Faszinierende Fotos Killerwale auf Kuschelkurs

Erstmals haben Forscher Schwertwale mit einer Drohne beobachtet. Die beeindruckenden Aufnahmen vor Kanadas Nordwestküste zeigen den Gesundheitszustand der Meeressäuger - und ihren Spieltrieb.

NOAA/ Vancouver Aquarium

Zu dick, zu dünn, schwanger, alt, gesund oder krank? Forscher haben Schwertwale, die umgangssprachlich auch Killerwale genannt werden, zum ersten Mal mit einer Drohne gefilmt. Die Aufnahmen aus der Vogelperspektive zeigen, wie die Wale miteinander umgehen, wie sie spielen, Grenzen austesten und wie viel Futter sie finden.

Beobachtet haben die Forscher 77 Exemplare aus der Schwertwal-Population vor der Küste des kanadischen Bundesstaats British Columbia. Diese Gruppe lebt das Jahr über in den Gewässern im Nordpazifik und ernährt sich dort von Lachs. Dessen Bestände schwankten stark in den vergangenen Jahren - und mit diesen die Gesundheit der Wale.

Perfekte Körperform bis in den Tod

Mithilfe der Drohnen wollen die Forscher herausfinden, wie sich der Hunger des Menschen nach Lachs mit dem der Wale vereinbaren ließe. Ob die sieben bis acht Meter langen Tiere genug Futter finden, lässt sich anhand der üblichen Aufzeichnungen schwer ermitteln.

Speckt ein Schwertwal - auch Orca genannt - ab, ersetzt er einen Großteil des Fetts durch Wasser, um seine Stromlinienform zu behalten. Von der Seite sehen die Tiere deshalb erst dünn aus, wenn sie stark unterernährt sind und sich eine deutlich Kuhle hinter dem Atemloch bildet. Dann sind die Wale allerdings schon so geschwächt, dass sie meist sterben.

Aus der Luft ist das anders, wie die Aufnahmen (hier geht's zu den Fotos) zeigen. "Es war sofort klar, dass wir kein Problem haben würden, gut genährte und dünne Wale zu unterscheiden", schreibt Lance Barrett-Lennard, Leiter des Meeressäuger-Forschungsprogramms des Vancouver Aquarium in einem Blogeintrag.

Alte Bekannte aus der Luft identifiziert

Laut der Untersuchung sind die Wale in einem guten Zustand. Auch tragende Weibchen haben die Forscher identifiziert. 30 Meter über der Wasseroberfläche fliegend filmten sie, wie die Wale Fische jagten und Jungtiere miteinander spielten. Immer wieder suchten die Wale Körperkontakt zu den anderen. Auch friedlich beieinander schwimmende Wale und Delfine waren zu sehen.

"Die Aufnahmen sind beeindrucken", berichtet Barrett-Lennard. Die Wissenschaftler, die die Schwertwale vor Kanadas Nordwestküste seit Langem erforschen, konnten einzelne Tiere von oben an ihrer Zeichnung und charakteristischen Narben wiedererkennen.

Es gab aber auch schlechte Nachrichten: In der kurzen Studienzeit vom 14. bis zum 27. August 2014 verschwanden gleich zwei Schwertwale. Einer der beiden war recht alt für einen nicht wandernden Schwertwal, sodass sein Verschwinden die Forscher kaum überraschte. Der zweite Wal hatte einige Zeit vorher ein Kalb verloren. Eine Krankheit könne seinen plötzlichen Tod verursacht haben, vermuten die Forscher.

"Das Wichtigste ist, dass die Wale nicht auf die Drohne reagiert haben", erklärt Barrett-Lennard. Die Schwertwale hätten das Gerät nicht einmal wahrgenommen. Gemeinsam mit Kollegen will der Forscher die Drohne nun öfter einsetzen, um zu untersuchen, wie sich Lachsfangquoten und der Hunger der Schwertwale vereinbaren ließen.

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jme



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