Faszinierende Fotos In der Kinderstube der Killerwale

Mit einer Drohne haben Forscher Schwertwale abgelichtet - und einen besonderen Moment erwischt: Das Bild zeigt, wie eine Walmutter ihr Baby stillt.

NOAA Fisheries/ Vancouver Aquarium

In freier Natur gibt es nur noch weniger als hundert von ihnen: Die Southern Resident Killer Whales sind die einzigen Schwertwale, die der United States Fish and Wildlife Service als gefährdet einstuft. Doch nun haben Forscher gute Nachrichten: Es gab 2015 einen Babyboom bei den seltenen Meeressäugern.

Gleich fünf Kälber wurden laut der amerikanischen Ozeanbehörde NOAA im Jahr 2015 geboren, das Vancouver Aquarium berichtet von vier. "Für eine Population dieser Größe ist das eine große Sache", so die NOAA. Insgesamt umfasst die Population jetzt 81 Schwertwale, darüber sind sich beide Institutionen einig. Drohnen haben den Walnachwuchs jetzt in einem ganz besonderen Moment fotografiert.

Mein Lachs ist dein Lachs

Ein Bild zeigt, wie eine Walmutter ihr Baby stillt (siehe Fotostrecke). Die südliche ortsgebundene Population - wie man die Southern Resident Killer Whales auf Deutsch bezeichnen könnte - sei dafür bekannt, dass sie sich häufig nah an der Wasseroberfläche zeigt, schreibt Lance Barrett-Lennard, Leiter des Meeressäuger-Forschungsprogramms des Vancouver Aquarium in einem Blogeintrag. "Wir konnten die Wale beim Stillen, Spielen und Entspannen beobachten."

Auch das soziale Miteinander fasziniert die Forscher immer wieder. So habe ein großes Männchen etwa einen gerade getöteten Lachs eine Weile mit seiner Schnauze vor sich hergeschubst, berichtet Barrett-Lennard. Dann sei es zu seiner Mutter geschwommen und habe den Fisch an sie übergeben. Dass Futter unter Schwertwalen geteilt wird, war bereits von der nördlichen Population (Northern Resident Killer Whales) bekannt, bei der südlichen wurde es bislang aber kaum dokumentiert.

Walen beim Wachsen zusehen

Im Gegensatz zu den meisten anderen Schwertwalen, die auf ihren Wanderungen große Distanzen zurücklegen, leben die ortsgebundenen Populationen das ganze Jahr über im Nordpazifik zwischen Vancouver Island und dem amerikanischen Bundesstaat Washington. Sie ernähren sich dort von Lachs.

Mit Drohnen versuchen die NOAA und das Vancouver Aquarium, den Gesundheitszustand dieser Wale zu erfassen. Ihr Ziel: Die Fangquoten für Lachse sollen so angepasst werden, dass genug Futter für die Schwertwale bleibt. Die Beobachtung aus der Luft hat für die Gesundheitseinschätzung einen entscheidenden Vorteil.

Speckt ein Schwertwal ab, ersetzt er einen Großteil des Fetts durch Wasser, um seine Stromlinienform zu behalten. Von der Seite sieht er deshalb erst dünn aus, wenn er schon stark unterernährt ist und sich eine Kuhle hinter dem Atemloch bildet. Von oben erkennt man schmalere Exemplare dagegen sofort - bevor sie so geschwächt sind, dass sie sich etwa durch strengere Fischfangquoten nicht mehr retten lassen.

Für die Aufnahmen fliegt die Drohne etwa 30 Meter über dem Wasser. Stören scheint das die Wale nach allem, was die Forscher bislang beobachtet haben, nicht. So sind bereits im September 2014 eindrucksvolle Bilder entstanden. Einige dieser Aufnahmen erlauben es nun, die Entwicklung einzelner Tiere genau zu verfolgen.

So zeigt ein Bild, wie eines der Kälber zwischen 2014 und 2015 kräftig gewachsen ist und die für neugeborene Schwertwale typischen grauen Schattierungen verloren hat. Auch das jetzt erstmals fotografierte hungrige Schwertwalbaby wollen die Forscher weiter begleiten. "Säugen kostet die Walkuh extrem viel Energie", schreibt die NOAA. Folgeaufnahmen sollen verraten, ob das Kalb gut wächst und die Mutter genug Lachs findet, um sich und das Junge am Leben zu halten.

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insgesamt 2 Beiträge
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manni.baum 27.10.2015
1. Killerwale
"Killerwale" was soll die BILD-Bezeichnung, es gibt auch Killerkatzen die fressen (seltsamerweise) lieber Mäuse als Whiskas und Killerspinnen die fressen Fliegen.
tinosaurus 28.10.2015
2. Nie gedacht
dass es nur noch so wenige Schwertwale gibt. Diese hochintelligenten Tiere verdienen Schutz, aber auch das geht Richtung Wunschdenken solange einige Staaten weiterhin Wale fangen und jagen.
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