder weit verbreitet, um schnell große Flächen zu räumen. Dabei entsteht in Torfmoorwäldern wie in Tripa besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2), weil nicht nur die Bäume, sondern auch die Böden metertief ausbrennen.

Die beschuldigten Unternehmen sollen 1600 Hektar (16 Quadratkilometer) abgefackelt haben. Die Firmen weisen die Vorwürfe zurück und machen örtliche Landwirte verantwortlich.

Erst Anfang April scheiterte eine Klage von Naturschützern. Diese hatten versucht, gerichtlich eine Genehmigung zu stoppen, wonach der Palmölhersteller PT Kallista Alam eine 1600 Hektar große Fläche des Tripa-Waldes roden und eine Plantage anlegen darf. Das Gericht erklärte sich für nicht zuständig. Die Parteien hätten sich zuerst um eine außergerichtliche Einigung bemühen müssen, hieß es zur Urteilsbegründung.

"Wenn das Gericht früher erklärt hätte, dass es nicht zuständig ist, hätte man den Fall gleich an eine höhere Instanz reichen können", kritisiert der Biologe Ian Singleton, der das Sumatran Orangutan Conservation Programme (SOCP) leitet und seit Jahren für den Erhalt des Walds kämpft. "Man könnte das Verhalten der Richter als lächerlich bezeichnen, wenn es nicht so fatal für mindestens 200 vom Aussterben bedrohte Orang-Utans wäre."

nik/dpa

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