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Alte Orca-Weibchen: Wer Hunger hat, fragt Oma

Orca-Weibchen auf Futtersuche: Weise Wale Fotos
Kenneth Balcomb/ Center for Whale Research

Schwertwal-Weibchen können 90 Jahre alt werden, pflanzen sich den Großteil ihres Lebens aber nicht fort. Doch bis ins hohe Alter haben sie große Bedeutung.

Die Natur ist erbarmungslos: Taugen Weibchen nicht mehr zur Fortpflanzung, müssen sie sterben. So ist es bei den meisten Lebewesen. Orcas, auch als Schwertwale bekannt, bilden da eine von wenigen Ausnahmen. Evolutionär scheint ihr langes Leben ohne Fortpflanzung dennoch sinnvoll zu sein, berichten Forscher. So helfen Orca-Omas nach den Wechseljahren ihren Nachfahren beim Überleben und stellen so sicher, dass ihre eigenen Gene weitergeben werden.

Weibliche Orcas pflanzen sich im Alter von 12 bis 40 Jahren fort, können aber etwa 90 Jahre alt werden. Damit sind sie - neben dem Menschen - die Tiere mit der längsten Lebensspanne ohne Fortpflanzung. Orca-Männchen werden in der Regel nur etwa 50 Jahre alt. Vorangegangene Studien hatten bereits gezeigt, dass Orca-Weibchen nach der Menopause die Überlebenschancen ihrer Kinder und Enkel erhöhen- wie, war allerdings unklar.

Nicht verzagen, Oma fragen

Lauren Brent von der University of Exeter und Kollegen untersuchten nun Daten von Walbeobachtungen aus den vergangenen 35 Jahren und beobachteten die Wanderung von 102 Orcas im Nordpazifik vor der Küste der USA und Kanada auf Video. Die Daten enthielten Geburts- und Todestage sowie die Verwandtschaftsverhältnisse der Wale. Schließlich verglichen die Forscher das Verhalten der Tiere mit den Lachsbeständen im Pazifik.

Es zeigte sich, dass die alten Orca-Weibchen ihren Familien bei der Jagd helfen, besonders dann, wenn es schwer ist, Fische zu finden. War der Lachs knapp, führte meist ein altes, nicht mehr fortpflanzungsfähiges Weibchen die Walgruppen an, berichten die Forscher im Fachmagazin "Current Biology".

In Jahren mit niedrigem Lachsbestand sterben typischerweise mehr Schwertwale und weniger Kälber werden geboren. So sei der Nutzen von einem erfahrenen, weisen Weibchen, das auch bei Nahrungsknappheit zum Lachs findet, leicht vorstellbar.

"Wir haben gezeigt, dass Weibchen nach den Wechseljahren das Überleben ihrer Angehörigen unterstützen können, indem sie Wissen über die Umwelt mit ihnen teilen", erklärt Brent. Das könne erklären, warum Orcas nach der Menopause so lange weiter leben und liefere Hinweise, warum auch Frauen nach den Wechseljahren noch viele Lebensjahre vor sich haben.

Erfahrung der Alten auch für den Menschen wichtig

"Beim Menschen wurde lange vermutet, dass die Menopause eine Folge der modernen Medizin und verbesserter Lebensbedingungen ist", erklärt Darren Croft, ebenfalls von der University of Exeter und an der Studie beteiligt. Nun häuften sich jedoch die Hinweise, dass sich die Lebensdauer nach der Menopause an die Bedürfnisse einer Spezies anpasst.

Bevor der Mensch lesen und schreiben konnte, also fast die gesamte Zeit seiner bisherigen evolutionären Entwicklung, war auch er auf Informationen von Vorfahren angewiesen. Zu Zeiten von Jägern und Sammlern hätten die ältesten und erfahrensten Menschen am ehesten gewusst, wann und wo man etwas zu essen finden konnte - besonders, wenn es wenig gab, etwa zu Dürrezeiten, argumentieren die Forscher.

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jme

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