Nach rund zweiwöchiger Trauerphase Orca-Weibchen trennt sich von seinem toten Nachwuchs

Mehr als zwei Wochen lang trauerte ein Orca-Weibchen um sein Junges und schob den leblosen Körper immer wieder an die Wasseroberfläche. Nun geben Forscher Entwarnung: J35 frisst wieder - und spielt mit Artgenossen.

Totes Orca-Junges (r.) wird von seiner Mutter an die Wasseroberfläche gedrückt
Michael Weiss/Center for Whale Research/AP

Totes Orca-Junges (r.) wird von seiner Mutter an die Wasseroberfläche gedrückt


Das Schicksal von J35 hatte in den vergangenen Tagen zahlreiche Menschen bewegt: Das Orca-Weibchen hatte am 24. Juli ein Junges geboren, doch der Nachwuchs - ebenfalls ein Weibchen - starb bereits kurze Zeit später. Mindestens 17 Tage lang schleppte J35 den leblosen Körper anschließend auf ihrem eigenen durchs Wasser und schob ihn immer wieder an die Wasseroberfläche.

Nach der rund zweiwöchigen Trauerphase haben Experten am Wal-Forschungszentrum im US-Bundesstaat Washington nun Entwarnung gegeben. J35 habe sich von ihrem Nachwuchs getrennt. Am Samstagnachmittag sei das Schwertwal-Weibchen in der Haro-Straße zwischen dem US-Festland und Vancouver Island dabei beobachtet worden, wie es "energisch" auf die Jagd nach Lachs gegangen sei. Es fresse wieder und spiele mit seinen Artgenossen.

"Ihre Trauerphase ist vorbei", heißt es von dem Wal-Forschungszentrum. Dessen Gründer Ken Balcomb sagte, er sei enorm erleichtert, dass J35 wieder zu ihrem üblichen Verhalten zurückgefunden habe. Der Kadaver des Jungtiers sei höchstwahrscheinlich auf den Meeresgrund gesunken.

Orca J35 (Vordergrund) am Samstag mit Artgenossen
Center for Whale Research/AP

Orca J35 (Vordergrund) am Samstag mit Artgenossen

Den Experten zufolge sind in der Gegend in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwa 75 Prozent des Orca-Nachwuchses gestorben, und in den vergangenen drei Jahren habe kein Junges überlebt. Dies sei vor allem auf zurückgehende Lachs-Bestände zurückzuführen, der Hauptnahrungsquelle der Schwertwale.

Dass Orcas und Delfine sich nicht von ihrem verstorbenen Nachwuchs trennen, sei schon häufiger beobachtet worden, heißt es in der Mitteilung. Dies sei ein Zeichen für die enge Mutter-Kind-Bindung. Diese Phase dauere aber üblicherweise höchstens eine Woche an.

aar

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insgesamt 7 Beiträge
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donatellab 13.08.2018
1. Trauer
Soviel dazu, dass Tiere keine Gefühle haben.
swandue 13.08.2018
2.
"zurückgehende Lachs-Bestände" - Gibt es so wenig Nahrung, dass der Nachwuchs schon unterernährt geboren wird oder die Mutter danach nicht genügend Milch produzieren kann?
zynischereuropäer 13.08.2018
3. @swandue
In einem anderen Artikel hieß es, dass es zu wenig Nahrung gäbe und diese auch stark mit Schwermetallen belastet sei, was auch nicht unbedingt hilft. Hinzukommt noch die Belastung durch Sonar und regen Schiffsverkehr in der Region.
jeby 13.08.2018
4.
Zitat von swandue"zurückgehende Lachs-Bestände" - Gibt es so wenig Nahrung, dass der Nachwuchs schon unterernährt geboren wird oder die Mutter danach nicht genügend Milch produzieren kann?
Es liegt nicht an der Milch. Die Kälber werden meistens schon tot geboren und in diesem Fall starb es wenige Minuten nach der Geburt. http://time.com/5363954/j35-killer-whale-calf/ The whale, known as Tahlequah or J35, is one of just 75 Southern Resident killer whales left in the ocean, and her calf — which died minutes after it was born last month — was the group’s first live birth since 2015.
mhwse 13.08.2018
5. eher halogenierte Kohlenwasserstoffe
oder andere Pestizide - die z.B. das Nervensystem schädigen - nicht nur bei Meeressäugern .. (die "Volkskrankheit" Autismus - könnte man durchaus auch unter diesem Aspekt sehen..) Kinderärzte die den erstem (auch bei Vorschädigung) Atemzug unterstützen haben Wale halt nicht .. Sehr deprimierend, was dem "sicheren" Job und dem Schnitzel in der Kantine dort, so alles geopfert wird ..
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