Orchideen-Evolution: Wie Bienen Blumen formen

Wer war zuerst da? Die Orchidee, die verführerischen Duft anbot - oder die Biene, die solche Düfte suchte? Die andere Möglichkeit: Beide entwickelten sich parallel zueinander. Auf diese Evolutionsfrage haben Biologen nun eine Antwort.

Bienen mit Blütenpollen: In flagranti erwischt Fotos
Science/ S. Ramírez

Hamburg - Männliche Prachtbienen betören ihre weiblichen Artgenossen mit besonderen Düften. Diese allerdings produzieren die Insekten nicht selbst, sie sammeln sie ein: Dafür besitzen sie praktische Taschen an den Hinterbeinen, in denen sie die Substanzen lagern. Oft stammen die duftenden Pakete von speziellen Orchideen.

Doch die Blumen stellen das Parfum natürlich nicht ohne Eigennutz her: Die buhlenden Insektenmännchen transportieren mit dem Duft auch Pollen der Pflanzen weiter, sorgen also für deren Fortpflanzung. Nektar, der andere Insekten anlockt, bilden diese besonderen Orchideen dagegen nicht.

In Mittel- und Südamerika gibt es mehr als 200 Arten von Prachtbienen - und mehr als 600 Orchideenarten, die den männlichen Duftsammlers Pollen anbieten. Bienen und Blumen erscheinen dabei als eingespielte Teams, von ihrem Zusammenspiel profitieren beide. Für Evolutionsbiologen stellt sich dabei die Frage, wie sich diese Arten entwickelten. Charles Darwin stellte die Theorie der Koevolution auf, bei der sich zwei Arten wechselseitig beeinflussen.

Um diese These zu prüfen, hat eine Forschergruppe um Santiago Ramírez von der Harvard University jetzt Erbgutabschnitte von 138 Prachtbienen-Arten untersucht. Zudem analysierten sie Pollen von rund 80 Orchideen-Arten, den sie an mehr als 7000 eingefangenen Bienenmännchen fanden.

Wie das internationale Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet, haben sich Bienen und Blumen nicht in einer Koevolution miteinander entwickelt. Stattdessen veränderten sich die Bienen zuerst - und die Orchideen passten sich an.

Ihrer Untersuchung zufolge gehen die Prachtbienen auf einen jüngsten gemeinsamen Vorfahren zurück, der vor 34 bis 38 Millionen Jahren lebte und schon eine Vorliebe für besondere Düfte hatte. Erst um die zwölf Millionen Jahre später entwickelten Orchideen die Fähigkeit, die von den Bienen geschätzten Duftstoffe zu produzieren.

Dass die Bienenmännchen auch Düfte von Pilzen und Blättern einsammeln, spricht den Forschern zufolge zudem dafür, dass es die Orchideen waren, die sich anpassten.

wbr

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