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Sumatra: Orang-Utans sterben nach Brandrodung

Den Tätern drohen hohe Strafen: Wer in Indonesien Wälder abfackelt, muss viel Geld zahlen und mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen. Dennoch sollen zwei Palmöl-Firmen auf Sumatra große Flächen Torfmoor abgebrannt haben. Mehr als hundert Orang-Utans könnten verendet sein.

Orang-Utan im Gunung Leuser National Park (Sumatra): Umweltschützer schlagen Alarm Zur Großansicht
REUTERS

Orang-Utan im Gunung Leuser National Park (Sumatra): Umweltschützer schlagen Alarm

Jakarta - Dutzende Orang-Utans sollen im Norden Sumatras nach einer Brandrodung gestorben sein - nun haben Indonesiens Behörden Ermittlungen gegen zwei Palmöl-Firmen eingeleitet. Diesen werde vorgeworfen, große Flächen eines Torfmoorwaldes abgebrannt zu haben, um Platz für ihre Plantagen zu schaffen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Dienstag.

Nach Angaben örtlicher Umweltschützer sind im Tripa-Wald etwa hundert Orang-Utans verendet, nur noch 200 seien am Leben. Bis Ende des Jahres könnten alle Menschenaffen in dem Gebiet vernichtet worden sein. Insgesamt wird die Zahl der Orang-Utans auf Sumatra auf 6600 geschätzt. Die Umweltschützer schlagen schon seit Monaten Alarm. Nur noch 14.000 der einst 60.000 Hektar Wald in der Region seien intakt.

Brandrodung ist in Indonesien verboten und kann mit zehn Jahren Gefängnis und mit umgerechnet fast 800.000 Euro bestraft werden. Dennoch ist das Abbrennen der Wälder weit verbreitet, um schnell große Flächen zu räumen. Dabei entsteht in Torfmoorwäldern wie in Tripa besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2), weil nicht nur die Bäume, sondern auch die Böden metertief ausbrennen.

Die beschuldigten Unternehmen sollen 1600 Hektar (16 Quadratkilometer) abgefackelt haben. Die Firmen weisen die Vorwürfe zurück und machen örtliche Landwirte verantwortlich.

Erst Anfang April scheiterte eine Klage von Naturschützern. Diese hatten versucht, gerichtlich eine Genehmigung zu stoppen, wonach der Palmölhersteller PT Kallista Alam eine 1600 Hektar große Fläche des Tripa-Waldes roden und eine Plantage anlegen darf. Das Gericht erklärte sich für nicht zuständig. Die Parteien hätten sich zuerst um eine außergerichtliche Einigung bemühen müssen, hieß es zur Urteilsbegründung.

"Wenn das Gericht früher erklärt hätte, dass es nicht zuständig ist, hätte man den Fall gleich an eine höhere Instanz reichen können", kritisiert der Biologe Ian Singleton, der das Sumatran Orangutan Conservation Programme (SOCP) leitet und seit Jahren für den Erhalt des Walds kämpft. "Man könnte das Verhalten der Richter als lächerlich bezeichnen, wenn es nicht so fatal für mindestens 200 vom Aussterben bedrohte Orang-Utans wäre."

nik/dpa

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1. Thema
freigeist1964 15.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDen Tätern drohen hohe Strafen: Wer in Indonesien Wälder abfackelt, muss viel Geld zahlen und mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen. Dennoch sollen zwei Palmöl-Firmen auf Sumatra große Flächen Torfmoor abgebrannt haben. Mehr als hundert Orang Utans könnten verendet sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,833320,00.html
Da wünscht man sich wirklich eine Seuche bei der das Tier Homo sapiens von der Erde verschwinden wird! Aber es dauert sowieso nicht mehr lange, dann hat der Mensch alles zerstört, dann ist alles versaut, die Meere sind leer und das land verseucht. Und dann wars das dann mit der sogenannten Überlegenheit des Menschheit! Ein paar Insekten und Ratten werden dies Katastrophe schon überleben! Man muss also nicht traurig sein!
2. @freigeist
kornfehlt 15.05.2012
Genau, die Untergangsszenarien sind schon faszinieren, was!
3. Wo kein Kläger, da kein Richter!
ritotschka 15.05.2012
Ob in Indonesien, dem Amazonasgebiet, immer und überall die gleichen Methoden. Wenn das Geld stimmt, drückt Justizia schon mal ein Auge zu. Umwelt und Umweltschutz, für die großen Konzerne weltweit doch nur Lippenbekenntnisse. Das Erschreckende ist nur, dass man mit dem Palmöl Sprit, auch für europäische Autos gewinnen will.
4. ...
Tsardian 15.05.2012
Zitat von freigeist1964Da wünscht man sich wirklich eine Seuche bei der das Tier Homo sapiens von der Erde verschwinden wird! Aber es dauert sowieso nicht mehr lange, dann hat der Mensch alles zerstört, dann ist alles versaut, die Meere sind leer und das land verseucht. Und dann wars das dann mit der sogenannten Überlegenheit des Menschheit! Ein paar Insekten und Ratten werden dies Katastrophe schon überleben! Man muss also nicht traurig sein!
Also ich glaube um sie wäre wirklich niemand traurig.
5. Palmölprodukte konsequent meiden
Gabor 15.05.2012
Der einzige Weg Brandrodungen ein Ende zu bereiten ist der konsequente Verzicht auf Produkte die auf Palmöl basieren, nicht zuletzt Margarine. Da Butter ohnedies ungleich besser schmeckt als das Chemiezeug, eine leichte Entscheidung. Worauf dieser artikel nicht eingeht, ist die Tatsache, dass bei den Brandrodungen die einheimische Bevölkerung ermordet oder zumindest vertrieben wird. Und niemand muss in Indonesien auch nur die geringste Strafe erwarten, mit Korruption ist dort alles zu richten. Ein Klacks für die multinationalen Lebensmittelkonzerne.
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Orang-Utan-Projekt: Going wild auf Sumatra
Orang-Utans
Aussehen und Lebensweise
Orang-Utans werden bis zu 1,50 Meter groß, wobei ihre Arme 2,60 Meter Spannweite erreichen können. Kennzeichnend ist das bis zu 50 Zentimeter lange, rötliche Fell. Männchen bringen bis zu hundert Kilogramm auf die Waage, Weibchen bis zu 40 Kilo. Am Boden sind die Menschenaffen eher unbeholfen. Hangeln sie sich von Ast zu Ast, können sie bis zu 20 Meter weit durch die Luft fliegen. Sie fressen Früchte und Blätter sowie kleine Tiere. In Freiheit werden die Tiere bis zu 30 Jahre alt.
Zwei Arten
Die Orang-Utans bilden eine eigene Gattung (Pongo) mit zwei Arten: Borneo- und Sumatra-Orang-Utans. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gibt es noch 55.000 Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) und etwa 6000 Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii). Die beiden unterscheiden sich genetisch stärker voneinander als Mensch und Schimpanse. Äußerlich allerdings sind die Unterschiede weniger augenfällig: Generell ist bei den Orang-Utans aus Borneo das Gesicht etwas runder. Bei denen aus Sumatra ist das Fell länger, dichter und orangefarbener. Auch im Sozialverhalten unterscheiden sich die beiden Arten: So schließen sich weibliche Sumatra-Orang-Utans zu Zeiten, in denen es reichlich Früchte gibt, schon mal zu kleinen Gruppen zusammen, während die Verwandten auf Borneo fast immer ein Einzelgängerdasein vorziehen.
Lebensraum
Der Lebensraum der Orang-Utans schrumpft täglich - auf Borneo sowie auf Sumatra. "Das Schicksal der Orang-Utans hängt von nachhaltigen Wäldern ab, der Wald muss geschützt werden" - das sagte Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono 2007. Trotzdem: Während der Waldschwund sich in aller Welt verlangsamt, sind in Indonesien laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO in den vergangenen fünf Jahren jährlich 665.000 Hektar abgeholzt worden - doppelt so viel wie in den fünf Jahren davor.

Quelle: Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Bedrohung
Die Hauptbedrohung ist die Waldrodung, vor allem für Palmölplantagen. Solche Monokulturen bieten den Affen keinen Lebensraum, sie finden nicht das nötige Futter. Außerdem werden immer wieder erwachsene Orang-Utans erschossen - die Babys landen auf dem Haustiermarkt. Trotz eines stolzen Schwarzmarktpreises von rund tausend Dollar und drohenden Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren finden die putzigen Tierkinder immer noch Abnehmer.


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